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Berufsporträts – Mitarbeitende geben Einblick in ihre Tagesabläufe

24.08.2020

Schon gewusst? Rund 800 Menschen arbeiten in über 50 Berufen für die Burgergemeinde Bern. Forstwart, Sommelier, Ornithologe, Bank-Privatkundenberaterin, Paläontologin, Architekt, Sozialarbeiterin, Archivar, Pfarrerin sind nur einige Berufe. Dazu werden 30 Lernende ausgebildet sowie rund ebenso viele Praktikumsstellen angeboten. Zudem engagieren sich zahlreiche freiwillige Mitarbeitende in verschiedenen burgerlichen Institutionen. Mitarbeitende der Burgergemeinde geben Einblick in ihre Tätigkeit.

Patrick Mumenthaler versüsst den Besuch im Casino

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Bild: marmite-youngster.ch / Filipa Peixeiro

TEXT: PATRIZIA JAEGGI

Bescheidenheit und Freude am «Gäggele» – das zeichnet Patrick Mumenthaler aus. Seit Januar kocht der gelernte Konditor-Confiseur im Casino Bern und kann trotz seinen jungen Jahren bereits einen bemerkenswerten Werdegang vorweisen.

Sein Start war alles andere als gewöhnlich. Wegen Corona startete Patrick Mumenthaler gleich mit vier Monaten «Zwangspause» im Casino Bern. Obwohl er sich hauptsächlich für die Pâtisserie interessiert und ihm die Backstube wenig zusagt, hat er während seinen freien Tagen erstaunlich viel Gefallen am Backen gefunden und Neues ausprobiert.

Vom Spitzensport in die Küche
Eingestellt wurde Patrick Mumenthaler als Pâtissier. Der gelernte Konditor-Confiseur sowie gelernte Koch unterstützt momentan jedoch die Küche und ist nur teilweise als Pâtissier beschäftigt. Diese Situation erlaubt es, dass ein passendes Konzept in der Küche aufgebaut werden kann. Patrick Mumenthaler ist in seiner Funktion für die «à la carte»-Nachspeisen zuständig. Die Küchenchefs geben bei der Zusammenstellung der Menus die Geschmäcker vor. Danach ist es Patrick Mumenthalers Aufgabe, die passende Dessertkarte zu kreieren. Dabei wird er von Samuel Dober, dem Chef Pâtissier, unterstützt.

Obwohl Patrick Mumenthaler aus einer Gastronomie-Familie kommt, entschied er sich erst spät für eine Lehre als Konditor-Confiseur. Seit seiner Kindheit ist er passionierter Kunstturner und hat neun Jahre lang Spitzensport betrieben. Patrick Mumenthaler hat sich also kaum mit seiner beruflichen Zukunft beschäftigt. Nachdem er jedoch beim Schnuppern im Restaurant Schöngrün Einblicke in die Pâtisserie erhielt, war er überzeugt: Er will Pâtissier werden. «Feine, kleine und elegante Süssigkeiten herzustellen, gefiel mir sehr und das «Gäggele» liegt mir.»

Ein Pâtissier mit Erfolg
Eine Lehre zum Konditor-Confiseur scheint die richtige Entscheidung gewesen zu sein. Patrick Mumenthaler hat ein Händchen für Süssigkeiten. Im vergangenen Jahr nahm der Pâtissier aus Blumenstein am Nachwuchswettbewerb marmite youngster teil. Die Aufgabe: eine Dessertkreation zum Thema «Der Jurabogen, eine fast vergessene Welt». Da Patrick Mumenthaler keine halben Sachen macht, reiste er zur Vorbereitung in den Jura und liess sich von der jurassischen Kulinarik inspirieren. Mit grösster Gelassenheit beschritt er das 90-minütige Finale und zauberte sein perfekt ausgetüfteltes Dessert problemlos auf den Teller. Im November 2020 wurde Patrick Mumenthaler schliesslich zum Gewinner des marmite youngsters ausgezeichnet. «Ich habe am Wettbewerb teilgenommen, um mich selbst weiterzuentwickeln, nicht um jemandem etwas zu beweisen». Wie seine Zukunft aussieht, weiss er noch nicht. Der Gastronomie wird er aber auf keinen Fall den Rücken kehren.

Nadja Glarner – Zwischen Verlorenem und Erhaltenem

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TEXT: PATRIZIA JAEGGI; BILD: MARTIN GRASSL

Mit grösster Sorgfalt schiebt Nadja Glarner eine historische Handschrift in die Mitte des Tisches: das Testament einer adeligen Frau aus dem 16. Jahrhundert aus dem Waadtland. Die Lettern sind für Laien kaum zu entziffern, nicht so für Nadja Glarner. Sie hatte schon immer Gefallen an der Geschichte gefunden, weshalb sie sich für ein Geschichtsstudium mit Schwerpunkt Mittelalter und früher Neuzeit entschied. Nach dem Studium absolvierte sie ein Praktikum beim Archiv für Agrargeschichte, welches zu einer Festanstellung dort führte, zudem war sie für eine private Archivdienstleistungsfirma tätig.

Genau zwei Jahre dauert nun ihre Projektstelle bei der Burgerbibliothek. Eigentlich ist Nadja Glarner keine typische Projektmitarbeiterin. Die Burgerbibliothek vergibt ihre Projektstellen normalerweise an Studienabgängerinnen und Studienabgänger und ermöglicht ihnen damit einen optimalen Einstieg in die Arbeitswelt. Das derzeitige Erschliessungsprojekt beinhaltet jedoch anspruchsvolle und besonders alte Dokumente. Nadja Glarners Ausbildung und ihre bisherige Berufserfahrung waren also ideale Voraussetzungen für die Projektmitarbeit. Genauigkeit und Effizienz sind bei ihrer Arbeit enorm wichtig. Die Familienbestände der burgerlichen Familien von Mülinen und von Tavel müssen in lediglich zwei Projektjahren erschlossen werden.

Nadja Glarners Aufgabe besteht darin, die Metadaten der Dokumente im Archivkatalog zu erfassen, den Inhalt zu beschreiben und ihren konservatorischen Zustand zu kontrollieren. Die Archivalien werden anschliessend in säurefreien Verpackungen im Archiv eingelagert. Durch das Erschliessen der Bestände werden diese der Öffentlichkeit erst zugänglich gemacht. Vom Studieren hat Nadja Glarner noch nicht genug. Neben der Projektstelle absolviert sie ein Nachdiplomstudium zur wissenschaftlichen Archivarin. «Die Kombination aus Projektmitarbeit und Studium ist perfekt. Ausserdem ist diese Stelle einmalig, da derart interessante und zeitlich weit zurückreichende Akten erschlossen werden.» Die Dokumente muten der Historikerin wie eine Zeitmaschine an, versetzen sie diese doch in die Welt und Zeit, der sie entstammen. «Es fasziniert mich, dass ich wahrscheinlich die erste oder zweite Person bin, die dieses Testament in Händen hält, um es wieder zu lesen.»

Lou Anne Berclaz – Neuer Weg, neues Glück

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TEXT: PATRIZIA JAEGGI; BILD: MARTIN GRASSL

Backen war ihre grosse Leidenschaft, wie sich Lou Anne Berclaz erinnert: «Ich habe als Kind so viel gebacken, dass wir keinen Platz mehr in der Gefriertruhe hatten.» Dennoch entschied sie sich nach Abschluss der obligatorischen Schulzeit für das Gymnasium. Sie merkte dort aber schnell, dass ihr der Unterricht zu theoretisch war. Aufgrund ihrer Leidenschaft fürs Kochen entschied sie sich dann für eine Lehre als Köchin.

Seit gut einem Jahr bekocht Lou Anne Berclaz im Team die Anwohnenden des Burgerspittels. Die jeweilige Diensteinteilung gibt vor, ob sie für die kalte Küche, das Mittagessen oder das Abendessen zuständig ist. Dadurch bekommt sie Einblick in alle Bereiche der Küche. Spätestens um sieben Uhr ist Feierabend. Lou Anne Berclaz ist sich auch andere Arbeitszeiten gewohnt. Der Burgerspittel ist nämlich ihr zweiter Lehrbetrieb. Vor rund zweieinhalb Jahren begann sie ihre Kochlehre in einem À-la-carte-Restaurant. Wegen Unstimmigkeiten und des schlechten Arbeitsklimas im Betrieb verlor Lou Anne Berclaz aber die Freude am Kochen. Umso glücklicher ist sie nun über ihre zweite Chance im Burgerspittel. Lehrabbrüche unter angehenden Köchinnen und Köchen sind wegen der harten Arbeitsbedingungen häufig, deshalb engagiert sich der Burgerspittel, indem er den jungen Lernenden eine zweite Chance bietet.

Der Wechsel in den Burgerspittel war nicht nur mit einer Veränderung des Arbeitsklimas verbunden. «Obwohl wir ein Altersheim sind, bedeutet dies nicht, dass alles verkocht ist», betont sie. «Klar, die Kartoffeln werden etwas weicher gekocht als in einem normalen Restaurant, und es muss darauf geachtet werden, dass die Speisen nicht zu stark gewürzt sind.» Da Lou Anne Berclaz während ihrer Arbeit im Burgerspittel unter weniger Zeitdruck steht, lernt sie viel über die optimale Zusammensetzung der Lebensmittel und Nährstoffe. Bei der Vorbereitung der bevorstehenden Lehrabschlussprüfungen wird sie vom Team im Burgerspittel tatkräftig unterstützt. An mindestens zwei Tagen pro Monat darf sie selbst bestimmen, was sie noch üben möchte. Die angehende Köchin darf ausserdem eigene Mahlzeiten kreieren – diese Kreativität, die Freiheit und die fertigen Endprodukte motivieren sie jeden Tag aufs Neue.

Für die Zukunft hat die junge Köchin bereits grosse Pläne. Nach der Lehre möchte sie die Berufsmaturität absolvieren, reisen und dabei internationale Erfahrung in der Gastronomie sammeln und vielleicht noch Tourismus studieren oder die Hotelfachschule besuchen.

André Gerteis – Ein Zahlenmensch durch und durch

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TEXT: LEA RÖTHLISBERGER / BILD: LEA MOSER

«Dinge mit Zahlen gehen immer auf», sagt André Gerteis schmunzelnd, «da gibt es keine Ausnahmen wie beim Subjonctif.» Schon in der Schule mochte er Mathematik am liebsten und somit war der Berufsweg schnell klar. In seinem heutigen Job kümmert er sich um die Buchhaltung der Sozialinstitution, zahlt und stellt beispielsweise Rechnungen aus und ist für die Jahresrechnung, das Budget und den Finanzplan zuständig. Nebst den vielen Zahlen bietet sich André Gerteis bei seiner täglichen Arbeit jedoch auch viel Menschenkontakt. «Die Menschen hinter den Zahlen und den Produkten sind für mich das Wichtigste.» Bei SORA ein essenzieller Aspekt, denn im Zentrum der Arbeit stehen Familien und Erwachsene in schwierigen und belastenden Lebenssituationen. Die Institution der Burgergemeinde Bern hat zum Ziel, sie zu unterstützen und zu begleiten. Dies geschieht durch auf den Konflikt zugeschnittene Unterstützung: Sei es durch Beratungsgespräche, unterstützende Dienstleistungen oder Aufenthalte in den eigens betriebenen Wohngemeinschaften.

«An meiner Arbeit liebe ich besonders die Vielseitigkeit», erklärt André Gerteis. Was auf den ersten Blick langweilig scheinen mag, sei erstaunlich abwechslungsreich. «Kein Jahr, keine Abrechnung ist gleich. Es stehen immer wieder neue Herausforderungen an, das finde ich spannend.» Wenn man 100 Prozent arbeite und beinahe mehr Zeit im Büro verbringe als zuhause, sei es wichtig, dass einem die Arbeit gefalle. In seiner Position erledigt er alle Arbeiten der ganzen Abteilung selbst: «Ich kümmere mich auch um Telefonanrufe und ums Einpacken der Rechnungen. Ich mag es, allein verantwortlich zu sein und mich selbst organisieren zu können.»

Trotzdem fühlt sich André Gerteis im Team von SORA gut eingebunden. Unter anderem steht er durch Lieferantenrechnungen, Spesenabrechnungen oder Klienteneinträgen oft direkt im Kontakt und Austausch mit den Sozialarbeitenden. Vom täglichen Geschäft erfährt er viel – durch seinen Arbeitsplatz direkt beim Empfang geht nichts an ihm vorbei. «Ich erlebe die Besuche und die Begleitungsgespräche verschiedener Familien hautnah, das gibt mir einen direkten Einblick in die Arbeit».

Seit einem guten halben Jahr arbeitet André Gerteis bei der Burgergemeinde Bern und ist von deren Vielfältigkeit und Vernetzung beeindruckt. Auf die freie Stelle bei SORA wurde er nicht durch Zufall aufmerksam: «Meine Frau Marlis arbeitet im Naturhistorischen Museum, dadurch habe ich einen ersten Eindruck der Burgergemeinde erhalten und wollte mehr wissen.» Besonders erinnert sich André Gerteis, der eigentlich gar nicht auf Stellensuche war, an das unkomplizierte Bewerbungsverfahren.

«Ganz besonders spannend finde ich auch den Einblick in die Welt der Zünfte und Gesellschaften», sagt er. Die Burgergemeinde sei ganz anders, als er sich diese vorgestellt habe. Ein Beruf, der die Welt der Zahlen mit den Menschen verbindet – für André Gerteis ein Volltreffer.

Patrick Güdel – Jeden Tag etwas Gutes tun

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TEXT: LEA RÖTHLISBERGER / BILD: LEA MOSER

Patrick Güdel geniesst es, wenn er den Bewohnenden eine Freude machen und ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann. «Ich spüre ihre grosse Dankbarkeit jeden Tag. Das gibt mir sehr viel und tut mir gut.» Als Pflegehelfer unterstützt er die Pflegenden bei ihrer täglichen Arbeit und ist für die Betreuung der Bewohnenden zuständig. Die Wertschätzung, die er für diese Arbeit im Burgerspittel erhält, sei für ihn ganz anders als noch als Detailhandelsfachmann. Er hat nun gefunden, was ihm in seinem früheren Beruf gefehlt hat: «Wenn ich am Abend nach Hause gehe, kann ich sagen, ich habe etwas Gutes getan und den Leuten geholfen.»

Am meisten Spass macht dem jungen Pflegehelfer seine Arbeit, wenn er sich am Nachmittag etwas mehr Zeit für die Bewohnenden nehmen kann. «Zum Beispiel mache ich mit ihnen ein Kaffeekränzchen im Garten, gehe spazieren oder spiele ‹Memory›. Das geniessen sie immer sehr.» Speziell während der ausserordentlichen Lage durch das Coronavirus, als keine Besuche von Angehörigen möglich waren, sei die persönliche Betreuung wichtig gewesen. Was Güdel an seinem Beruf ebenso gefällt: «Ich weiss nie, was mich erwartet, jeder Tag ist anders. Jeder Tag ist ein Highlight für mich.»

Doch nicht alles ist dem engagierten Pflegehelfer von Beginn an leichtgefallen, erzählt er. «Es ist schwierig, allen Leuten gerecht zu werden. Ich habe gelernt, dass die Leute sehr ungeduldig sein können. Zum Beispiel am Abend, wenn alle gleichzeitig ins Bett wollen.» Mit der Zeit lernte Güdel, mit diesen Herausforderungen umzugehen.

