Subversive Irritationen des Kartenkünstlers Till Könneker

Publiziert: 05.11.2018

Seine Foto-Stillleben und hintersinnigen Gedichte irritieren. Ihr subversiver Charakter provoziert, bringt zum Lachen und regt zum Nachdenken an. Ihr Schöpfer Till Könneker hat 2018 die Einladungskarten der internen burgerlichen Anlässe gestaltet. Aus diesem Anlass werden im kommenden Frühling im Burgerspital Könnekers Arbeiten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Burgergmeinde will fortan auch auf diese Weise jedes Jahr Berner Talente der bildenden Künste fördern.

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1 / 4 «Der Kater im Stiefel», rätselhafte Mitarbeitenden-Geburtstagskarte
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2 / 4 Einladungskarte für die Kulturpreisverleihung 2018
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Medaillon-Cover: ein von Hand gekneteter, zu Gold verwandelter
Klumpen Lehm mit dem alchemistischen
Titel «Kultur»
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4 / 4 Mit dem Selfiestick in der Hand: Einladung zum Burgerratsausflug 2018


TEXT: MARTIN GRASSL; BILD: TILL KÖNNEKER / FOTO: ROB LEWIS

«Apps with love», «Der «Hauptsitz», die «Too Late Show» oder der «Living Cube»: Hinter all diesen ausgefallenen, stadtbekannten Projektideen steckt der Berner Künstler Till Könneker. «Du bist, was du gelernt hast: Davon bin ich längst abgekommen. Du bist, was du gerne machst, das ist es, wonach ich lebe und arbeite», verriet der ausgebildete Grafiker einmal der Zeitung «Der Bund». Mit seiner Tätigkeit als Chief Creative Officer der schweizweit preisgekrönten Digitalagentur «Apps with love» hält sich Könneker finanziell den Rücken für seine kompromisslosen Kunstprojekte frei.

Till Könneker entwirft, wie er selber sagt, «Ideen und Konzepte, Grafik, Kunst und Kulturprojekte». Er kam 1980 in West-Berlin als Sohn der Autorin Marie-Luise Könneker und des Künstlers Gernot Bubenik auf die Welt. Er lebt und arbeitet jedoch seit seiner Kindheit in Bern. Der ausgebildete Grafiker ist, wie er von sich sagt, «ein leidenschaftlicher Sammler nutzloser und schöner Dinge, der mit verschiedenen Mitteln und Medien experimentiert.» Vom Bild zum Text und zurück geht er forschend und spielerisch vor, immer bereit dem Zufall die Tür zu öffnen. Dass man trotz der Bekanntheit seiner Arbeiten kaum etwas von ihm hört, liegt daran, dass Könnenker lieber im Hintergrund bleibt: Seine Leidenschaft gilt dem Machen an sich.

Als Till Könneker von der Wahl zum Kartenkünstler 2018 der Burgergemeinde erfuhr, war er zunächst ziemlich überrascht und dann sogleich inspiriert: Auch für diesen Auftrag wollte er neue Pfade begehen. «Sie wollen provozieren», beschied ihm Burgergemeindepräsident Bernhard Ludwig nach der Präsentation der Sujets für eine der ersten Karten im Rahmen seines Auftrags. «Nein», entgegnete Könneker, «ich will Sie nur herausfordern und eigene Gedanken sowie Emotionen wecken.» Überhaupt sei die Burgergemeinde viel fortschrittlicher, als sie selber glaube, so Könneker. Genau dies könne Kunst perfekt transportieren. Doch auch das Umfeld des umtriebigen Künstlers war anfangs durchaus skeptisch über dessen Neuauftrag. «Ich werde machen, was ich will», zerstreute Könneker jedoch alle Zweifel. Dass die Zusammenarbeit funktionieren würde, dessen war sich der Künstler ziemlich sicher, und er hatte dafür gleich ein triftiges Argument parat: So hatte seinem Projekt, der freakigen «Too Late Show», beispielsweise die Stadt Bern ihre Unterstützung versagt, nicht aber die Burgergemeinde. Auch andere seiner ausgefallenen Projekte fanden aufseiten der Burgergemeinde Zuspruch. Trotzdem sorgten einige der Kartenvorschläge Könnekers im Rahmen seines Auftrags für rote Köpfe, etwa «The untouchable gun», ein Revolver mit nadelübersätem Griff oder ein Salz- und Pfeffermühlenpaar, deren Muttern am Kopfstück je ein Kreuz sowie ein Halbmond zierten – Langeweile kam mit Könnekers Arbeiten keine auf.

Für die krönende Ausstellung im Frühling 2019 hat Könneker nun einiges vor. So werden neben einigen Installationen auch einzelne Ausgangsobjekte der Bilderkartenserie zu sehen sein. Aber das ist noch nicht alles. Könneker will das Burgerspital in Szene setzen. Im Zentrum steht hierbei eine «Trompe d’oeil»-Projekt mit dem Brunnen als Blickfang, auch die zahlreichen elektrischen Sonnenstoren der nahezu 100 Fenster im Innenhof werden ihren ungeahnten Auftritt haben und mit einer witzigen Choreographie glänzen. Wir sind gespannt! Spätestens jetzt haben wohl alle gemerkt, dass auch das Cover dieser Heftnummer aus dem Hause Könneker stammt: ein von Hand gekneteter, zu Gold verwandelter Klumpen Lehm mit dem alchemistischen Titel «Kultur».

Es geht 2019 übrigens nahtlos weiter: Die Karten werden in diesem Jahr von den ehemaligen Jugendpreisträgern «Hyperraum», einem hippen Illustratorentrio aus Biel, gestaltet.

Till Könneker

Till Könneker entwirft Ideen und Konzepte, Grafik, Kunst und Kulturprojekte. 
Till Ewert Könneker, geboren in West Berlin als Sohn der Autorin Marie-Luise Könneker und des Künstlers Gernot Bubenik lebt und arbeitet seit seiner Kindheit in Bern, Schweiz. Seine Schwester Kea Könneker lebt und arbeitet in Los Angeles. Die Arbeiten des ausgebildeten Grafikers lassen sich nicht so einfach einordnen. Der leidenschaftliche Sammler nutzloser und schöner Dinge experimentiert mit verschiedenen Mitteln und Medien. Vom Bild zum Text und zurück geht er forschend und spielerisch vor, immer bereit dem Zufall die Tür zu öffnen. Die Idee und das Bild im Kopf als Anfang und Grundlage der meisten Arbeiten und gleichzeitig das Suchen und Zulassen von Zufällen liegt Könnekers Arbeiten zu grunde.

www.tillkoenneker.work

Bärner Müschterli

Gigele und gugle mit bärnischi Anekdote, erzellt vom J. Harald Wäber.

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