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Frauenzentrale Bern erhält einen Preis der Burgergemeinde

Kompetente Rechtsberatung in der Berner Frauenzentrale

19.08.2019

Die Frauenzentralen haben sich als Organisationsform in der Schweizer Frauenbewegung seit dem Ersten Weltkrieg mit dem gemeinsamen Ziel der «Verwirklichung der Gleichstellung von Frau und Mann in Arbeitswelt, Gesellschaft und Politik» gebildet. Als Drehscheibe zwischen engagierten Frauen, Frauenorganisationen, Behörden, politischen Gremien, sozialen Institutionen und anderen gleich gesinnten Personen und Institutionen verfügt die Frauenzentrale BE seit 1920 über einen grossen Fundus an Fachwissen und Fachkompetenz. Sie bietet unter anderem Rechts-, Budget- und Vorsorgeberatungen. Das Medaillon war in der Berner Zentrale zu Besuch.

TEXT UND BILD: MARTIN GRASSL

Seit hundert Jahren engagiert sich die Frauenzentrale Bern, vormals Bernischer Frauenbund, zusammen mit anderen Frauenverbänden an vorderster Front für die Gleichstellung der Frauen in der Schweiz. In diese Zeit fielen die beiden wichtigen Schweizerischen Ausstellungen für Frauenarbeit SAFFA, 1928 in Bern sowie 1958 in Zürich, welche der Öffentlichkeit die Bedeutung des «weiblichen Anteils» der gesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Arbeit in Erinnerung zu rufen beabsichtigten. Weitere Meilensteine stellten 1965 die Zulassung von Frauen zu Richterämtern im Kanton Bern und 1971 die überfällige Annahme des Wahl- und Stimmrechts für Frauen auf eidgenössischer Ebene dar, gefolgt von der erstmaligen Teilnahme von Frauen an den Berner Grossratswahlen 1974.

Die Büroräumlichkeiten der Berner Frauenzentrale liegen heute zentral an der Zeughausgasse inmitten der Stadt Bern. Wie alle ihre Mitstreiterinnen freut sich Co-Präsidentin Dolores Dana ganz besonders auf das anstehende hundertjährige Jubiläum der engagierten Institution.

MEDAILLON: Die Frauenzentrale feiert dieses Jahr ein grosses Jubiläum. Welches waren in Ihren Augen die entscheidenden Höhepunkte in hundert Jahren Engagement für die Frauen?

DOLORES DANA: Zweifelsohne stellt das Wahl- und Stimmrecht für Frauen auf eidgenössischer Ebene den wohl grössten Erfolg dar. Doch sind wir auch stolz, dass es uns heute noch gibt: unsere Anliegen beschäftigen die Gesellschaft offensichtlich noch immer und unsere Arbeit geniesst weithin Wertschätzung. Ganz konkret werden unsere Beratungs- und Dienstleistungsangebote rege nachgefragt. Die Schwerpunkte liegen auf der Alimentenhilfe und -inkasso, der Erstberatung in Rechtsfragen, Budgetberatung und Schuldenberatung, aber auch die Vorsorgeberatung ist ein Thema. Eine Scheidung oder ein plötzlicher Todesfall können Menschen völlig aus der Bahn werfen was die administrative Bewältigung der neuen Lebenssituation angeht. Unsere Beraterinnen weisen sich durch professionelle Expertise aus und können hier nötige erste Unterstützung leisten. Unsere Klientel in der Berner Zentrale stammt aus der Stadt und Umgebung. Wir ergänzen hierbei die überlasteten Sozialämter und beraten übrigens sowohl Frauen, wie immer mehr Männer sowie Paare, Familien oder Jugendliche.

Der Frauenstreik letzten Juni hat in der ganzen Schweiz Abertausende Frauen auf die Strassen getrieben. Welches sind jetzt, hundert Jahre nach der Gründung der Frauenzentrale, die grössten Anliegen der Schweizer Frauenbewegung?

Ganz klar gleicher Lohn für gleiche Leistung. Hier muss noch viel gehen und das wird uns entsprechend noch lange beschäftigen. Aber wir wünschen uns auch auf nationaler Ebene mehr Frauen in der Politik. Weiter haben wir uns die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auf die Fahnen geschrieben. Hier wäre ein besseres Angebot an Tagesschulen wünschenswert, ebenso eine Vereinheitlichung des Schulstundenbeginns für Kinder, damit mehrköpfige Familien logistisch entlastet werden.

Eine dritte SAFFA ist in Planung, um die Schweizer Öffentlichkeit auf die heutigen Anliegen der Frauen aufmerksam zu machen. Inwieweit ist die Berner Frauenzentrale hier involviert?

Der Lead liegt hierbei bei der alliance F. Doch wir unterstützen diese Dachorganisation hinsichtlich einer neuerlichen SAFFA. Die alliance F vertritt die Interessen von rund 400’000 Schweizer Frauen und 150 Mitgliederverbänden.

Veranstaltet die Berner Frauenzentrale nebst ihren Beratertätigkeiten auch öffentliche Aktionen?

Wir waren selbstverständlich am letzten Frauenstreik mit einem Stand dabei. Weiter veranstalten wir in Bern regelmässig Infoabende zu aktuellen Gesellschaftsthemen, unter anderem mit Partnerorganisationen wie der BPW (Business Professional Women).

Die Burgergemeinde Bern würdigt das 100 Jahre währende Engagement der Berner Frauenzentrale mit einem Preisgeld von 75‘000 Franken. Sie werden die Summe teilweise für eine schlankere IT-Lösung verwenden, welche ihre Dienstleistungstätigkeiten erheblich vereinfachen und so ihre Beraterinnen entlasten soll. 

Das ist das ein wichtige Projekt, welches wir nun mithilfe der Preissumme realisieren wollen. Daneben soll die Summe einen Nothilfefonds speisen, mit dem wir Menschen unterstützen. Es gibt auch bei uns Menschen, die sich selbst kleinere Ausgaben schlicht nicht leisten können und denen wir so unter die Arme greifen wollen, bevor sie in eine Schuldenspirale geraten.

Preise der Burgergemeinde 2019

Die beiden grossen Preise der Burgergemeinde Bern, der Kultur- und der Sozialpreis, wurden 2018 zum letzten Mal gesondert vergeben. Mit den letztes Jahr in Kraft getretenen neuen Leitlinien der Engagements in Kultur und Gesellschaft definiert die Burgergemeinde ihre Preisvergabepraxis neu. Die Preise werden am 20. November 2019 im Casino Bern vergeben.

Mit insgesamt 150‘000 Franken werden dieses Jahr die Frauenzentrale BE sowie die Volkshochschule Bern ausgezeichnet, dies in Anerkennung der herausragenden Leistungen beider Institutionen im Verlauf ihres jeweils hundertjährigen Bestehens. Die Prämierten werden die Preisgelder für konkrete Teilprojekte verwenden.

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