Nach der Lehre als Detailhandelsfachmann startete Patrick Güdel als Zivildienstleistender im Burgerspittel am Bahnhofplatz. Auf diesem Wege erhielt er einen ersten Einblick in die Gesundheitsbranche. «Am Anfang konnte ich mir einen solchen Beruf überhaupt nicht vorstellen, aber plötzlich gefiel es mir.» Güdel erhielt die Gelegenheit, die Lernenden aus der Pflege zeitweise zu begleiten, damit er sich vom Beruf noch ein besseres Bild machen konnte. Kurz darauf entschied er sich, den Kurs als Pflegehelfer zu absolvieren. Nach zwei Erfahrungsjahren als Pflegehelfer kann Patrick Güdel berufsbegleitend die Lehre als Fachmann Gesundheit in Angriff nehmen. Darauf freut er sich sehr: «Als Pflegefachmann kann ich auch medizinische Entscheide treffen und darf zum Beispiel Medikamente abgeben oder Blut nehmen. Das bringt Abwechslung in meinen Arbeitsalltag.»

Patrick Güdel kennt beide Standorte der Alters- und Pflegeinstitution «Der Burgerspittel»: die Abteilung im Burgerspital am Bahnhofplatz sowie das Hauptgebäude im Viererfeld. «Das Ambiente ist völlig anders, man kann die beiden Orte nicht miteinander vergleichen.» Am Bahnhofplatz sind die Bewohnenden noch eher selbständig und durch die zentrale Lage direkt am Puls der Stadt. Im Viererfeld bietet sich im grossen Park die Gelegenheit, mit den Bewohnenden einen Spaziergang zu machen und unterwegs die verschiedenen Tiere zu besuchen. Patrick Güdel mag die Abwechslung: «Als ich am Bahnhofplatz arbeitete, ging ich mit den Leuten in die Stadt. Da erzählten sie immer spannende Geschichten von früheren Zeiten. Aber ich geniesse nun auch die Ruhe und die Natur im Viererfeld. Hier bieten sich viele schöne Möglichkeiten zur Betreuung.»

Claudia Tröhler – Bei ihr laufen alle Fäden zusammen

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TEXT: LEA RÖTHLISBERGER / BILD: LEA MOSER

Wer bei der Burgerkanzlei anruft, hat gute Chancen, an Claudia Tröhler zu gelangen. Denn der Telefondienst der Hauptnummer der Burgergemeinde Bern gehört unter anderem zu den Aufgaben der Sachbearbeiterin. «Durch meine Arbeit bin ich mit verschiedensten Leuten in Kontakt. Darunter gibt es auch ab und zu lustige Telefonate», verrät sie. Sei es der Stubenschreiber einer Zunft oder die Burgerin, die in Amerika wohnt – sie alle landen mit ihrem Anliegen als erstes bei Claudia Tröhler. Doch das ist noch lange nicht alles: «Mein Hauptarbeitsfeld ist das Führen des burgerlichen Personenregisters. Dort tragen wir zum Beispiel alle Zivilstands- oder Adressänderungen ein. Dabei geht es um rund 18‘000 Burgerinnen und Burger – uns ist es also nie langweilig.»

An ihrem Job liebt Claudia Tröhler besonders die Selbständigkeit und das Mitwirken in den diversen Bereichen der Burgergemeinde Bern. Sie muss viele Dinge unter einen Hut bringen, damit das Tagesgeschäft läuft und die Ordnung in der Administration bestehen bleibt. Um letzteres zu erreichen, geht die Arbeit allerdings nie aus: «Weil alle Burgerinnen und Burger auf der ganzen Welt verstreut sind, ist unser Personenregister unmöglich aktuell. Das muss ich akzeptieren», sagt sie lachend. Zu Tröhlers Arbeitsalltag gehören kurzfristige Aufgaben genauso wie längerfristige Projekte, wie zum Beispiel die Durchführung der Urnenabstimmung zweimal im Jahr. An diesem Tag schlägt der Puls jeweils etwas höher. «Bis alle Stimmzettel ausgezählt und das Resultat ermittelt ist, kann ich nicht Feierabend machen.» Diese Unterschiede führen dazu, dass man den Arbeitstag nur schlecht planen kann. «Wenn ich am Morgen ins Büro komme, weiss ich nie genau, was mich erwartet», sagt Tröhler, «das gefällt mir.»

Nebst den vielseitigen Aufgaben in der Administration ist Claudia Tröhler auch für die Betreuung des respektive der Lernenden im 1. Lehrjahr verantwortlich. Diese Aufgabe schätzt sie sehr. «Ich finde es spannend, wenn immer wieder jemand neues zum Team dazustösst. Besonders am Anfang braucht es im Umgang mit den Jugendlichen viel Aufmerksamkeit und Feingefühl.» Eine Tätigkeit, der Tröhler mit Leidenschaft nachgeht. In der Administration der Burgergemeinde Bern landete sie auf Umwegen. Nach der Ausbildung auf der Gemeindeverwaltung arbeitete sie als Tourismusassistentin, was sie bis nach Schweden führte. Der Job bei der Burgergemeinde führte sie somit zurück zu ihren persönlichen und beruflichen Wurzeln. «Die Stelle bedeutet mir viel und gibt mir Sicherheit. Im Team und am Arbeitsplatz im Zentrum von Bern fühle ich mich sehr wohl, das spielt für mich eine grosse Rolle bei meiner Arbeit.»

Samuel Dober – Süsse Kunstwerke zaubern

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TEXT: HANNA WENGER / BILD: LEA MOSER

Wer im Casino Bern ein Dessert geniesst, setzt seinen Gaumen einer süssen Geschmacksexplosion aus. Hinter den aufwändigen Süssspeisen steckt die kreative und arbeitsintensive Arbeit von Samuel Dober und seinem fünfköpfigen Team. «Meist beginne ich den Tag um 7 Uhr mit dem Backen von Gipfeli und Sauerteigbrot. Danach bereite ich das Tagesprogramm vor, das sich aus der Pâtisserie und Dessertkreationen für die Restaurants zusammenstellt.»

Dass Samuel Dober im Herbst 2019 als Chef Pâtissier im Casino gelandet ist, kommt nicht von ungefähr. Der 31-jährige Ostschweizer ist quasi in der Backstube grossgeworden. Schon seine Eltern führten eine Bäckerei, so konnte Dober bereits früh erste Erfahrungen sammeln. «Das Süsse liegt uns im Blut.» Auch sein Bruder ist ein erfolgreicher Küchenchef.

«Man muss gerne Süsses haben und kreativ sein. Dazu erweist sich die Liebe zum Detail und das dafür benötigte Fingerspitzengefühl bestimmt als vorteilhaft», meint Samuel Dober. Während seiner bisherigen beruflichen Laufbahn sammelte er Erfahrungen in der Pâtisserie, Chocolaterie und im Gourmetbereich im In- und Ausland. Die ausgeschriebene Stelle als Chef Pâtissier im Casino Bern entdeckte Dober per Zufall. Sogleich bewarb er sich und es dauerte nicht lange, bis Casino-Direktor Ivo Adam sich bei ihm meldete. Kurz darauf zog Samuel Dober mit seiner Familie nach Bern und trat die Stelle im Casino an.

Seine Aufgabe setzt sich aus ungefähr drei Vierteln Produktionsarbeit und einem Viertel administrativer Arbeit zusammen. «Wir sind ein Team. Die intensive Arbeit in der Produktion würde ohne die Unterstützung meiner Kolleginnen und Kollegen nicht funktionieren.» Besonders beeindruckte ihn beim Stellenantritt im Casino Bern die Grösse des Hauses. Einerseits sei das Gebäude architektonisch höchst beeindruckend, andererseits das vielseitige Angebot beachtlich: «Die verschiedenen Restaurantbereiche ermöglichen es mir, an einer unglaublichen Vielfalt süsser Kreationen zu tüfteln.» So entstehen Desserts für den Salon d’Or, das Restaurant, die verschiedenen Anlässe im Event- und Kulturbereich – und sogar für den Sushi-Meister Atsushi Hiraoka.

In seiner Freizeit geniesst Samuel Dober die Zeit mit seiner kleinen Tochter, erkundet gerne die Altstadt Berns oder trifft sich mit seinen Kollegen zu einem Tennismatch. Er verbringt viel Zeit draussen: «Die Natur ist eine meiner grössten Inspirationsquellen.»

Fabian Loosli – Ob Staubsauger oder Computer ist egal – Hauptsache herumwerkeln!

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TEXT: HANNA WENGER / BILD: LEA MOSER

Schon als kleiner Junge versuchte Fabian Loosli, Computer und Staubsauger auseinanderzubauen: Er wollte in die Gehäuse der Wunderkästen hineinsehen und ihre Funktionsweise verstehen. Heute arbeitet er in der Zentralen Informatik der Burgergemeinde Bern und studiert daneben an der Fernfachhochschule FFHS Betriebsökonomie mit Vertiefung Digital Business.

Seit Februar 2019 unterstützt Fabian Loosli das Team im Burgerspital am Bahnhofplatz. Der gelernte Kaufmann begann nach dem Militärdienst und der einjährigen Berufsmaturität mit seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre. Er trat seine Stelle in der Zentralen Informatik nach zwei Jahren Studium an.

«Meine Arbeit ermöglicht mir, erworbenes Wissen aus dem Studium direkt in die Praxis umzusetzen.» Alle zwei Wochen verbringt Fabian Loosli einen Tag im Präsenzunterricht an der Fernfachhochschule, das restliche Pensum bewerkstelligt er von zuhause aus. So gelingt es ihm, Beruf und Studium unter einen Hut zu bringen. «Meine Stelle bei der Burgergemeinde Bern wurde speziell für Studierende aus den Bereichen Wirtschaftsinformatik oder Betriebsökonomie geschaffen. Mit meiner Studienvertiefung passt diese Stelle perfekt.»

«In meinem Beruf schätze ich die abwechslungsreichen Aufträge, den Kontakt mit verschiedenen Menschen und natürlich die Auseinandersetzung mit neuen Technologien. Im stetigen Wandel der digitalen Welt wird es einem nie langweilig.» Fabian Looslis Arbeitstag beginnt um acht Uhr. Nach Checken der E-Mails und dem Nachführen der internen Buchhaltung folgt eine kurze Teamsitzung mit seinen vier Arbeitskollegen. Der 24-Jährige ist verantwortlich für die Teilbereiche Software und Hardware Asset & Lifecycle Management, die Verträge im Bereich Kommunikation und allem, was Software- Lizenzen und Rechnungen in der Informatik anbelangt. Daneben hält ihn der tägliche Support der Mitarbeitenden auf Trab.

Seit Kurzem wohnt Fabian Loosli im Breitenrainquartier in Bern. Im Sommer fährt er zum Ausgleich oft Velo. Seine Technikbegeisterung geht über IT-Geräte hinaus: «Ich mag es, ein bisschen herumzuwerkeln, egal, ob mit Holz, Elektronik oder auf dem Bildschirm. Hauptsache, das Ergebnis ist irgendwie benutzbar.»

Anouk Riederer – Strenger als eine grosse Schwester

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TEXT: PASCAL MATHIS / BILD: MARTIN GRASSL

Ja, die Frau mag ihren Job. Anouk Riederers Augen leuchten, wenn sie von ihrer Arbeit als Sozialpädagogin erzählt. Sie betreut Kinder und Jugendliche, die vorübergehend in einer Wohnung von «SORA für Familien» leben. Auch Riederer und ihre Teamkolleginnen und -kollegen sind während der Arbeit dort zu Hause – auch in der Nacht. «Diese Nähe zu den Klientinnen und Klienten ist sehr spannend und intensiv.»

Grund des Aufenthalts der jungen Leute sind die Verhältnisse in ihren Familien. Oft machen Eltern schwierige Phasen durch. «Trennungen, psychische Erkrankungen oder etwa häusliche Gewalt.» In solchen Situationen ziehen die Kinder dann für einige Zeit in eine Wohnung von SORA. «Meistens sind es freiwillige Platzierungen bei uns. Denn häufig sind Eltern und auch die Kinder froh um eine solche Auszeit», betont Anouk Riederer.

Während dieser Zeit ist es dann an ihr, sich um die jungen Leute zu kümmern. Ein Erziehungsjob: «Es geht um rechtzeitiges Aufstehen oder ums Zähneputzen», zählt sie zwei Beispiele auf. Alle Klientinnen und Klienten gehen zur Schule oder in die Lehre. Es gibt Hausaufgaben und Ämtli im Haushalt. «Und es kam auch schon mal vor, dass ich mit einem Jugendlichen eine ganze Nacht wach blieb, weil er eine Krise hatte.»

Die Sozialpädagogin versteht sich als Coach. Dass sie sich dabei nicht immer beliebt macht, ist klar. «Oberbefehlerin» höre sie ab und zu, lacht sie. Ist ihr Job eine Schwesterrolle? Sie überlegt lange. «Ich bin sicher strenger als eine grosse Schwester.» Dennoch: «Wir haben es meist sehr cool miteinander.»

Oberstes Ziel sei, die Ressourcen ihrer Klientinnen und Klienten zu stärken. Es bringe nichts, nur auf Schwächen herumzuhacken. Oft sei es auch die Suche nach etwas, das den jungen Menschen Freude bereite – etwa Musik, Malen oder Sport. Auch mit den Eltern ist Riederer im engen Kontakt. «Einige meinen zwar, dass der Nachwuchs bei uns ‹geflickt› werde.» Doch es brauche stets auf beiden Seiten Veränderung.

Eine Arbeit mit Knacknüssen. Aber nur schon, wenn kleine Dinge plötzlich klappen, ist die Freude gross. «Da gehe ich jeweils ganz beschwingt nachhause», sagt Anouk Riederer. So auch damals, als der Jugendliche – einst als «nicht beschulbar» eingestuft – erfolgreich seine Lehre abschloss. «Solches stellt wahnsinnig auf.» Und ihre Augen leuchten wieder.

Patric Pfäffli – Immer da und doch im Hintergrund

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TEXT: HANNA WENGER / BILD: MARTIN GRASSL

Jeden Morgen vollzieht Patric Pfäffli mit seinem Team als einer der Ersten das «Aufweckritual» im Burgerspital: Die Brandalarmanlage wird hochgefahren, darauf folgt ein Kontrollgang in und um das Haus herum, erst danach widmet sich Patric Pfäffli den anstehenden Problemmeldungen, die in seinem Mailpostfach auf ihn warten. Der restliche Tagesablauf gestaltet sich von Tag zu Tag unterschiedlich – genau diese Abwechslung schätzt Patric Pfäffli an seiner Stelle sehr: «Für mich ist es wichtig, in meinem Job Herausforderungen gegenüberzustehen. Die Vielseitigkeit meiner Stelle als Leiter des Hausdiensts und der Technik im Burgerspital bietet mir genau das.»

Kaum jemand kennt sich in den Räumlichkeiten des Burgerspitals so gut aus wie Patric Pfäffli. Sein Bezug zum Gebäude beschränkt sich keineswegs nur auf das eigene Büro, seine Arbeitstätigkeiten in den zahlreichen Ecken und Gängen sind mit vielen Erinnerungen verbunden. Der gelernte Maschinenbauer ist seit Oktober 2016 als Hauswart im Burgerspital tätig und leitet das Ressort seit 2020. «Mit Übernahme der Leitung hat sich für mich einiges verändert. Ich trage neu Verantwortung für die Mitarbeitenden des Hausdiensts und der Reinigung. Die Koordination bringt einiges an administrativer Arbeit mit sich, aber genau diese Vielseitigkeit und die Arbeit im Team sind Herausforderungen, die ich in meinem Beruf gerne anpacke. Nebst den zwei Lernenden in unserem Team sorgen drei weitere Kollegen für den Unterhalt des Gebäudes, fünf weiteren Angestellten obliegt die Reinigung der Räumlichkeiten.»

