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Niemand war schon immer da

30.10.2019

Seit es Menschen gibt, sind diese unterwegs: Sie brechen auf, kommen an und gehen weiter. Mit «Homo migrans. Zwei Millionen Jahre unterwegs» zeigt das Bernische Historische Museum bis Mitte 2020 eine Ausstellung zum Thema Migration. Sie schlägt einen weiten zeitlichen Bogen von den ersten Menschen in Afrika und dem Beginn ihrer Verbreitung über die Erde bis hin zur Gegenwart. Im Fokus steht die Schweiz.

TEXT: DANIEL SCHMUTZ; BILDER: ZVG

Migration ist eine Konstante der Menschheitsgeschichte, und die Beweggründe für unser Kommen und Gehen sind vielfältig. Die ersten Menschen haben sich von Afrika aus über den ganzen Globus verbreitet. Noch während der Eiszeiten erreichten sie die Schweiz. In der Berner Ausstellung ist folglich auch das Original des berühmten Faustkeils von Pratteln zu sehen, welcher auf rund 300 000 Jahre v. Chr. datiert wird und als ältestes bisher in der Schweiz gefundenes Zeugnis von Menschen gilt. Die Ausstellung beschränkt sich vornehmlich auf das Gebiet der heutigen Schweiz und verschafft einen Überblick über Wanderungsbewegungen, die für unser Land von Bedeutung waren.

Die Geschichte der Helvetier, die am Übergang vom 2. zum 1. Jh. v. Chr. aus dem Gebiet zwischen Rhein und Main ins schweizerische Mittelland einwanderten, veranschaulicht, wie sehr das kollektive Empfinden von schweizerischer Identität mit Migration zusammenhängt. Als die Helvetier 58 v. Chr. nämlich weiter nach Südwestfrankreich auswandern wollten, stellten sich ihnen die römischen Legionen unter Caesar entgegen. Sie besiegten die Helvetier bei Bibracte und beorderten sie in ihr angestammtes Gebiet zurück. Sowohl die Allegorie der Helvetia wie auch der Ausdruck «Confoederatio helvetica», das «CH» im Autokennzeichen, sind Teil schweizerischer Nationalität geworden, beziehen sich aber auf einen keltischen Stamm, der aus dem heutigen süddeutschen Raum eingewandert ist und gerne in wärmere Gefilde weitergezogen wäre.

Im Frühmittelalter entstand durch weitere Migrationsbewegungen die Zweiteilung der heutigen Schweiz in eine romanische und eine germanische Sprach- und Kulturregion. Im Hochmittelalter führte das Bevölkerungswachstum zu neuerlichen Wanderungen wie etwa derjenigen der Walser. Die Glaubenskonflikte der Frühen Neuzeit sorgten für neue Migrationsströme. Rund 60 000 protestantische Glaubensflüchtlinge gelangten nach der Aufhebung des Edikts von Nantes in die Schweiz und wurden nach einem Verteilschlüssel auf die reformierten Orte aufgeteilt. Allein auf Bern entfiel die Hälfte aller Flüchtlinge. Darunter befanden sich viele hochspezialisierte Handwerker und Kunsthandwerker, die der Wirtschaft in der Eidgenossenschaft neue Impulse verliehen. Unter den nach Bern geflüchteten Hugenotten befanden sich vier Tapisseriewirker, denen der Berner Rat den Auftrag für eine Tapisserie erteilte. Dieser «Hugenottenteppich» ist ein Spitzenobjekt des Bernischen Historischen Museums und nach vielen Jahren im Depot endlich wieder in einer Ausstellung zu sehen. Während sich Bern gegenüber den Hugenotten hilfsbereit zeigte, wurden die Täufer jedoch verfolgt, sie fanden hauptsächlich in Mähren, im Fürstbistum Basel, in den Niederlanden und in Nordamerika Zuflucht. In der frühen Neuzeit sahen sich wiederum viele Schweizer gezwungen, ihr Auskommen im Ausland zu finden. Dabei machten Söldner das Gros aus. Unter den zivilen Arbeitsmigranten fanden sich Fachspezialisten wie Architekten, Zuckerbäcker oder Chocolatiers. Zwischen 1815 und 1914 wanderte fast eine halbe Million Schweizerinnen und Schweizer nach Übersee aus, davon über 70 Prozent in die USA.

Die Ausstellung beleuchtet nicht nur die grossen Linien der Geschichte, sondern porträtiert auch betroffene Personen. Weitere Themen sind die Immigration der Italiener, die in der boomenden Schweiz als Arbeitskräfte unentbehrlich waren, sowie die Haltung der Schweiz zu den Flüchtlingen während und nach dem Zweiten Weltkrieg. Heute hat rund ein Drittel der Bevölkerung der Schweiz einen Migrationshintergrund. Die in der Ausstellung präsentierten Trikots der schweizerischen Fussball-Nati versinnbildlichen dies: Die meisten Spieler haben einen Migrationshintergrund und spielen in anderen europäischen Ländern.

www.bhm.ch/de/ausstellungen/wechselausstellungen/homo-migrans

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