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Legendäre SAFFA-Schnecke kriecht ins Burgerspital

01.09.2021

An der berühmt gewordenen «SAFFA-Schnecke» schieden sich vor fast hundert Jahren die Geister. Denn die überdimensional grosse Schnecke trug den provozierenden Namen «Fortschritte des Frauenstimmrechts in der Schweiz» und wurde anlässlich der Schweizerischen Ausstellung für Frauenarbeit (SAFFA) 1928 in Bern auf dem Eröffnungsumzug am Bundeshaus vorbeigezogen. Dies als Anspielung auf das Schneckentempo, mit dem die Politik damals die Stimmrechtsfrage der Frauen behandelte. Zurzeit kann das einzig existierende Replikat der berühmten, geschichtsträchtigen Schnecke im Foyer des Burgerspitals bestaunt werden.

TEXT: MARTIN GRASSL; BILD: ZVG/GOSTELI-ARCHIV

Im August dieses Jahres machte die SAFFA-Schnecke dem Bundesplatz ein zweites Mal ihre Aufwartung und erinnerte symbolhaft an den mühsamen Kampf der Frauen um ihre politischen Rechte hierzulande. Dies aus Anlass des 50-Jahr-Jubiläums des Schweizer Frauenstimmrechts. Es handelte sich dabei um das einzige Replikat der berühmten SAFFA-Schnecke aus dem Jahr 1928, die nicht mehr existiert. Das Replikat liess die Stiftung «BE 800» 1991 aus Anlass des 800-Jahr-Jubiläums von Bern für einen Festumzug anfertigen. Die Burgergemeinde Bern war Mitglied der Stiftung und übernahm das Objekt nach ihrer Auflösung. Danach gelangte die Schnecke auf das Gut Altikofen in Worblaufen, wo sich die Gosteli-Stiftung, das Archiv zur Geschichte der schweizerischen Frauenbewegung, befindet. Nun ist die grosse Schnecke wieder unterwegs und macht zurzeit bis 23. September 2021 im Foyer des Burgerspitals Halt. Zuvor wurde sie im Bernischen Historischen Museum restauriert und dort anlässlich des Frauenstreiks 2021 vom 14. Juni und bis zu ihrem Umzug ins Burgerspital am 30. August auf der grossen Eingangstreppe postiert. Nun ruft sie am neuen Standort den Betrachtenden das leidenschaftliche Engagement um das Frauenstimm- und Wahlrecht auf plastische Weise in Erinnerung.

Im Schneckentempo zum Frauenstimm- und Wahlrecht
Hätten die Frauen 1928 geahnt, dass es bis zur bundesweiten Einführung des Frauenstimm- und Wahlrechts noch bis 1971 dauern würde, so hätten sie wohl ein noch langsameres Tier als die Schnecke zum Symbol ihres langen Kampfes gewählt. Die Geschichte des Frauenstimm- und Wahlrechts in der Schweiz ist von etlichen Anläufen geprägt. Nach der klaren Ablehnung des Frauenstimmrechts in einigen Kantonen und Gemeinden nach Ende des Ersten Weltkriegs konzentrierten sich die Frauenverbände auf die Ausbildung sowie die Berufstätigkeit der Frauen. Vor über 90 Jahren, am 26. August 1928, wurde in diesem Zusammenhang auf dem Viererfeld in Bern die erste SAFFA, die Schweizerische Ausstellung für Frauenarbeit, eröffnet. Sie beabsichtigte die Leistungen der Frauen in Familie, Beruf, Wissenschaft und Kunst in gesellschaftlicher und volkswirtschaftlicher Hinsicht aufzuzeigen. Damit unterstrichen die Frauen zugleich ihren Anspruch auf die noch immer fehlende Mitbestimmung und rechtliche Gleichstellung sowie das Recht auf Erwerbstätigkeit. Im Eröffnungsumzug der SAFFA, der vor dem Bundeshaus durchführte, zogen die Organisatorinnen auf einem Wagen die berühmt gewordene und «Fortschritte des Frauenstimmrechts in der Schweiz» benannte SAFFA-Schnecke hinter sich her. Diese Aktion trug ihnen viel Kritik ein, in der Folge war sogar von der politischen Unreife der Frauen die Rede. Die Protestdemonstration war nebenbei Auftakt für die Petition von 1929 für das Frauenstimmrecht, sie wurde von rund einer Viertelmillion Frauen und Männern unterzeichnet – allerdings ohne politische Wirkung.

100 Jahre erfolgreiches Engagement gewürdigt
Am Ende war das politische Engagement der Frauen hierzulande mit der Einführung des Stimm- und Wahlrechts 1971 trotz allem von Erfolg gekrönt. Dieser grosse Fortschritt wurde vergangenen August während einer Woche mitten im politischen Zentrum der Schweiz gefeiert. Aus diesem Anlass wurde der Bundesplatz zum Leuchten gebracht. Mit der Panorama-Projektion «Hommage 2021 – 50 Jahre Frauenstimm- und Wahlrecht» wurde täglich Schweizer Frauengeschichte auf die Fassaden des Bundeshauses, der Nationalbank und der Bernischen Kantonalbank projiziert. Das gesamtschweizerische Projekt vereinte Bildmaterial aus allen Landesteilen und rückte die immensen Leistungen der Schweizerinnen auf dem Weg zu ihren politischen Rechten endlich ins gebührende Licht. Die Burgergemeinde Bern hat dieses Projekt finanziell mit einem namhaften Beitrag unterstützt.

Weiterführende Links

Gosteli-Stiftung
www.gosteli-foundation.ch

Hommage 2021
https://hommage2021.ch

 

abgelegt unter: EKG, Bildung, Berner Generationenhaus

Weitere Informationen.

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