Nebst seiner Arbeit im Hausdienst und der Technik liebt es Patric Pfäffli, mit seinem Auto über eine schöne Passstrasse zu fahren oder ferne Sterne zu bewundern. «Die Astronomie hat mich nebst vieler technischer Fragen schon immer fasziniert.»

Um sechs Uhr abends übergeben Patric Pfäffli und sein Team das Haus in die Obhut des Sicherheitsdienstes der «Broncos Security», der es über Nacht beaufsichtigt. «Mit der Übergabe beende ich zwar meinen täglichen Präsenzdienst. Für allfällige Notfälle bleibe ich jedoch rund um die Uhr erreichbar». Zum Glück kam es bisher noch zu keinem Brand oder Einbruch. Patric Pfäffli wäre in solchen Situationen als einer der Ersten zur Stelle. «Einmal ging der Feueralarm los, zum Glück aber nur, weil jemand auf einem WC geraucht hatte».

Deborah Steffen – Aus Havanna via SAC-Hütte ins Casino

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TEXT: MARTIN GRASSL / BILD: ANDREINA CAPOL

Die gebürtige Emmentalerin Deborah Steffen ist von Berufes wegen weit herumgekommen: Die gelernte Personalfachfrau und Hotelfachschulabsolventin hat unter anderem fünf Jahre in der kubanischen Metropole Havanna in einem Reisebüro als HR-Verantwortliche gearbeitet. Dazwischen tauschte sie während mehrerer Saisons die Karibik mit Bündner Höhenluft, wo sie in einer SAC-Hütte Dienst leistete. Im Juli 2019 zog es Deborah Steffen für eine Stellvertretung als Mitarbeiterin Personal im Casino Bern wieder in heimische Gefilde zurück.

Das neue, frische Konzept des Hauses bewog sie, sich auf die Stelle zu bewerben. Einen Schritt, den sie bislang nicht bereut hat. «Die Neueröffnung eines Betriebs verlangt Flexibilität, Einsatzwillen und Geduld», meint die motivierte Emmentalerin. Im Fall des Casinos gab es so viel zu tun, dass sie nach Rückkehr der Personalverantwortlichen Manuela Giger, die sie im Mutterschaftsurlaub vertreten hatte, gleich Vollzeit weiterbeschäftigt wurde. Die Tätigkeitsbereiche des Personalwesens wurden aufgeteilt, wobei sich Manuela Giger und Deborah Steffen bei Abwesenheiten gegenseitig vertreten. «Nicht nur die Einführung des neuen Zeiterfassungssystems war aufwendig, gleich nach Eröffnung des Casinos hatten wir mit vielen Personalwechseln zu kämpfen und mussten unsere Rekrutierung optimieren, um Stabilität hinzubekommen», meint Deborah Steffen.

Das junge, multikulturell gemischte Team ist ihr mittlerweile ans Herz gewachsen. «Ich schätze, dass ich selbständig arbeiten sowie Verantwortung übernehmen kann und Ideen willkommen sind. Wie überall, gibt es auch bei uns Tage, an denen es nicht ganz rund läuft. Da ist es nicht schlecht, die Komfortzone zu verlassen, um aus Rückschlägen zu lernen», so Deborah Steffen optimistisch: «Gerade als der Betrieb im Winter richtig in Schwung kam, folgte Corona…» Das Herunterfahren fast des ganzen Betriebs stellte für alle im Haus eine grosse Herausforderung dar. Vor ihrer Stelle im Casino wusste Deborah Steffen nicht viel von der Burgergemeinde und war überrascht, wie vielfältig die Gemeinde von den Stadtwäldern bis hin zum Naturhistorischen Museum ist. «Auch das Berner Generationenhaus mit seinen Events finde ich cool.» Persönlich ist Deborah Steffen gerne in der Natur unterwegs. Weitere Leidenschaften sind Salsatanzen, Yoga oder Musikhören.

Marisa Lüscher – Näher am Menschen

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TEXT: CLOÉ ROM / BILD: MARTIN GRASSL

Nach mehreren Jahren Berufserfahrung wollte Marisa Lüscher eine Veränderung im beruflichen Alltag. Etwas Neues, verknüpft mit neuen Motivationen und Herausforderungen, das ist, was sie gereizt haben.

Nach dem Jurastudium, der Anwaltsprüfung und einigen Jahren Berufserfahrung im Handelsregisteramt wünschte Marisa Lüscher eine Veränderung. «Näher mit hilfsbedürftigen Menschen zusammenzuarbeiten» war ihr Wunsch, als sie eine neue Aufgabe suchte. Am liebsten war ihr eine Anstellung bei einer KESB. Der Zufall wollte, dass die Stelle als Behördenschreiberin bei der Burgerlichen Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde in Bern (bKESB) ausgeschrieben war.

«Die Arbeit als Behördenschreiberin ist sehr vielfältig und spannend», sagt Marisa Lüscher. Ihr Aufgabengebiet umfasst rechtliche Abklärungen, finanzielle Aspekte, die Beantwortung von Anfragen Betroffener und deren Umfeld. Sie kümmert sich auch um administrative Arbeiten, wie E-Mails, Telefongespräche und das Vorbereiten von Sitzungen. Marisa Lüscher führt ein Team, das aus drei Mitarbeitenden und einer Praktikantin besteht.

«Den Menschen mehr im Fokus zu haben, motiviert mich sehr», antwortet Marisa Lüscher auf die Frage, was sie im Berufsalltag bei der bKESB inspiriert. Die Geschichte der Betroffenen mitzuverfolgen, bringt viele interessante Aspekte in ihren Berufsalltag. «Der soziale Aspekt liegt mir sehr am Herzen», sagt Marisa Lüscher. «Den Betroffenen helfen zu können und gleichzeitig auch im Büro tätig zu sein, ist für mich die perfekte Kombination.»

Ein Team zu leiten und gleichzeitig den Überblick über alle Bereiche wie Administration, Rechnungswesen, Projekte, Archivierung und juristische Angelegenheiten zu haben, sei komplex und herausfordernd.

Für die gesunde Balance zwischen Beruf und Freizeit verbringt Marisa Lüscher gerne Zeit in der Natur. Velo- und Skifahren gehören zu ihren Lieblingsaktivitäten, um sich auszupowern. Nebenbei liest sie gerne Bücher, die ihr einen entspannten Abend bescheren.

Detlef Vögeli – Spürnase mit viel Neugierde

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TEXT: NORA SCHWEIZER / BILD: ZVG

Es ist einige Zeit her, seit Detlef Vögeli als Lehrer und kurz auch als Journalist tätig war. Das didaktische Know-how des Lehrers und das «Handwerk fürs Recherchieren» des Journalisten kommen ihm in seiner kuratorischen Arbeit noch immer zugute. Prägend war für ihn jedoch seine nachfolgende neunjährige Tätigkeit als Ausstellungsmacher am beachteten Stapferhaus Lenzburg, bevor er 2018 als Leiter Programm ans Berner Generationenhaus wechselte. Der Berner hat für das Berner Generationenhaus die «forever young»-Ausstellung konzipiert und dazu verschiedenste Veranstaltungsreihen, wie etwa das «Wissen zum Zmittag», ins Leben gerufen. Wie aber schafft es Vögeli, den Nerv der Zeit zu treffen und die Leute für einen Ausstellungsbesuch zu begeistern?

Zum einen hat Detlef Vögeli das nötige Feingefühl, jene Gesellschaftsthemen aufzuspüren, welche die Leute bewegen. Aber auch eine entdeckerische Neugierde ist ihm eigen, um Themen tiefgründig verstehen zu wollen. Zudem verfügt er über die vielfältigen Möglichkeiten eines Ausstellungsmachers, dem Publikum ein Thema zu servieren. Einem Journalisten stehen oft nur eine Spalte und eine Anzahl Zeilen zur Verfügung. Einem Ausstellungsmacher hingegen dienen Dreidimensionalität, Töne, Bilder sowie Gerüche, um einen Dialog mit den Besucherinnen und Besuchern aufzubauen. Dies soll auf eine möglichst interaktive Art geschehen. Das unmittelbare Erlebnis löse etwas Besonderes bei den Menschen aus, wie Vögeli meint.

«Ds Schönste für mi isch, we bimene Kafi nach dr Usstellig no ahgregt witer diskutiert wird», erzählt der 41-Jährige. Er selbst schlendert hin und wieder durch die Ausstellung und beobachtet die Reaktionen und Gespräche der Besuchenden. Die Ausstellung soll «den Funken zünden» und nicht «Fässer füllen», wie Vögeli bildhaft erklärt. Niemand könne restlos alle Fragen beantworten. Aber es sei interessant, Menschen zum Denken anzuregen und neue Fragen aufzuwerfen. Es soll nicht beurteilt werden, ob eine alternde Gesellschaft gut oder schlecht sei, sondern es sollen Diskussionen darüber entstehen, welche Chancen und Herausforderungen eine alternde Gesellschaft mit sich bringe. Um einen gesellschaftlichen Dialog anzuregen, müsse ein Thema von möglichst vielen Seiten beleuchtet werden. Bei kontroversen Themen sei deshalb Expertenwissen aus verschiedenen Fachgebieten gefragt.

Durch das Projekt ergaben sich für Detlef Vögeli spannende Unterhaltungen mit älteren Menschen. Ein heute 100-Jähriger habe beispielsweise noch das Filmen für sich entdeckt und dokumentiere nun den Alltag im Altersheim von sich und seinen Freunden. Solche Begegnungen seien für Vögeli sehr ermutigend und beeindruckend. Auch nach Abschluss der Berufstätigkeit gebe es noch stets Unbekanntes zu entdecken. Für ein verrücktes Projekt ist es also nie zu spät!

Alessia Galli – Sie liebt den Wald über alles

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TEXT: LEA RÖTHLISBERGER / BILD: MARTIN GRASSL

«Bäume sprechen nicht», antwortet Alessia Galli auf die Frage, was ihr am Wald so besonders gefalle. Die Tessinerin arbeitet seit rund zwei Jahren im Forstbetrieb der Burgergemeinde Bern mit und geniesst dabei besonders die Ruhe und die Einsamkeit an ihrem Arbeitsort. Nebst ihrem Studium der Waldwissenschaften an der Berner Fachhochschule kann sie dank ihrer Teilzeitstelle wertvolle Erfahrungen auf dem Weg ins Berufsleben sammeln. Momentan arbeitet die angehende Forstingenieurin an einer ausführlichen Analyse des Waldbestands, damit festgestellt werden kann, wo die meisten forstlichen Eingriffe nötig sind.

«Wald ist nicht einfach nur Wald, sondernein komplexes System», sagt Alessia Galli. Dies sei ihr erst mit Aufnahme ihres neuen Studienfachs bewusst geworden. Vor ihrer Zeit in Bern hat die passionierte Springreiterin nämlich in Italien Veterinärmedizin studiert und sich auf Pferde spezialisiert. Doch erst mit der Arbeit im Wald fand sie ihre berufliche Erfüllung. «Zeit im Wald ist gut für die Seele», sagt sie weiter. Sie sei schon sehr naturverbunden aufgewachsen und geniesse jeden Moment draussen. Selbst schlechtes Wetter und stürmische Tage machen ihr dabei nichts aus. Wenn Galli nicht gerade im Wald unterwegs ist oder mit ihrem Pferd für den nächsten Concours trainiert, geht sie oft mit ihrem Hund spazieren und treibt leidenschaftlich gerne Sport.

Man spürt die Liebe der jungen Frau für die Natur ungemein. Bei der Arbeit im Forstbetrieb habe sie viel lernen und von den Erfahrungen ihrer Kolleginnen und Kollegen profitieren können. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr eine Reise nach Deutschland, wo sie zusammen mit anderen Mitarbeitenden des burgerlichen Forstbetriebs an einem Kurs über sogenannte «Z-Bäume», den Bäumen der Zukunft, teilnehmen konnte. Das Studium an der Berner Fachhochschule fordert die Tessinerin, die Sprache sei immer noch ihr grösstes Hindernis. Doch sie würde gerne ein neues Leben beginnen – hier an dem Ort, wo sie sich so wohl fühlt. Nach einer Verletzung beim Reiten sitzt sie nun mit einbandagiertem Fuss im Sitzungszimmer des Forstzentrums an der Halenstrasse. «I feel like a lion in a cage», meint sie schmunzelnd. Doch auch dies kann die temperamentvolle Alessia Galli von nichts abhalten. Am Schluss steht sie auf und sagt mit unverkennbarem italienischem Akzent: «Jetzt gehe ich in den Wald!»

Fritz Weiss – Zivildienst mit viel Herzblut

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TEXT: LEA RÖTHLISBERGER / BILD: MARTIN GRASSL

Die kleinen Dinge sind es, die seinen Arbeitsalltag im Burgerspittel besonders machen: Fritz Weiss geniesst es, mit einem morgendlichen «Grüessech» einer Bewohnerin ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern oder etwa den Geschichten eines Bewohners aus vergangenen Zeiten zu lauschen. Nach dem Abschluss der Matura trat er seine Stelle als Zivildienstleistender im Burgerspittel an. Was ihn genau im Zivildienst erwarten würde, konnte er sich jedoch nicht richtig vorstellen. Nur eines wusste er von Anfang an: «Keine Kinder – ich kann viel besser mit älteren Leuten», sagt der junge Berner. Seit letztem Sommer unterstützt Fritz Weiss nun die Bewohnerinnen und Bewohner verschiedener Abteilungen im Alltag und unterstützt das Pflegepersonal. Viele Leute sind ihm dabei ans Herz gewachsen, und er geniesst die spannenden Begegnungen.

An einen Ausflug mit einer Bewohnerin hat Fritz Weiss besondere Erinnerungen: «Mit dem Auto fuhren wir zu einem Kaffee und assen Meringuen zusammen – das war ein toller Nachmitag.» Im Gegensatz zu den Pflegenden kann er sich mehr Zeit für einzelne Personen nehmen und somit gleichzeitig das Personal entlasten sowie den älteren Menschen eine Freude machen. Den vielfältigen Alltag im Burgerspittel geniesst er sehr: «Jeder Tag ist anders. Wenn ich zur Arbeit komme, weiss ich nie, was mich erwartet».

Wenn Fritz Weiss von seinem Alltag im Zivildienst erzählt, spürt man deutlich, wie viel Herzblut er in die Arbeit mit den Bewohnerinnen und Bewohnern gibt. Doch nicht immer sei es ihm so leichtgefallen. Zu Beginn des Zivildienstes musste er lernen, die verschiedenen Eindrücke aus dem Arbeitsalltag im Alters- und Pflegeheim zu verarbeiten. Nicht alle Erlebnisse mit den Bewohnerinnen und Bewohnern gingen spurlos am jungen «Zivi» vorbei, besonders der Umgang mit dementen Menschen braucht viel Feingefühl. Von den prägenden Begegnungen nehme er aber viel mit: «Menschen mit einer Beeinträchtigung begegne ich nun anders als zuvor, ich bin sensibler geworden.» Die Arbeit im Alters- und Pflegeheim gefällt ihm sehr, so sagt er denn auch: «Ich habe mir überlegt, Medizin zu studieren. Denn nun habe ich gesehen, was man damit alles Gutes tun kann.»

Marianne Bartlome – Herausfordernde Seelsorge in Zeiten von Corona

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TEXT: MARTIN GRASSL / BILD: SIMON STÄHLI

Pfarrerin Marianne Bartlome erlebt die Coronazeit als besonders herausfordernd. Die Seelsorgerin steht keiner Kirchgemeinde vor, sondern ist von der Burgergemeinde angestellt und kümmert sich um die Betagten des Burgerspittels am Standort Bahnhofplatz, der sich im zweiten Stock des Burgerspitals befindet. Sie hält überdies jeden Monat einen öffentlichen Gottesdienst in der Spittelkapelle des Burgerspitals ab. Und sie hat auch mitgeholfen, das Trauercafé im Berner Generationenhaus ins Leben zu rufen. Marianne Bartlome ist ebenfalls seelsorgerische Anlaufstelle für viele Burgerinnen und Burger aus allen Gesellschaften und Zünften. Corona hat nun auch Marianne Bartlomes seelsorgerische Tätigkeit auf den Kopf gestellt.

MEDAILLON: Frau Bartlome, wie war Ihre Tätigkeit vor Corona geprägt?
Marianne Bartlome: Meine Kernaufgabe ist die seelsorgerische Betreuung der Bewohnerinnen und Bewohner im Burgerspittel am Bahnhofplatz, wo ich bislang meine regelmässigen Einzelbesuche gemacht habe. Es ist sehr wichtig für die Menschen, in der seelsorgerischen Person ein greifbares Gegenüber zu haben. Einerseits bin ich Klagemauer, wenn gerade der Schuh drückt, andererseits ist gerade auch das Nonverbale eben sehr wichtig. Ich arbeite eng mit der Pflege zusammen. Fühlt sich eine Bewohnerin oder ein Bewohner plötzlich unwohl, etwa durch eine Depression, ist es mir möglich, binnen einer Stunde vorbeizukommen. Alle hier kennen einander, unter den Bewohnerinnen und Bewohnern des Burgerspittels, den Angehörigen und den Pflegenden herrscht ein grosses Vertrauen. Das ist für meine Tätigkeit sehr wichtig und hilfreich.

MEDAILLON: Die Altersinstitutionen sind wie andere Einrichtungen auch wegen Corona abgeschottet worden. Hat das Ihre Tätigkeit verändert?
Marianne Bartlome: Und wie! Meine gewohnten Besuche sind aufgrund der Schutzmassnahmen nicht mehr möglich. Praktisch meine ganze seelsorgerische Arbeit findet nun per Telefon statt. Das ist eine grosse Veränderung und betrifft natürlich alle Pfarrerinnen und Pfarrer in dieser Zeit.

MEDAILLON: Was ist speziell anders?
Marianne Bartlome: Wie schon gesagt, ist das nonverbale Moment in meiner Tätigkeit sehr wichtig, wenn ich mein Gegenüber sehen, «gspüre», kann. Da bekomme ich sehr viel mit, und kann so intuitiv gut auf jemanden eingehen. Das fällt nun merklich weg. Ich höre die Hilfesuchenden nur noch am Telefon und muss mir oft den Kopf zerbrechen, wo genau der Schuh drückt. Die Gespräche laufen mir oft lange noch nach und rauben mir manchmal sogar den Schlaf. Es fühlt sich an, als würde man einem verunfallten Kind am Telefon auf eine Zeit danach vertrösten, wenn man es wieder in die Arme schliessen könne, obwohl man weiss, dass es dies gerade jetzt fest nötig hätte. Dennoch bin ich froh, telefonisch überhaupt noch zu den Menschen Kontakt halten zu können. Zudem verschicke ich allen Bewohnerinnen und Bewohnern des Burgerspittels jeweils Anfang Woche meinen Brief, «Einklang in die Woche», dadurch werden sie auch daran erinnert, dass ich weiterhin telefonisch für sie erreichbar bin.

MEDAILLON: Eine Situation, die Diensttuenden der Telefonseelsorge bestens vertraut ist…
Marianne Bartlome: Das ist etwas anderes und die Ausnahme. Hier ist Anonymität aus verschiedenen Gründen gewünscht oder geboten. Die gewohnte Seelsorge wie im Burgerspittel spielt sich dagegen ganz im Gegenteil nicht in der Anonymität ab.  

MEDAILLON: Stehen wegen Corona andere Themen im Vordergrund ihrer Tätigkeit?
Marianne Bartlome: Im Burgerspittel leben vor allem Menschen über 80 Jahre. Das Sterben ist hier kein Tabuthema. Viele befassen sich konkret damit, haben wichtige Dinge geregelt und etwa eine Patientenverfügung erstellt. Doch gerade die Fernsehbilder aus Norditalien haben viele Bewohnende aufgeschreckt. Die Konfrontation mit dieser Form eines einsamen Todes ausserhalb des Kreises der Liebsten, und dass sogar Beerdigungen und Gedenkfeiern im gewohnten Rahmen ausgesetzt sind, ist schwer zu akzeptieren. Die Verunsicherung ist deshalb gross, niemand will so einsam sterben. Die zusätzliche Abschottung auf Anordnung drückt dabei vielen verständlicherweise aufs Gemüt, die Isolation wird als sehr belastend empfunden. Die Pflegenden leisten dabei übrigens im Moment als einzige für die Bewohnenden physisch anwesenden Personen eine Herkulesarbeit. Ich möchte an dieser Stelle allen Pflegefachfrauen und -männern herzlich für ihren ausserordentlichen Dienst für die Spittelbewohnenden danken.

MEDAILLON: Was sind im Moment Lichtblicke?
Marianne Bartlome: Wie ich weiss, freuen sich die Bewohnenden des Burgerspittels sehr über ihren Innenhof, wo sie sich aufhalten dürfen. Er wirkt in dieser beunruhigenden Situation auf sie wie eine Oase, in der sie etwas Kraft tanken können. Und per Smartphone auch visuell mit der Aussenwelt und den Angehörigen im Kontakt bleiben können, hilft ihnen auch sehr. Eine Möglichkeit, von der man früher nicht hätte träumen können.

Bettina Kolly – Sie beherrscht die Königsdisziplin

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TEXT: LEA RÖTHLISBERGER / BILD: MARTIN GRASSL

Wenn es im Wald laut zu und her geht, fühlt sie sich wohl: Forstwartin Bettina Kolly liebt ihren Beruf und die Arbeit zwischen den Bäumen von ganzem Herzen. Gerade auch, weil täglich neue Herausforderungen anstehen. Denn die Arbeit als Forstwartin bringt weit mehr mit sich, als nur Bäume fällen.

Über fehlende Arbeit während der Corona-Krise kann sich Bettina Kolly nicht beklagen: Die vielen Stürme in den vergangenen Monaten haben im burgerlichen Wald grossen Schaden angerichtet. Als erstes müssen die umgestürzten Bäume weggeräumt werden. Da diese unter enormen Spannungen stehen, ist dies eine Hochrisikoarbeit. Die Forstwartin spricht von der Königsdisziplin im Wald. «Dem Risiko der Arbeit sind wir uns in unserem Beruf jedoch bewusst. Wir müssen die Gefahren richtig einschätzen können, dazu brauchen wir eine gute Ausbildung.» Genauso wie das Fällen, gehört aber auch das Pflanzen von Bäumen zu den Arbeitsaufgaben einer Forstwartin.

Aufgrund der Sturmschäden müssen im Forstbetrieb der Burgergemeinden Bern im Frühling rund 50‘000 neue Bäume gepflanzt werden. Diesem Arbeitsschritt geht eine exakte Planung voraus, denn nebst Eichen und Fichten werden besonders klimataugliche Bäume wie Douglasien gepflanzt. Bettina Kolly mag die Abwechslung in ihrem Alltag: «365 Tage lang Bäume fällen wäre langweilig, ich liebe die verschiedenen Tätigkeiten je nach Jahreszeit.»

Wenn Bettina Kolly über ihren Beruf spricht, ist die Leidenschaft sogar durchs Telefon zu spüren. Als Forstwartin muss man den Wald mögen, doch damit ist es nicht getan. «Vogelzwitschern ist schön, aber wenn man den ganzen Tag Bäume fällt, hört man davon nichts», sagt Bettina Kolly. Seit sie klein ist, schlägt ihr Herz für Motorsägen und schwere Maschinen. Damit geht es ihr gleich wie ihrem Vater, der ebenfalls Forstwart ist. Die Familie war zu Beginn allerdings gar nicht begeistert von Kollys Berufswunsch. «Meiner Mutter zuliebe ging ich zwei Tage lang als Schreinerin schnuppern. Aber die genaue Arbeit und das Zählen von Hundertstelmillimetern, das war schrecklich.»

Ihr Ziel verlor Bettina Kolly nie aus den Augen. Als junge Frau musste sie lernen, sich im Männerberuf durchzukämpfen. «Ich wusste zuerst gar nicht, dass Forstwart vorwiegend ein Männerberuf ist», sagt sie. Die Suche nach einer Lehrstelle gestaltete sich als sehr schwierig, fast immer wurden trotz Kollys besseren Schnupperzeugnissen die männlichen Bewerber bevorzugt.

Doch nicht nur aufgrund ihres Geschlechts wird sie im Arbeitsalltag mit Schwierigkeiten konfrontiert: Forstwartinnen und Forstwarte erfahren bei der Arbeit im stadtnahen Wald nicht selten Beleidigungen von Waldbesuchenden. «Wir werden wöchentlich mit Kritik konfrontiert, oft zeigen die Leute kein Verständnis und missachten unsere Absperrungen. Ich wurde auch schon als Baummörderin bezeichnet.» Solche Begegnungen gehörten zum Beruf, sie lasse es sich nicht nahekommen und versuche, mit den Leuten ein Gespräch zu beginnen, erklärt Bettina Kolly.

Wichtig ist für die Forstwartin dabei, die Besucherinnen und Besucher für das Thema zu sensibilisieren – was im persönlichen Gespräch auch häufig gut gelingt - sowie das Bewusstsein für nachhaltige Holzproduktion zu vermitteln. «Meine Arbeit braucht es für die Herstellung von unterschiedlichsten Produkten wie Tischen, Chuchibrättli, Baumaterialien, Papier- und Kartonprodukten oder Energie (z.B. Holzschnitzel), sogar WC-Papier war mal Holz.» Mit ihrer Arbeit trägt die junge Forstwartin somit auch zu einer nachhaltigen und zukunftsfähigen Waldbewirtschaftung bei.

Atsushi Hiraoka – Locker von der Sushi-Rolle

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TEXT: NORA SCHWEIZER / BILD: SIMON OPLADEN

«I’m quite lazy!», antwortet Atsushi Hiraoka schmunzelnd auf die Frage, weshalb er seiner neuen Aufgabe als Sushi-Koch im Casino Bern zugesagt habe. Zehn Jahre nach seiner Tätigkeit im Sushi-Restaurant Kabuki in der Berner Markthalle ist er wieder aus seiner Heimat Tokyo zurück und bereit für neue Abenteuer. Er sei eigentlich ein gemütlicher Mensch und brauche deshalb besondere Situationen, die ihn forderten. Als er von Ivo Adam vom neuen, innovativen Konzept des Casinos erfuhr, war er sofort begeistert. Denn es galt hier, von Grund auf ein neues Netzwerk zwischen Kunden, Lieferanten sowie Produzenten aufzubauen. Am «Japanischen Chefstisch» im Casino bereitet Hiraoka die japanischen Spezialitäten direkt vor den Augen der Gäste zu. Ihm ist vor allem eines wichtig: Er will nicht nur köstliche Gerichte auf die Teller zaubern, sondern auch ein glückliches Lachen auf die Gesichter seiner Gäste. Zum Einstieg bietet er sogar Sushis mit Schweizer Lachs oder Zander an.

Für Hiraoka ist Geben und Nehmen wichtig im Leben. Kochen an sich steht für ihn an zweiter Stelle und ist Sinn und Zweck, um den Menschen etwas zu geben. Für ihn seien Begegnungen mit den Menschen wertvoll. Mit seinen Mitarbeitern arbeitet Atsushi Hiraoka auf Augenhöhe zusammen. Er befehle nicht gerne herum, sondern suche den Austausch. Die jungen Köchinnen und Köche hätten ihm mit den modernen Küchenmaschinen hantieren gelehrt. Atsushi bringt dafür reichlich Wissen über bewährte, oder wie er es nennt «analoge», Kochtechniken mit ein. Traditionen möglichst zu erhalten, liegt ihm besonders am Herzen, da die moderne Technik uns alle letztlich uniform mache.

Die Motivation der jungen Leute in der Gastronomie sei enorm. Er verspüre bei ihnen einen Drang, mehr als die anderen wissen zu wollen, sowie eine Neugierde auf Neues und Unbekanntes. Sie arbeiteten ambitioniert und hätten noch Träume, wie ihm auffalle. Den Menschen in Japan fehlten solche Träume. Vielleicht sei die positive Entwicklung auch der guten Wirtschaftslage in der Schweiz geschuldet. In einem solchen Umfeld sei es laut Atsushi umso schöner, seine Erfahrungen weiterzugeben. Wer übrigens kein Sushi-Experte oder Fan sei, solle unbedingt die «California Roll» probieren, weil mit ihr alle auf ihre Kosten kämen, so Hiraoka. Sie sei keine traditionelle Rolle, sondern enthalte auch für uns üblichere Zutaten.

Thea Sonderegger – Grafikerin mit Leidenschaft

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TEXT: CLOÉ ROM / BILD: MARTIN GRASSL

Zurzeit des Interviews war Thea Sonderegger gerade voll mit der Sonderausstellung «T. rex – Kennen wir uns?» beschäftigt, die nun seit Mitte September und noch bis Mitte März 2020 im Naturhistorischen Museum Bern zu bewundern ist. «T. rex» ist eine besonders interessante Ausstellung, da das Thema Dinosaurier ein grosses Publikum zu fesseln vermag. Thea Sonderegger zeichnete für den gesamten grafischen Auftritt der Ausstellung verantwortlich. Ihre Hauptaufgaben als Grafikerin umfassten das Entwickeln der Bildsprache für die Ausstellung sowie die konkrete Umsetzung aller Werbemittel, etwa Ausstellungsplakate, Flyer und Webapplikationen. Dazu kam die Einrichtung und Gestaltung des Shops, der sich in der Ausstellung selber befindet. In ihm werden viele Artikel zum Thema «T. rex» angeboten.

Thea Sonderegger hat vor einigen Monaten auch die Leitung des Empfangs und des Museumsshops übernommen. «Die neue Aufgabe stellt für mich eine Herausforderung dar, sie motiviert mich jedoch auch und bedeutet eine Abwechslung zum Grafikerinnenalltag», wie sie meint. Mit der Leitung des Empfangs und Museumsshops hat Thea Sonderegger unter anderem die Teamplanung, die Sortimentsgestaltung im Shop sowie diverse administrative Aufgaben übernommen.

Auf das Naturhistorische Museum ist die ursprünglich gelernte Polydesignerin Thea Sonderegger durch eine ausgeschriebene Praktikumsstelle aufmerksam geworden. Nach Abschluss des Praktikums bekam sie zwar keine Festanstellung auf ihrem angestammten Beruf, dafür aber eine Lehrstelle als Grafikerin angeboten – diese Chance hat Thea Sonderegger genutzt. Nach der Zweitlehre wurde sie dank ihrer selbstständigen, offenen und motivierten Arbeitsweise ins Grafiker-Team des Naturhistorischen Museums aufgenommen. Thea Sonderegger geniesst die freie Hand, die man ihr im Museum lässt, und die Eigeninitiative, die sie hier einbringen darf. Zusätzlich motivieren sie die Vielseitigkeit und die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Menschen. In ihrer Freizeit besucht die Grafikerin zweimal wöchentlich einen Spinning-Kurs, ein Indoor-Bike-Kurs. Dieser bietet ihr die richtige Gelegenheit, den Kopf zu lüften und sich auszupowern. «Nebst dem Spinning gehe ich auch gerne reisen, wandern, schwimmen oder kümmere mich um meinen kleinen Balkongarten.»

Daniel Struchen – Ein Arbeitsagoge, der gern ein Dinkelkorn wäre

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TEXT: NORA SCHWEIZER / BILD: MARTIN GRASSL

Wenn Daniel Struchen ein Korn sein könnte, so wäre er am liebsten ein Dinkelkorn. Denn beim Dinkel lässt sich das Korn nicht so einfach vom Spreu trennen wie bei anderen Getreidearten. Dazu ist nämlich ein weiterer Arbeitsschritt nötig, was Dinkel zu einem wertvollen Korn macht. Fernab vom hektischen Stadtleben steht in Kriechenwil, an der Grenze zwischen den Kantonen Bern und Freiburg, seit dem 16. Jahrhundert in einem kleinen Weiler die Mühle Schönenbühl. Jugendliche schnüren gerade 25-Kilo-Mehlsäcke zu, andere reinigen Getreidekörner von den Erdresten der Felder oder helfen, die Mahlzeiten für das ganze Team zuzubereiten. Das Arbeitsintegrationsprojekt von SORA versucht in der Mühle, Jugendliche mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt an die reale Arbeitswelt heranzuführen. Im Gegensatz zu anderen Gleichaltrigen, tragen diese einen grossen Rucksack mit schwierigen Lebenserfahrungen mit sich. Daniel Struchen und zwei weiteren Teammitgliedern unterliegt die Leitung des Projekts.

Der gelernte Müllermeister und Müllereitechniker verfügt auch über Erfahrungen in der sozialen Arbeit. Als Betriebsleiter der Wegmühle in Bolligen kam er in Kontakt mit ganz unterschiedlichen Menschen. Im Vordergrund stand die Arbeitsintegration infolge Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache, Ausbildungsdefiziten oder einer Lernschwäche. Hier entdeckte er sein Talent, junge Menschen mit erhöhtem Betreuungsbedarf zu motivieren. Struchen liess sich in der Folge zum Arbeitsagogen und Job-Coach ausbilden.

An seiner Arbeit schätzt Daniel Struchen besonders die Vielfalt seiner Aufgabenbereiche. Im Sozialauftrag stehen der Beziehungsaufbau zu den jungen Erwachsenen, die Beratung und Begleitung sowie das Job-Coaching im Vordergrund. Gemäss Produktauftrag kümmert sich der Müller um den Kundendienst, den Getreideeinkauf, die Entwicklung von neuen Produkten und um die Qualitätssicherung. Eine Mühle ist ein optimaler Ort für ein Arbeitsintegrationsprojekt, sehen doch die jungen Erwachsenen am Ende des Tages das Resultat ihrer geleisteten Arbeit. Dafür geschätzt zu werden, ist für sie besonders wichtig. So übernehmen sie etwa für Kunden Führungen in der Mühle und spüren dabei Verantwortung. Für den Arbeitsagogen Struchen ist die Orientierung am Willen der Jugendlichen ein zentraler Punkt: Er erinnert sich dann an die eigene Jugend, und daran, wie er selber gerne behandelt wurde.

Carole Knuchel – Der Mensch im Zentrum

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TEXT UND BILD: MARTIN GRASSL

Die junge Immobilienbewirtschafterin Carole Knuchel betreut bei der burgerlichen Domänenverwaltung ein Portfolio mit 480 Mietobjekten, vornehmlich in Bümpliz-Bethlehem. Hinzu kommen einige Liegenschaften in der Innenstadt sowie die Neubauten im Areal Sunnebode Worb. Wenn Carole Knuchel extern unterwegs ist, so meistens, um Wohnungsübergaben oder -abnahmen abzuwickeln, Reparaturbedarf an den Objekten abzuklären oder die Arbeiten mit Handwerkern zu koordinieren. Sie geht in ihrem Job auf, da sie im Berufsalltag mit verschiedensten Mietern zu tun hat: Sie begegnet Armen und Vermögenden, Anspruchsvollen und Bescheidenen, Jungen und Alten.

Auf ihre jetzige Stelle wurde Carole Knuchel vor zwei Jahren via Facebook-Job-Annonce aufmerksam. Zuvor war sie für eine grosse Liegenschaftsverwaltung in Gümligen tätig. Am burgerlichen Jobangebot reizte sie, dass die Domänenverwaltung Eigentümerin und nicht bloss Verwalterin ihrer Mietobjekte ist, und dass sich unter ihnen geschichtsträchtige Häuser befinden. Ebenso spannend findet sie auch, dass die Domänenverwaltung Sanierungen und Neubauten durchführt. Doch im Zentrum steht für sie der Mensch. Entsprechend erfordere ihre Arbeit hohe Sozialkompetenz. Diese musste sich Carole Knuchel erst selber aneignen, wie sie verrät. Die junge Frau wirkt zwar auf andere sehr direkt und «taff», doch hinter der harten Schale steckt ein weicher Kern. Als Kind bekundete sie oft Mühe mit Kritik an ihrer Person, begann sie später aber als etwas Positives zu begreifen, da sie einen weiterbringe. Heute ist sie davon fasziniert, wie verschieden Menschen und insbesondere Mieter denken und handeln können. So ist es ratsam, auch in angespannten Situationen mit Mietern am Telefon oder vor der Haustür die nötige Ruhe und Distanz wahren zu können. Denn sie wird auch mit schwierigen Situationen konfrontiert, etwa wenn es darum geht, jemanden wegen Lärm infolge häuslicher Gewalt abzumahnen: Das Wachen über das Einhalten der Nachtruhe fällt nämlich auch in ihren Aufgabenbereich.

In der Freizeit reitet Carole Knuchel und züchtet mit ihren Eltern Pferde: «Meine Pferde kann ich mir aufgrund der Nachzucht nicht einfach aussuchen, sondern muss mich mit ihnen arrangieren», meint sie augenzwinkernd. Zudem reist sie gerne und ist neugierig auf Ungewohntes. Auch ihr Musikgeschmack ist weit gefächert, ausser Techno und Trance hört sie querbeet alles.

Markus Rufener – Harz im Blut

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TEXT: PASCAL MATHIS / BILD: ZVG

Erzählt Markus Rufener von seiner Arbeit als Forstwart, wird schnell klar, mit welch grosser Leidenschaft er diese ausführt. Seine Augen funkeln. Mit Leidenschaft berichtet er von seiner täglichen «Büez» draussen im Wald. Obwohl: Einen Beruf habe er ja nicht wirklich, meint er trocken. Die Arbeit sei eigentlich sein Hobby. Es liegt auf der Hand, dass Rufeners Plan, was er als Erwachsener einmal werden wollte, schon sehr früh klar war: Forstwart. Ein Interesse, das ihm auch ein bisschen in die Wiege gelegt wurde, denn sein Vater lernte denselben Beruf.

Zum Forstbetrieb der Burgergemeinde Bern stiess Markus Rufener vor rund 13 Jahren nach der Forstwart-Ausbildung. «Seither durfte ich fast alles machen hier.» So arbeitete er etwa «am Boden», wurde Berufsbildner, wurde zum Langseil-Kletterer und lernte, einen «Forwarder» sowie einen «Harvester» zu bedienen. Die beiden letztgenannten Maschinen, die schwere Waldarbeiten rasant und effizient erledigen, gehören quasi zur «Champions League» in der Welt eines Forstwarts. Vor allem auf die Harvester-Ausbildung ist Markus Rufener stolz. Diese absolvierte er 2018 in Deutschland mit Bravour. Nach drei intensiven Monaten kehrte er mit der Note «sehr gut» in die Schweiz zurück; als erst Zweiter hierzulande meisterte er diese anspruchsvolle Forstmaschinenführer-Prüfung. Dabei ging es nicht nur um Tempo und um verarbeitete Holzmenge. Wichtig war auch, im Wald schonend mit den Maschinen umgehen zu können, keine Langzeitschäden zu verursachen und Arbeiten möglichst rentabel zu planen und auszuführen. «In meinem Job musst du für den Job leben – sonst bist du am falschen Ort», sagt Rufener bestimmt. Er schätzt es, heute im Wald als Teil eines Teams die unterschiedlichsten Arbeiten ausführen zu dürfen. Und auch, dass er vom Arbeitgeber entsprechend gefördert werde. «Ich wüsste nicht, was ich täte, würde man mir den Wald wegnehmen», meint er. Bei ihm fliesse halt schon auch etwas Harz im Blut.

Ausgleich zum Engagement im Wald findet der 36-Jährige bei seiner Frau und seinen beiden Kindern sowie im Sport. Im Winter steht er als Eishockey-Goalie auf dem Eis, im Sommer steigt er als Schwinger in den Sägemehl-Ring – und kommt also auch dort nicht ganz ohne Holz aus.

Sabine Facuse – Kreativ sein können

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TEXT UND BILD: MARTIN GRASSL

«Den kreativen Arbeitsansatz, den ich bei SORA für junge Erwachsene erlebe, schätze ich sehr», sagt Sabine Facuse, «und zudem entspricht mir die offene, flexible und wertschätzende Haltung in unserem Team gegenüber den jungen Menschen mit ihren unterschiedlichsten Lebensentwürfen.» Man merkt, dass Sabine Facuse engagiert mit dabei ist bei SORA, das aus dem vormaligen SAT-Projekt sowie dem Burgerlichen Jugendwohnheim entstanden ist und sich letztes Jahr neu ausgerichtet hat. Die erfahrene Schulsozialarbeiterin arbeitet seit 2017 bei der burgerlichen Institution. Zu Beginn noch im SAT-Projekt, das mit seiner ambulanten, dezentralen Sozialarbeit schon länger vorgelebt hat, wofür SORA heute steht. «Ausser dem Namen hat sich in meiner täglichen Arbeit gar nicht soviel geändert», meint Sabine Facuse.

Sie begleitet junge Frauen zwischen 16 und 25 Jahren aus dem Raum Bern, die sich in herausfordernden Lebenssituationen befinden. Die Frauen wohnen in Zweier-WGs und Studios von SORA und werden darin unterstützt, ihre Alltags- und Wohnkompetenz zu erweitern. Bei Bedarf werden sie auch bei der Berufsfindung, im Administrativen oder zu Arzt- oder Behördenterminen begleitet. Wenn möglich wird ihr Bezugs- und Familiensystem mit einbezogen. Als sinnvolle Ergänzung zu den Beratungsgesprächen erlebt Sabine Facuse die regelmässigen WG-Abende, an denen eine der jungen Frauen für die anderen kocht: «Es ist spannend, die Frauen neben dem Einzelcoaching auch in Alltagssituationen und in der Gruppe zu erleben». Sie schätzt es, den Klientinnen möglichst auf Augenhöhe zu begegnen, ihren Willen sowie vorhandene Ressourcen zu erkunden und in die Beratung einfliessen zu lassen. «Zu sehen, wie einige der Frauen, wenn manchmal auch in kleinen Schritten, ihren Zielen näher kommen, ist sehr schön.»

Die Büros und Beratungsräume von SORA befinden sich neu an der Effingerstrasse in Bern. Ein Grossteil der Begleitung wird aber auch in den Lebensräumen der Klientinnen geleistet. SORA für junge Erwachsene ist ein Anbieter auf dem Platz Bern und steht allen offen. Für Sabine Facuse war ihre berufliche Ausrichtung seit ihrer Jugend klar, da sie es schon immer faszinierend fand, mit unterschiedlichsten Menschen in diversen Bereichen zu tun zu haben. Und weil in ihrem Berufsalltag der Mensch und seine Denkweise im Zentrum stehen.

Privat singt sie mit Enthusiasmus in einem Quartier-Chor und praktiziert Yoga. Aber auch handwerkliche Tätigkeiten liegen ihr. Überdies hütet sie seit kurzem regelmässig mit grosser Freude ihr Grosskind.

Tim Gerber – Zwischen Schonküche und Gourmetdinner

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TEXT: DANIELA TSCHANZ / BILD: FRANZISCA ELLENBERGER

Tim Gerbers Leidenschaft für das Kochen begann früh. Bereits als Kind «spienzelte» er in die Kochtöpfe der Mutter, in der Kochschule packte ihn die Faszination für die Arbeit mit verschiedenen Lebensmitteln dann vollends. Nach der obligaten Schulzeit entschloss sich der heute 22-jährige Berner daher zu einer Lehre als Koch. Per Zufall stiess er damals auf den Stellenausschrieb der Burgergemeinde Bern, der ihn für drei Jahre in die Küche des Burgerspittels im Viererfeld führen sollte. Besonders die gute Stimmung im Team war es, die Gerber nach dem Militärdienst dazu bewog, nun als gelernter Koch an seinen Ausbildungsort zurückzukehren. Heute ist er Teil eines 13-köpfigen Küchenteams, das täglich dafür sorgt, den Bewohnenden der Altersinstitution ein ausgewogenes und individuell abgestimmtes Menü auf die Teller zu zaubern.

Im Gegensatz zu einem «regulären» Restaurantbetrieb kann die Anzahl der Gäste im Burgerspittel im Viererfeld relativ genau abgeschätzt werden, ebenso sind die Tagesabläufe und die entsprechenden Arbeitszeiten strukturierter. Langweilig wird es Gerber dabei dennoch nicht. Wenn er davon berichtet, wie er in der Spätschicht das Abendessen verteilt, ist ihm anzusehen, dass die Begegnungen mit den Bewohnenden ihn in seiner Tätigkeit als Koch bestärken. Oft erhalte er Komplimente für das Essen. Aber auch kritische Rückmeldungen nimmt er gerne an, denn diese würden mitunter dazu führen, dass er täglich dazulerne und dass die Kritik in die nächste Menüplanung miteinbezogen werden könne. Nach seiner Lehre erhielt Gerber ausserdem mehr Verantwortung zugesprochen. Heute kommt ihm im Beisein des Chefs teilweise die Funktion als Tagesverantwortlicher zu. Daneben kümmert er sich auch um die auszubildenden Lernenden.

Einen Ausgleich zum nicht immer stressfreien Job findet der junge Koch im Sport. Auf sein eindrücklichstes Arbeitserlebnis angesprochen, berichtet er von einem Anlass, als ein namhafter Koch aus Gstaad mitsamt seiner Equipe den Burgerspittel im Viererfeld besuchte. Während der Zubereitung des 8-Gängers bot sich ihm die Möglichkeit, vertieft Einblick in die Welt der Gourmetküche zu erhalten. Zum gemeinsamen Essen des Gourmetdinners versammelten sich dann sowohl Bewohnerinnen und Bewohner des Burgerspittels wie auch externe Gäste.

Bianca Thomann – Berufseinstieg mit der Traumstelle

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TEXT: DANIELA TSCHANZ / BILD: MARTIN GRASSL

Es war Zufall, dass Bianca Thomann das Casino Bern als Fallbeispiel für ihre Abschlussarbeit im Rahmen ihrer Ausbildung an der Hotelfachschule Luzern zugeordnet bekam, wie sie beteuert. «Merkwürdig war es trotzdem, dass dann die eigenen Vorgesetzten an der Abschlusspräsentation zuhörten.» Die 28-Jährige hatte nämlich zuvor ein jähriges Praktikum im Bereich Events im Casino Bern absolviert. An die Hotelfachschule kam sie übrigens über einen Umweg. Zuvor hatte Thomann zwei Jahre Betriebsökonomie und Volkswirtschaft studiert, konnte aber mit den Fachgebieten nicht warm werden. Seit Abschluss der Hotelfachschule 2017 gehört Bianca Thomann nun fest zum Casino-Team und plant derzeit die zukünftigen Anlässe bis Sommer 2021 für das Kulturhaus, welches nächsten Herbst eröffnet.

Dank Bianca Thomanns Organisationstalent hat das alte Inventar aus 100 Jahren Casino Bern ein neues Zuhause gefunden. Sie erfasste noch als Praktikantin im Vorfeld der Räumung das Inventar des Casinos für einem Online-Shop. Die Berner Bevölkerung konnte so Stühle, Geschirr, Schränke und vieles mehr für die eigene Stube erstehen. Am erinnerungswürdigen Schliessungsfest wurde das noch übrige Mobiliar auf einem Flohmarkt verkauft. «Das war im positiven Sinne stressig. Trotzdem war ich froh, die Verantwortung für alles unverkäufliche Inventar endlich an die Bauleute abgeben zu können.»

«Das Casino ist eine Traumstelle!», sagt Bianca Thomann mit leuchtenden Augen. «An der Hotelfachschule lernt man, wie man ein Unternehmen von A bis Z plant und aufbaut. Im Casino erlebe und gestalte ich diesen Prozess nun in der Realität mit.» Es sei toll, Teil von einem kleinen Team mit einer derartigen Erfahrung zu sein, schwärmt sie weiter, und: «So eng mit der Leitung zusammen arbeitet kaum jemand direkt nach dem Abschluss.»

Aufgrund der derzeitigen Sanierungsarbeiten im Casino spielt sich Bianca
Thomanns Alltag hauptsächlich im provisorischen Büro in der Burgerbibliothek vis-à-vis der Baustelle ab. Hier kontaktiert sie schon die künftigen Veranstalter, stellt Offerten aus und arbeitet sich in das neue Buchungssystem ein. Doch Bianca Thomann vermisst den direkten Kundenkontakt, da bis zur Eröffnung des Casinos im Herbst 2019 das operative Geschäft noch ruht. Sie sehnt auch schon den Moment herbei, wenn die erste Veranstaltung endlich durchgeführt, abgerechnet und ganz abgeschlossen werden kann. Bianca Thomann erholt sich am liebsten beim Wandern oder Velofahren oder wenn sie für Gäste kocht.

Manuel Schweizer – Den Vögeln auf der Spur

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TEXT: JULIA MARZONER / BILD: LISA SCHÄUBLIN

Letzten September widmete sich der Themenmonat «Birders» am Naturhistorischen Museum Bern den Vogelbeobachtern. Dabei standen jene Menschen im Fokus, die mit beeindruckender Leidenschaft Vögel beobachten. Manuel Schweizer ist Kurator für Ornithologie am Museum und selber begeisterter Birdwatcher. Seine Arbeit verrichtet er aber meist nicht draussen in der Wildnis. Als Kurator kümmert er sich um die ornithologische Sammlung des Hauses, beantwortet Anfragen und leistet Öffentlichkeitsarbeit. Oft führt er Gruppen durchs Museum und stellt ihnen begeistert einzelne Vogelpräparate und deren Geschichte vor. An der Universität Bern hält er zudem eine Vorlesungen zum Thema Biogeographie im Rahmen eines Lehrauftrags. Die restliche Zeit nutzt Schweizer, um die Entstehung der Biodiversität der Vögel und deren Verwandtschaftsverhältnisse zu erforschen. So beschäftigt er sich etwa in einem aktuellen Projekt mit Uferschwalben aus Ostasien. Dabei bewegt ihn die Frage, ob genetisch und ökologisch unterschiedliche Populationen in dieser Region als verschiedene Arten zu klassifizieren seien. Dafür war er vor zwei Jahren auf einer Sammlungsreise im Tibet, im Juni dieses Jahres reist er nun in die Mongolei. Die Frage, was ihn derart an Vögeln fasziniere, wurde Schweizer schon oft gestellt. Eine klare Antwort darauf fällt ihm nicht ein. Doch das Schöne an den gefiederten Tieren sei, dass man ihnen auf Schritt und Tritt begegne. Das Beobachten von Vögeln hat Schweizer schon als Kind für sich entdeckt.

Langweilig ist es ihm dabei noch nie geworden. Nur das frühe Aufstehen bereitet ihm manchmal Mühe, denn Vögel können am besten in der Morgendämmerung beobachtet werden. Einen besonderen Glücksfall erlebte Manuel Schweizer vor einiger Zeit im Naturschutzgebiet Auried bei Laupen. Auf der Suche nach ungewöhnlichen Zugvögeln hörte er plötzlich im Schilf den Ruf des in Europa sehr seltenen Zwergsumpfhuhns. Mehrmals lauerte er dem Vogel zusammen mit Kollegen auf. Schliesslich liess sich der heimliche Vogel überraschend am Nachmittag blicken. Die Ausdauer hatte sich bezahlt gemacht, aber das frühe Aufstehen diesmal nicht.

Angela Ziegler – Der Balanceakt im Sozialzentrum

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TEXT: JULIA MARZONER / BILD: MARTIN GRASSL

Sozialarbeit benötigt viel Know-how, Geduld und Einfühlungsvermögen. Entsprechend trat Angela Ziegler ihre Stelle im Sozialzentrum der Burgergemeinde Bern mit viel Wissensdurst, aber auch schon einiger Lebenserfahrung an. Das erworbene Verantwortungsgefühl aus ihrer Zeit als Schullehrerin kann sie dort ebenso einbringen wie auch das während des Studiums der Sozialen Arbeit erlangte Wissen. Genau die Vielfalt mache ihren Beruf so spannend, findet sie, erfordere er doch gute Kenntnis des sozialen Systems, ein Händchen beim Vermitteln zwischen Behörden und Klienten sowie eine gewisse Kreativität bei der Lösungsfindung. Zusammen mit fünf weiteren Sozialarbeiterinnen und einer Praktikantin kümmert sie sich um die sozialen Belange der Angehörigen der betroffenen Zünfte sowie derjenigen der Burgergemeinde Bern. Zieglers Schwerpunkt liegt in der beruflichen und sozialen Integration von jungen Erwachsenen. Zurzeit betreut sie ein halbes Dutzend Jugendliche in der Berufswahlphase, welche teilweise nicht in den ersten Arbeitsmarkt vermittelbar sind. In gemeinsamen Gesprächen erörtert sie deren individuelle Situation und hilft vermittelnd Lösungen zu finden, sodass sie nach Möglichkeit wirtschaftlich selbstständig werden können. Dies zusammen mit der IV oder anderen Partnern und im Rahmen von deren Wiedereingliederungsprojekten wie etwa die zweijährigen EBA-Lehren. Ziegler ist nebenher auch Beiständin von Jugendlichen im Auftrag der burgerlichen KESB-Behörde. In ihrer Arbeit für das burgerliche Sozialzentrum kommt ihr ihre vorige Anstellung in Burgdorf, wo sie für ein Brückenangebot zugunsten Jugendlicher tätig war, zugute. So erhielt sie einen guten Einblick in die Probleme und Anliegen dieser Altersgruppe. Freude bereiten Ziegler auch die burgerlichen Eigenheiten des Sozialzentrums. Durch die Zusammenarbeit mit den Zünften besteht nämlich ein einzigartiges Unterstützungsangebot, denn die involvierten Freiwilligen bringen andere Perspektiven und Ideen ein.

Zur Stelle beim Sozialdienst der Burgergemeinde fand Ziegler während des Verfassens einer Seminararbeit im Studium. Sie untersuchte die Veränderungen der Aufgaben des Almosners der Zunftgesellschaft zu Metzgern im Laufe der Zeit. Hierzu interviewte sie auch die Leiterin des burgerlichen Sozialdienstes und erkundigte sich am Ende des Gesprächs spontan, ob gerade eine Praktikumsstelle im Sozialzentrum frei wäre. Nach Ablauf eines Jahrs führte die Anfrage Zieglers zum Stellenantritt im burgerlichen Sozialdienst.

Abdullatif Ali – Mit Empathie und Motivation

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TEXT: MARTINA HUNZIKER / BILD: MARTIN GRASSL

Eine gute Kommunikation sei in seinem Berufsalltag sehr wichtig, erzählt Abdullatif Ali. Der junge Syrer absolviert seit vergangenen August eine sogenannte «Vorlehre» im Berufsfeld Pflege und Betreuung im Burgerspittel im Viererfeld. Mit ihm nimmt der Lehrbetrieb zum ersten Mal an diesem Integrationsprogramm des Kantons Bern teil, welches beabsichtigt, Migrantinnen und Migranten während eines Vorbereitungsjahrs für den Einstieg in die Berufslehre fachlich und schulisch zu wappnen. An zwei Tagen die Woche besucht Abdullatif an der Gewerblich-Industriellen Berufsschule Bern (gibb) Fächer wie Mathematik und Deutsch, lernt aber auch Interessantes zur hiesigen Kultur. So besuchte er mit seiner Klasse letztens eine Käserei, wo sie den Herstellungsprozess von Schweizer Käse beobachten konnten. Die schulische Ausbildung wird von drei praktischen Lehrtagen im Betrieb ergänzt, wo Abdullatif in Begleitung einer Betreuungsperson in das Berufsfeld Pflege und Betreuung eingeführt wird. «Dieses System ist gut und schafft ein angenehmes Gleichgewicht zwischen Theorie und Praxis», findet der junge Syrer.

Der Arbeitstag im Betrieb beginnt für Abdullatif mit einem Rapport um Viertel nach sieben morgens, wo die anfallenden Termine und die Tagesplanung besprochen werden. Danach sei er die meiste Zeit mit Bewohnerinnen und Bewohnern unterwegs, berichtet er. Auch erledigt er hauswirtschaftliche Arbeiten. Den persönlichen Kontakt schätze er besonders: «Die Leute im Haus erzählen gerne, so erfährt man viel von ihnen.» Es sei ausserdem auch ein grosses Interesse an seiner eigenen Geschichte spürbar. So freut er sich, wenn auch er von sich und seiner Familie erzählen darf. Dass er neun Geschwister habe, sorge dabei immer wieder für grosse Augen, meint er schmunzelnd.

Durch den regen Austausch hat Abdullatif seit vergangenen August enorme Fortschritte in der deutschen Sprache gemacht und versteht mittlerweile auch das Berndeutsch. Das freut ihn besonders, denn er erkennt die Wichtigkeit der Kommunikation in seinem Beruf: Den Bewohnerinnen und Bewohnern mit Empathie zu begegnen und sie im Gespräch zu verstehen, gehöre zu den Kernkompetenzen eines Pflegefachmanns. «Als Pfleger tätig zu sein bedeutet nicht nur, die Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner zu erkennen. Der Austausch und weiterführende Gespräche sind genauso wichtig», erzählt Ali.

Sein allernächstes Ziel ist es nun, den Übertritt in die Lehre als FaGe (Fachmann Gesundheit mit 3-jähriger Berufsausbildung) zu schaffen. Und wer weiss, ob dies sogar der erste Schritt in die Richtung seines Traumberufs sein wird: Abdullatif wünscht sich, später als Arzt tätig sein zu dürfen.

Rudolf Wyder – Durch Tradition und Innovation im Burgerspital

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TEXT: DANIELA TSCHANZ / BILD: MARTIN GRASSL

Eigentlich wollte Rudolf Wyder seine Lebensgefährtin nur auf einer Führung durch das damals gerade entstandene Berner GenerationenHaus begleiten. Diese entpuppte sich dann aber als Infoanlass für Personen, die Besucherinnen und Besucher durch das Gebäude des Burgerspitals führen und ihnen dabei die Idee des Zusammenwirkens verschiedener Generationen näher bringen wollten. So fand sich Wyder am Ende des Tages auf einer Liste für Freiwillige wieder. Heute geleitet der ehemalige Berufsoffizier mit Freude Personen aus dem ganzen Kanton Bern sowie ausserkantonale Interessierte durch das Gebäude. In der Regel startet ein Rundgang beim Empfang des Burgerspitals. Während einer Stunde taucht Wyder mit den Besuchenden ein in das imposante Gebäude und seine weit zurückreichende Geschichte. Im obersten Geschoss zeigt er der Gruppe die historischen Balken. Im zweiten Stock wird ein Abstecher in das Alters- und Pflegeheim gemacht. Besonders die Möglichkeit, dass die hier wohnenden Männerund Frauen rund um die Uhr auf Aktivitäten zurückgreifen können, beeindruckt Wyder. Lachend erzählt er, dass er sich bei seinem ersten Besuch direkt einen Platz absichern wollte. Einen Stock weiter unten offenbart sich der Gruppe das Direktionszimmer, der Salon und das Treppenhaus. Die Architektur, die Möbel und die Gemälde seien es, die die Besuchenden immer wieder aufs Neue faszinierten, so Wyder. Dem Nicht-Bernburger ist es wichtig, dass er seinem Publikum auf einer Führung zwei zentrale Botschaften vermitteln kann. Einerseits das kulturelle und soziale Engagement der Burgergemeinde Bern, andererseits der Gedanke des generationenübergreifenden Austauschs. Dieser sei in seiner gelebten Art bis anhin schweizweit einzigartig.

Nach seiner Pensionierung entschloss sich der engagierte Rentner vorerst für ein Studium der Geschichte an den Universitäten Freiburg und Bern. Um mehr Zeit für seine fünf Enkelkinder zu haben, wechselte er schliesslich von der Uni zur «Pro Senectute». Hier unterstützt er Jugendliche im Beisein einer Lehrperson im Fach Mathematik. Wyders Einsatz für die Burgergemeinde Bern wird nicht selten mit einer Flasche Wein oder mit etwas Süssem gedankt. «Die Teilnehmenden merken, dass wir die Führungen gerne machen». Und das gebe ihm selbst auch viel zurück.

Stephanie Gropp – Eine Bildersammlung zum Schmökern

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TEXT: JULIA MARZONER / BILD: MARTIN GRASSL

Ob alte Landkarten, Stadtansichten von früher oder Porträts von Berner Persönlichkeiten – die Grafische Sammlung, das Fotoarchiv und die Gemälde der Burgerbibliothek beherbergen eine Vielfalt von historischen Bilddokumenten. Die Kunsthistorikerin Stephanie Gropp leitet seit September 2016 diese Sammlung, welche auch fast vollständig im Online-Archivkatalog der Burgerbibliothek zugänglich ist. Die Digitalisierung der Bestände dient ausserdem dazu, die fragilen Werke vor dem frühzeitigen Verfall zu schützen, weil sie dadurch nicht immer physisch konsultiert werden müssen. Gropp schätzt sehr, dass es sich die Burgerbibliothek zur Aufgabe gemacht hat, der Öffentlichkeit den Zugang zur Sammlung auf digitalem Weg zu ermöglichen. Damit lässt sich etwa seit neuestem die bedeutende Sammlung Berner Porträts der Burgerbibliothek sowie eine einzigartige Dokumentation zu Porträts in fremden Besitz online recherchieren. Dabei kommen Darstellungen von Berner Persönlichkeiten des 17. bis 19. Jahrhunderts ans Licht, die sonst in privaten Wohnzimmern hängen. Sowohl Wissenschaftler als auch interessierte Privatpersonen kommen in den Haller-Saal, um die Bestände zu konsultieren. Die Burgerbibliothek bietet mit ihrer facettenreichen Sammlung zentrale Informationsquellen für die Forschung zur Berner Geschichte.

Einen grossen Teil ihrer Arbeit macht die Annahme von Neuzugängen aus, speziell die damit verbundenen Recherchen und die Katalogisierung der Bilddokumente. Zahlreiche Werke stammen aus Vor- und Nachlässen von Berner Künstlern. Diese «Erbschaften» beinhalten neben den künstlerischen Arbeiten auch private Zeugnisse, die Einblicke in das Leben eines Malers, Grafikers oder Fotografen geben. Diesen Blick hinter die Kulissen von Kunstwerken empfindet Stephanie Gropp als einen der spannendsten Aspekte ihrer Arbeit. Wenn ihr Blick auf ein Porträt fällt, fragt sie sich oft, was für ein Mensch die abgebildete Person wohl gewesen ist. Besonders anhand der Bildnisse des 19. und 20. Jahrhunderts lassen sich gewisse Charakterzüge erahnen. Das Abbild der Enkelin Theodor Kochers deutet für Gropp etwa auf eine fröhliche und willensstarke Persönlichkeit hin. Mit jedem neu erfassten Porträt erschliesst sich so für sie auch immer wieder eine neue Welt.

Nik Leuenberger – Der neue Kapellmeister des Casinos

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TEXT: JULIA MARZONER / BILD: ZVG

Nik Leuenberger hat gerade richtig viel zu tun. Als neuer Kulturverantwortlicher des Kultur Casinos Bern ist er ständig auf der Suche nach frischen Ideen für das Veranstaltungskonzept, das ab Herbst 2019 anlaufen wird. Deshalb ist er gerade überall dort, wo die kreativen Köpfe der Berner Szene zusammenkommen, sei das im Progr, im Stadttheater oder im Rössli. Dabei er lässt sich von den künstlerischen Energien inspirieren, die dort herumschwirren. Aus einem grossen Bündel rohen Ideenmaterials schmiedet er konkrete Projekte, die dereinst ein breites Publikum ins Kultur Casino locken sollen. Zwischendurch muss er die Zukunftspläne auch mal kurz beiseite legen und an das Hier und Jetzt denken, nämlich an die gerade stattfindenden Umbauarbeiten: Welche Anschlüsse, Anlagen und Installationen müssen eingeplant werden, und weiss das Bauteam über die neuesten Entwicklungen Bescheid? Mitten in diesem Trubel bleibt Leuenberger aber entspannt, ganz im Sinne des unbeschwerten Berner Rhythmus. Wie ein talentierter Kapellmeister führt er die unterschiedlichen Ideenelemente zu einem stimmigen Gesamtkonzept zusammen, damit sie ab 2019 wie ein prächtiges Orchester zusammenspielen.

Vor zwei Jahren wollte er seine Familie mehr in den Vordergrund rücken, denn Nachwuchs war unterwegs. Also kündigte Leuenberger seine Stelle im Casinotheater Winterthur und zügelte endlich in seine Wunschstadt Bern. Weil die Arbeit im Kultur Casino eine Teilzeitstelle ist, bleibt nebenher auch noch viel Zeit für entspannte Stadtspaziergänge und Familienausflüge. Leuenberger geniesst es, in Bern zu arbeiten. Er hatte immer schon einen starken Bezug zur Hauptstadt, obwohl er bereits vielerorts zwischen Genf und St. Gallen gelebt hat. Bern war dabei stets in seinem Hinterkopf, hier verbrachte er jahrelang seine Wochenenden. An der Stadt gefällt ihm der gemütliche Groove, der hohe Lebensstandard und die wunderschöne Altstadt. Am spannendsten findet er aber die sehr bunte Kulturszene, die Bern zu bieten hat. Sie umfasst eine spannende Mischung aus Grossveranstaltungen, alternativen Events und spontanen Acts. Und eben dieses bernische Sammelsurium möchte Leuenberger ins Kultur Casino bringen, damit ein ebenso bunt gemischtes Publikum auf seine kulturellen Kosten kommt.

Pascal Schweizer – Mit Anzug, Kaffee und Begeisterung

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TEXT: JULIA MARZONER / BILD: MARTIN GRASSL

Ein typischer Arbeitstag beginnt für Pascal Schweizer mit einem Kaffee morgens um sieben Uhr, denn ohne läuft nichts. Dann stürzt er sich tatendurstig in seine Arbeit bei der DC Bank. Er bereitet sich auf Kundengespräche vor, trifft Klienten und heckt für sie massgeschneiderte Lösungskonzepte aus. Das Ziel hat Schweizer dabei immer vor Augen: den Erwartungen der Kunden zu entsprechen und ihnen ein optimales Ergebnis zu liefern. Dazu kommen noch interne Sitzungen und telefonische Anfragen, dann ist gegen 18 Uhr Schluss. Mit einem rauchenden Kopf und einem zufriedenen Lächeln setzt er sich dann nach Feierabend in den Bus ins Liebefeld.

Schweizer fühlt sich sichtlich wohl in seinem Arbeitsumfeld und erzählt mit Begeisterung von seiner Arbeit in der Bank. Der Bernburger ist tief verwurzelt in der Burgergemeinde und stolz auf die Werte, für welche die burgerliche Bank steht: solid, bernisch und langfristig. Vor allem durch diese unterscheidet sich seiner Meinung nach die DC Bank von anderen Geldinstituten. Nach seiner Lehre bei der burgerlichen Bank arbeitete er ein Jahr lang für eine Grossbank. Dies sei jedoch nichts für ihn gewesen, meint Schweizer, zu anonym würden Mitarbeiter und Kunden behandelt, zu gross und unübersichtlich sei der Betrieb gewesen. Bei der DC Bank hingegen erfahre er mit seinen Ideen Wertschätzung, und auch Verbesserungsvorschläge werden gern entgegengenommen. Schweizer sieht sich selbst als rastlosen Menschen, der am liebsten an allen Schräubchen dreht, etwa auch, um Betriebsabläufe zu optimieren.

Eigentlich wollte er Designer oder Grafiker werden, denn als Kind habe er ständig gezeichnet. Aber sein Talent hätte für eine Karriere nicht gereicht, und deshalb habe er sich nach einem Bürojob umgesehen. Auf der Berufs- und Ausbildungsmesse imponierten ihm die coolen Jungs in den schnittigen Anzügen, die ihn schnell zu einer Banklehre überreden konnten. Damit hatte Schweizer seinen Traumberuf gefunden. Die Arbeit beschert ihm engen Kontakt mit Kunden, vielseitige Aufgabenstellungen und täglich neue Herausforderungen. Ausserdem habe er sich ein gutes Grundlagenwissen über Vorsorgen, Finanzieren und Sparen angeeignet, das ihm als Privatmensch von Nutzen ist. Seine kreative Seite tobt Schweizer mittlerweile nicht mehr mit Zeichnen aus, sondern, wenn er aus Banknoten Origamifiguren faltet.

Andreas Stähli – sein Herz schlägt für Sanierungen

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TEXT: MERET RADI / BILD: MARTIN GRASSL

Wenn an der Jupiterstrasse 45 alle Bäder und Küchen saniert werden, behält er den Überblick. Andreas Stähli ist seit letztem August Bauherrenvertreter bei der Domänenverwaltung im Bereich Immobilienprojekte und ist für die Sanierungen oder Umbauten der Liegenschaften der Burgergemeinde Bern zuständig. Kommt eine solche in die Jahre, wird sie ein Fall für das Immobilienprojekte-Team. Dabei wird geprüft, welche Sanierungsarbeiten sinnvoll und unabdingbar sind. Im Vorfeld der bevorstehenden Sanierung an der Jupiterstrasse oblag es der Bauherrenvertretung, die Leistungen eines Generalplaners öffentlich auszuschreiben. Diesen führt Andreas Stähli seit letztem Sommer durch alle Projektphasen. Weiter muss der Architekt mit langjähriger Berufserfahrung mit den Liegenschaftsbewirtschaftern und den betroffenen Mietparteien einen aufs Projekt abgestimmten Zeitplan aufstellen. Daneben waren alle gemeindeinternen Genehmigungen einzuholen. Aufgrund des Kostenvolumens des Bauprojekts musste der Realisierungskredit dem Burgervolk zur Abstimmung vorgelegt werden. Nach dem positiven Abstimmungsergebnis und der erteilten Baubewilligung ist Stähli bezüglich der weiteren Projektabwicklung zuversichtlich. Dieses Jahr nun wird die Ausführung detailliert vorbereitet, der planmässige Baubeginn erfolgt im Frühjahr 2018. Der Grossteil seiner Arbeit fällt bei den Projekten vor den jeweiligen Bauphasen an, die Aufträge enden aber erst nach Inbetriebnahme der Gebäude mit der Projektabrechnung.

Mit Stellenantritt bei der Domänenverwaltung wagte Stähli den Seitenwechsel. Präsentierte der Architekt früher den Bauherren ausgearbeitete Projekte zum Entscheid, agiert er nun auf der anderen Seite und prüft vorgelegte Vorschläge und Kosten. «Mein Herz aber schlägt für Sanierungen von Altbauten», erklärt der 39-Jährige mit leuchtenden Augen. Er schätzt den Reiz des Historischen und liebt die speziellen Herausforderungen beim Sanieren alter Gebäude. Persönliche Auszeiten gönnt sich der Vater von zwei Kindern mit dem wöchentlichen Boxtraining und dem Fussballspiel im Verein.

Margrit Lienhart – individuelle Stärken

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TEXT UND BILD: MERET RADI

«Kein Tag ist wie der andere, aber das ist ja das Spannende», meint Margrit Lienhart. Die Psychologin ist Leiterin des Standorts Schosshalde, eines Bereichs des Burgerlichen Jugendwohnheims. Sie trägt die fachliche Verantwortung für 28 Jugendliche, die dort wohnen, sowie für den Bereich der Familienbegleitung. Somit hat sie die sozialpädagogische Arbeit in rund 40 Familien im Auge. Sie klärt auch Platzierungsanfragen ab, begleitet Ein- und Austrittsgespräche und kümmert sich weiter um das interne Aus- und Weiterbildungsangebot. Aktuell ist die Mutter einer 15-jährigen Tochter gerade mit der Neuausrichtung der Institution beschäftigt. «Auch dank meines zehnminütigen Arbeitswegs bringe ich all das unter einen Hut», erklärt Lienhard.

Stillstand war für Lienhart schon immer ein Fremdwort. Sie hat unter anderem klinische Psychologie, Rechtspsychologie, Heilpädagogik und Philosophie studiert. Vor kurzem erst hat sie sich vertiefend weitergebildet. Sie mag es, fachlich am Puls der Zeit zu sein, zu experimentieren und Neues auszuprobieren.

Ihre Hauptaufgabe ist, im Team Arrangements zu schaffen, die es den Kindern, Jugendlichen und Familien wieder ermöglichen, eigene Ziele zu erreichen und selbstverantwortlich leben zu können. Jugendliche zu unterstützen, die Weichen für die Zukunft richtig zu stellen. Die Teamarbeit beschreibt sie als respektvolles «gemeinsames Gestalten». «Vielleicht bin ich selber nicht gerade hochstrukturiert, was meine Papierberge angeht», gibt sie lächelnd zu, «aber die Freiheiten und das Vertrauen, das mir entgegengebracht wird, gebe ich auch gerne an meine Mitarbeitenden weiter». Kochen und Reisen sind ihren liebsten Freizeitbeschäftigungen. Margrit Lienhart entspannt sich bei der ausgiebigen Lektüre von Thrillern, Krimis und inspirierender Fachliteratur.

Barbara Felber – zwischen Menschen und Paragraphen

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TEXT: NANUSCHKA BOLEKI / BILD: MARTIN GRASSL

Durch die Welt trampen und sich sozial engagieren ist Barbara Felbers Ding. Daher legt die 25-Jährige auf dem Weg zum Anwaltspatent einen Zwischenstopp als Praktikantin bei der burgerlichen Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde ein. Seit letztem August ist Barbara mit unterstützender Funktion im kleinen Team dabei. Entscheide vorbereiten, recherchieren, Gesetzestexte konsultieren und Rechtsabklärungen vornehmen gehören zu ihren alltäglichen Aufgaben. Ebenso obliegt ihr teilweise die Protokollführung während der zweiwöchentlich abgehaltenen Behördensitzungen.

Selber Entscheidungen fällen muss sie als Praktikantin nicht, worüber sie «gottefroh» ist. Gerade bei Entscheiden im Bereich des Kindes-und Erwachsenenschutzes braucht es viele Kenntnisse, viel Lebenserfahrung und Differenziertheit. Genau darum sei es wichtig, dass die Behörde aus Anwälten und Anwältinnen, Ärzten und Sozialarbeiterinnen zusammengesetzt sei und interdisziplinär denke, findet Barbara. Grün hinter den Ohren ist die Praktikantin aber keineswegs. Im Luzerner Hinterland aufgewachsen, absolvierte sie das bilinguale Bachelorstudium an der Uni Fribourg, ergänzt durch den kürzlich in Luzern erworbenen Mastertitel.

Auch im Leben hat Barbara schon einige spannende Erfahrungen sammeln können, etwa in ihrem Zwischenjahr, als sie mit einer Freundin die Strecke von Venedig nach Istanbul unsicher machte: «Eine erlebnisreiche Zeit, die unheimlich Spass machte». Gedanklich geht sie auch gerne auf Reisen, etwa zuhause bei der Lektüre eines guten Buchs oder musikalisch beim Spielen des Klavierstücks «Rondo Alla Turca» ihres Lieblingskomponisten W. A. Mozart. Dass sie nach Erlangung des Anwaltspatents erneut für eine KESB arbeiteten wird, «ist durchaus denkbar». Denn trotz der aktuell öffentlichen Kritik an den KES-Behörden, ist Barbara von deren wertvoller Arbeit überzeugt.

Marc Fermaud – immer zu Hilfe

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TEXT: NANUSCHKA BOLEKI / BILD: MARTIN GRASSL

Marc Fermaud wirkt hinter den Kulissen der Burgerkanzlei als «Mädchen für Alles», oder wie er sagt: «Dr chunnsch mir z’Hilf». Während Anlässen auf der Bühne wirkt er im Ornat gekleidet als Offizial, seiner eigentlichen Berufsbezeichnung. Auch nach all den Jahren liebt er seine Arbeit, denn «sie ist vielseitig und spannend». Er ist Organisator, Koordinator, Administrator, Postverwalter, Drucker-Experte und vieles mehr. Kurz, er weiss wie der Hase in der Kanzlei läuft.

Marc Fermaud gehört in der Burgergemeinde schon fast zum Inventar, ist er doch schon seit 1974 leise und zielstrebig dabei. Fast niemand ist so lange bei der Burgergemeinde angestellt wie er. Nach der Lehre im Wunschberuf Schreiner trat der heute 62-Jährige direkt eine Stelle beim Naturhistorischen Museum Bern an, wo er unter anderem Vorbauten anfertigte oder Ausstellungsvitrinen baute. Zu seinen Aufgaben als Betriebsschreiner gehörte auch Aussergewöhnliches, etwa einen Elefanten häuten und die Haut im Pferdetransporter zu verfrachten – ja, wieso nicht! Er ist der Burgergemeinde treu geblieben, denn als Offizial hat er ab 1984 seine Berufung gefunden.

Im November 2017 wird Marc pensioniert, Angst vor Langeweile hat er nicht. «Ich lebe gerne gut und möglichst gemütlich, wie mein Kater Sämu», sagt er mit einem schelmischen Lächeln. Dennoch wird er vor allem die tollen, spannenden Menschen, Mitarbeitenden und Behörden, mit denen er in Kontakt war, vermissen. Aber er blickt auch mit einem lachenden Auge in die Zukunft. «Endlich Zeit haben! Am Morgen im Wintergarten hocken, Kaffee trinken und Zeitung lesen und nicht ständig auf die Uhr schauen müssen, weil man ja noch dies und jenes sollte», freut er sich. Auch ein grosses Ziel gibt es: mit dem Schiff von Vancouver nach Alaska reisen. Er liebt den Norden, und Kanada ist zur zweiten Heimat geworden. Ansonsten wird er mit dem GA herum reisen, wandern und seinem alten Hobby Fotografieren nachgehen – bis dahin geniesse er aber noch seine Berufung.

Florian Mittenhuber – mittelalterlichen Schriften auf der Spur

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TEXT: MICHÈLE BIGLER / BILD: MARTIN GRASSL

Dieser Tage zieht die Burgerbibliothek mit ihren gesamten Beständen an wertvollen und international bedeutenden Manuskripten, Archivalien und Bilddokumenten wieder an ihren angestammten Ort in der Münstergasse zurück. Zum Gesamtbestand gehören auch über 1100 mittelalterliche Handschriften, die bis ins 6. Jahrhundert zurückreichen. Seit fünf Jahren obliegt dem wissenschaftlichen Mitarbeiter Florian Mittenhuber die Pflege und Digitalisierung jener Bestände. Aber auch fachspezifische Ausleih-Anfragen anderer Museen, die Mithilfe im Lesesaalbetrieb und die Betreuung von Forschenden fallen in seinen Bereich.

Sein besonderes Augenmerk gilt der bedeutenden Bongarsiana-Sammlung der Burgerbibliothek, welche 650 zumeist lateinische Handschriften aus dem Mittelalter umfasst. Die systematische Erschliessung der Schriften ist ein wichtiger Teil von Florian Mittenhubers Arbeit. Dabei sind nicht nur der Inhalt eines Werks von zentraler Bedeutung, sondern auch buchmacherische Aspekte bezüglich Einband oder enthaltener Malereien. Auch die historische Einordnung und das Zusammentragen von Hintergrundinformationen zur jeweiligen Schrift sind von Interesse. Für den Altphilologen Mittenhuber stellt das Arbeiten mit einem Bestand dieser hohen Qualität einen absoluten Glücksfall dar.

Ein wichtiger Teil seiner Arbeit ist zudem die Digitalisierung und Beschreibung ausgewählter Handschriften für e-codices, die Virtuelle Handschriftenbibliothek der Schweiz. Die Arbeit in der Burgerbibliothek bietet Florian Mittenhuber viel Abwechslung, interessante wissenschaftliche Inhalte, Kundenkontakte und den Austausch mit internationalen Forschenden. Als Ausgleich zu seiner Arbeit verbringt der zweifache Familienvater viel Zeit in der Natur, sei es mit seinen Kindern oder bei alpinsportlichen Aktivitäten wie Klettern und Bergsteigen.

Estée Bochud – zwischen Schnecken und Boxsack

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TEXT: MICHÈLE BIGLER / BILD: LISA SCHÄUBLIN

Schnecken sind ihr Spezialgebiet. Seit 2011 arbeitet die Biologin Estée Bochud im Naturhistorischen Museum der Burgergemeinde Bern als wissenschaftliche Assistentin der Malakologie, zu deutsch Weichtierkunde. Hier betreut sie einen Bestand mit rund vier Millionen Sammlungsobjekten, wovon einige Exemplare bereits über 150 Jahre alt und teils schon ausgestorben sind.

Estée Bochuds Aufgabe besteht darin, die Bestände richtig zu bestimmen und fachgerecht in säurefreies Material zu verpacken, sodass die kalkhaltigen Gehäuse der Schnecken und Muscheln nicht angegriffen werden. Die Artenbestimmung gleicht oftmals einer Detektivarbeit. Anhand der umfangreichen Mollusken-Sammlung des Naturhistorischen Museums, der grössten Sammlung der Schweiz, können die fraglichen Objekte verglichen und bestimmt werden. Diese Arbeit ist sehr wichtig. Nur wenn man weiss, welche Arten existieren, weiss man auch, welche Spezies geschützt werden müssen. Anhand eines Registers samt Fundortkarte kann Estée Bochud ermitteln, wo und in welchen Jahren bestimmte Bestände zurückgegangen sind oder zugenommen haben. Mittlerweile ist rund ein Viertel der Sammlung bestimmt.

Die Malakologie befasst sich mit einem Tierstamm, dessen Klasse der Schnecken etwa eine enorme Diversität betreffend Gestalt der Gehäuse und Muster aufweist. Für Estée Bochud ist es faszinierend, seltene oder gar ausgestorbene Spezies in die Hände nehmen zu können. Das gute Arbeitsklima im Naturhistorischen Museum und den Austausch mit anderen Spezialisten schätzt sie sehr.

Auch in ihrer Freizeit mag Estée Bochud eher ungewöhnliche Aktivitäten, die sie nicht nur körperlich herausfordern, sondern auch einen guten Adrenalin-Kick versprechen. So verbringt die junge Biologin ihre Freizeit und Ferien am liebsten auf ihrem Motorrad oder beim Kitesurfen an Traumdestinationen wie Mauritius, Marokko und Ägypten. Am Montagabend trifft man Estée Bochud jeweils mit Handbandagen, Boxsack und Mikrophon im ATRIUM12 im Von Roll Areal. Dort leitet sie den Fit-Box-Kurs des Unisport-Angebots. Die Schneckenexpertin verfügt zudem über eine abgeschlossene Ausbildung in klassischer Massage.

Kiatbodin Koetsuk – ein «Top» Mitarbeiter im zentralen Informatikdienst

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TEXT: MICHÈLE BIGLER / BILD: MARTIN GRASSL

Wenn eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter der Burgergemeinde Bern ein technisches Problem mit dem Computer oder VoIP-Telefon hat, so ist der zentrale Informatikdienst der Burgergemeinde die Anlaufstelle. Kiatbodin Koetsuk, auch unter dem Spitznamen «Top» bekannt, arbeitet seit August 2013 im Viererteam, welches das einwandfreie Arbeiten mit der IT-Infrastruktur in den verschiedenen Abteilungen und Institutionen gewährleistet. Zu den Kernaufgaben seines Jobs gehören das Erstellen oder Bearbeiten von Benutzerkonten, die Wartung und Überwachung von diversen Systemen, die Beschaffung, Installation sowie Konfiguration von Hard- und Software und die Verbesserung und Optimierung der bestehenden Citrix-Plattform.

Seine «Kunden» in den verschiedenen Abteilungen und Institutionen der Burgergemeinde kennt Kiatbodin Koetsuk meist persönlich. Je nach Anliegen unterstützt er sie per Telefon und Fernwartungsprogramm oder kommt andernfalls gleich selber bei ihnen vorbei. Die vielen Kontakte sowie die Abwechslung in seiner Arbeit gefallen ihm besonders. Zurzeit absolviert der Informatiker noch eine berufsbegleitende Weiterbildung zum ICT-Systemtechniker an der höheren Berner Fachhochschule.

Kiatbodin Koetsuk ist in Thailand aufgewachsen und kam mit 13 Jahren in die Schweiz. Nach Abschluss der Sekundarschule und dem zehnten Schuljahr begann er beim Kanton Bern eine Lehre zum Informatiker. Seit er in der Schweiz ist, spielt «Top» Fussball. Vor zwei Jahren hat er vom Feld in die Turnhalle zum «Futsal» gewechselt, einer Spielart des Hallenfussballs, bei der zwei Fünferteams während zwanzigminütigen Halbzeiten aufeinandertreffen. Aktuell spielt er bei «Mobulu Futsal Uni Bern» in der «Swiss Futsal Premier League», der höchsten Liga der Schweiz. Während der Spielsaison, die jeweils von Oktober bis Ende Februar dauert, trainiert er zwei bis drei Mal wöchentlich. An den Wochenenden geht es dann jeweils zum nächsten Match irgendwo in der Schweiz.

Sofia Barcia – Eine Frau in der Männerdomäne

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TEXT UND BILD: CAROLINA KÄMPF

Sofia Barcia hat eben erst ihr zwölfmonatiges Vorstudienpraktikum als Forstwartin bei der Burgergemeinde Bern abgeschlossen. Dieses Praktikum erlaubt ihr ein Studium zur Forstingenieurin an der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL in Zollikofen, wo sie ihr gesammeltes praktisches Wissen mit theoretischem Hintergrund ergänzen kann.
In Wahlendorf aufgewachsen, spielte sich fast ihre ganze Kindheit im Wald ab: Von gemeinsamen Aktivitäten mit Freunden, über Geburtstagsfeste, bis hin zur Pfadi war sie schon immer mit dem Wald verbunden. So erstaunt es auch nicht, dass Sofia Barcia nach einem Jahr ihr Jurastudium zugunsten des Waldes aufgab. Als angehende Forstingenieurin möchte sie grosse Ziele in der Männerdomäne der Forstberufe verwirklichen. Bezüglich Wissen und Begeisterung steht sie den Männern in keiner Weise nach, lediglich körperlich kommt sie ab und zu an ihre Grenzen.  Ihre grosse Stärke hingegen ist ihre kommunikative Seite. Die Arbeit im Wald ist sehr vielseitig und erfordert umfangreiches Wissen auf verschiedenen Gebieten, von der Meteorologie bis zur Biologie. Sofia Barcia empfindet es als besonders befriedigend, jedes Jahr die Früchte der Arbeit des vorangegangenen bestaunen zu können. Ebenso, dass je nach Jahreszeit andere Waldarbeiten zu verrichten sind. So steht im Herbst, nach der sommerlichen Waldpflege, die Holzerei im Vordergrund. Diese ist wichtig, schafft sie doch Platz und Licht für Jungbäume und stellt für neue Forstwarte ein besonderes Erlebnis dar. Dieses unglaubliche Gefühl, wenn man den ersten Baum selber fällt, behält Sofia Barcia als ganz spezielles Andenken in Erinnerung.

David Matthys – Zwei Berufe in einem Müller

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TEXT UND BILD: CAROLINA KÄMPF

David Matthys ist seit Juni dieses Jahres Bereichsleiter der SAT-Mühle Schönenbühl. Er ist zuständig für die Gesamtorganisation des Betriebs, welcher Jugendlichen ab 16 Jahren ohne Arbeit oder Ausbildungsplatz betreute Arbeitsplätze anbietet. Die Mühle ist eine Aussenstelle des SAT-Projekts, einer Abteilung des Burgerlichen Jugendwohnheims. David Matthys‘ Interesse an der Einrichtung wurde im Jahr 2002 geweckt, während der 500-Jahr-Jubiläumsfeier der SAT-Mühle. Die Projektidee, Pädagogik mit Lebensmittelproduktion zu verbinden, noch dazu in einem idyllischen Umfeld, begeisterte David Matthys derart, dass er sich die Mitarbeit in diesem Projekt absolut vorstellen konnte. Vor zwei Jahren stiess er endlich dazu und steht heute dem vierköpfigen Team vor.

Der Alltag in der Mühle hält jeden Morgen Überraschungen bereit, denn die vielseitige Müllersarbeit und die Betreuung der Jugendlichen lassen sich oft nicht im Voraus planen. Die Jugendlichen in der SAT-Mühle entstammen verschiedensten Lebenssituationen. Aufgabe des Teams ist es, die jeweiligen Fähigkeiten der Jugendlichen einzuschätzen und ihnen entsprechende Aufgaben zuzuteilen, von der Müllersarbeit bis zum Verkauf im dazugehörigen Laden. Dies erfordert Fingerspitzengefühl, Menschenkenntnis und viel Erfahrung. Meist ergeben sich die konstruktiven Gespräche mit den Jugendlichen spontan während der Arbeit, etwa beim Abfüllen der Mehlsäcke  oder beim gemeinsamen Verfassen eines Bewerbungsbriefs. David Matthys versucht, sie in allen Fragen zu unterstützen und ihnen eine Tagesstruktur zu vermitteln. Selber gefällt ihm der überraschungsreiche Alltag und die Kombination von Müllerei und Pädagogik. Doch auch das Handwerkliche begeistert ihn. Vor zwei Jahren wusste David Matthys noch nicht, wie man  Brot bäckt, heute stellt er über 20 verschiedene Mehlsorten her. Wenn er abends aus der Arbeitskleidung schlüpft und zur Ruhe kommt, hat er die Gewissheit, wieder etwas bewegt zu haben – und Vorfreude auf den kommenden Tag.

Amir Said – Ein ruhiger Teamplayer im Berner Generationenhaus

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TEXT UND BILD: MARTIN GRASSL

Amir Saids Aufgabe ist es, die diversen Räume im dritten Stock des Burgerspitals für gebuchte Veranstaltungen, Seminare, Sitzungen oder Konzerte vorzubereiten. Der ruhige, junge Mann hat bereits ein wechselvolles Leben hinter sich. Der Kurde wurde im Irak unweit der iranischen Grenze geboren. Nach Abschluss des Gymnasiums liess er sich zum Anästhesiepfleger ausbilden und arbeitete anschliessend während sieben Jahren auf seinem Beruf; zuerst in einem örtlichen Spital, anschliessend in einem von der Amerikanischen Armee betriebenen Lazarett und Ausbildungszentrum. Wegen der Arbeit für die Amerikaner wurde er später jedoch von extremistischen Kreisen mit dem Tod bedroht und sah sich deshalb im Jahr 2008 gezwungen, den Irak zu verlassen.

Seither lebt Amir Said als anerkannter Flüchtling in der Schweiz. Nach Teilnahme an diversen Beschäftigungsprogrammen hat Amir Said im Berner GenerationenHaus seine erste reguläre Arbeitsstelle in der Schweiz gefunden. Er schätzt es sehr, gerade hier zu arbeiten, da er offen für andere Menschen und ein Teamplayer ist. Privat hat der Familienvater ein ausgesprochenes Flair für Musisches: Auf dem Akkordeon spielt er traditionelle kurdische Musik und verfasst Lyrik in seiner Muttersprache. Mit seiner Umsicht bereichert Amir Said das Haus sehr.

Stephan Horisberger – Zwischen Rohrbruch und Beschallungsanlage

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TEXT: CAROLINA KÄMPF / BILD: MARTIN GRASSL

Stephan Horisberger wurde erst vor neun Jahren so richtig aufmerksam auf das Kultur Casino, als er am Busker Festival unter dem Baldachin beim Kasseneingang einer Band zuhörte. Zufällig wurde im Kultur Casino ein Jahr später eine Stelle frei, welche wie auf ihn zugeschnitten war. Seither betreut der gelernte Elektromonteur als Leiter Betrieb und Infrastruktur die technischen Anlagen und koordiniert verschiedene Infrastrukturprojekte. Die Lüftungs-, Sanitär- und Elektroanlagen des Hauses halten Stephan Horisberger täglich auf Trab. Denn in den alten Hausmauern stehen an allen Ecken diverse Wartungs- und Sanierungsarbeiten an, notfalls auch am Wochenende.
Nach der geplanten Sanierung des Kultur Casinos in den Jahren 2017 bis 2019 wird sich das Gebäude in einem technisch deutlich besseren Zustand befinden: So werden die Toiletten nicht mehr überlaufen, nur weil an einem Grossanlass alle gleichzeitig benützt werden. Die moderne Technik wird zwar praktischer zu warten, aber auch anspruchsvoller zu bedienen sein.
Stephan Horisberger kennt das weitläufige Haus wie seine Westentasche und dachte lange, der versteckteste Raum sei ein Zimmer über der Orgel. Doch dann entdeckte er kürzlich bei Sondierungsarbeiten einen ihm bislang unbekannten Raum im Kellerbereich. Durch die regelmässigen Proben und Konzerte im Grossen Saal hört Stephan Horisberger fast täglich Musik. Wenn das Berner Symphonieorchester auftritt oder Jazz und Blues auf dem Programm stehen, findet man ihn auch einmal in den Zuhörerreihen. Privat spielt er Didgeridoo, wofür er aber keine Musiknoten benötigt. Um Klänge hervorzuzaubern reicht etwas Rhythmusgefühl aus. Wer glaubt, die Töne des Berner Symphonieorchesters beeindruckten Stephan Horisberger nicht mehr, irrt. Vor allem deren Hauptprobe zusammen mit Patent Ochsner für den Bundesplatzaufritt werden ihm noch lange in Erinnerung bleiben.

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