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Schon ’ne Kulturtasse im Schrank?

Unkompliziert Kultur unterstützen: Ein Tassen-Abo kostet pro Tag weniger als eine Tasse Kaffee.

18.10.2021

Schon mal über eine Art «Netflix-Abo» für Kultur nachgedacht, bei dem die gesamten, monatlichen Abo-Beiträge verschiedenen
Kunstschaffenden gleichermassen zugutekommen? Und welches statt fertiger Werke, ohne viel Bürokratie, einzelne Arbeitsphasen
fördert? Seit Juni hat das «Amt für Ermöglichung» (AFE) genau so ein Projekt lanciert. Obwohl es goldrichtig in die Corona-Zeit passt, wurde die innovative Idee schon vorher geboren. Als zusätzlichen Gegenwert gibt es zum Abschluss eines Abos eine sogenannte Kulturtasse, die obendrein «Zauberkräfte» besitzt!

Bild Legende:

TEXT: MARTIN GRASSL; BILD: ROB LEWIS

«Bei Patreon oder Crowdfunding-Plattformen unterstützt man jeweils nur seine favorisierten Projekte», betont Sarah Sartorius vom ‹Amt für Ermöglichung›, das seit diesem Frühjahr in Bern aktiv ist. «Aus diesem Grund haben wir uns gewundert, warum es noch kein Kultur-Abo à la Netflix gibt, bei dem die Monatsbeiträge der Abonnentinnen und Abonnenten, ganz wie beim Streamingdienst auch, verschiedensten Projekten zugutekommen. Somit unterstützt man auch Kunst, die man persönlich vielleicht nicht mag, leistet aber einen Beitrag zur Diversität.» Mit dieser Idee war gleich auch die Kulturtasse geboren, die es beim Abschluss eines jeden Abos gibt. «Man kann nämlich aus vier Tassen auswählen, je nachdem, wieviel Geld man dem Pool monatlich zukommen lassen will», erläutert Sarah Sartorius, «die weisse Tasse gibt’s für 50 Rappen pro Tag, die schwarze kostet entsprechend einen, die silberne zwei und die goldene drei Franken pro Tag. Ein Tassen-Abo bei uns kostet pro Tag in jedem Fall also weniger als eine Tasse Kaffee in einer Bar oder einem Restaurant, notabene», rechnet sie vor. Die Mindestdauer eines Abos beträgt zwei Monate. Sandra Dalto vom AFE-Projektteam ergänzt: «Übrigens bieten insbesondere die silberne und goldene Tasse ihren Besitzerinnen und Besitzern Vorteile in Form von Tassenpower: Sie können nämlich in ausgewählten Bars oder Kultureinrichtungen von exklusiven Aktionen profitieren.» Ganz nach dem Motto: «Tasse dabei, biste dabei!» Weiter werden alle Abonnentinnen und Abonnenten per Newsletter kurz und bündig auf dem Laufenden gehalten, was alles unterstützt wird. Sarah Sartorius resümiert: «Zurzeit sind rund 50 Tassen im Umlauf, unser Ziel ist, 100 bis 200 Tassenabonnentinnen und -abonnenten in drei grossen Städten zu gewinnen.» Denn die allmonatlich hereinfliessenden Beträge aus den Tassen-Abos sollen dereinst 42 Kunstschaffenden während jeweils eines Monats zugutekommen, in Form von «Ministipendien» in der Höhe von jeweils bis zu 500 Franken. «Currently Working On» heisst das auf diese Weise alimentierte Projekt.

«Einfach ist das Künstlerleben» mit Lynne Kouassi

Auf vernachlässigte Arbeitsphasen aufmerksam machen
Kunst findet zumeist ausserhalb des Scheinwerferlichts statt: wenn Kunst- und Kulturschaffende nämlich recherchieren, Ideen wälzen und Projekte anreissen. Deshalb ist es wichtig, sie auch während der einzelnen Arbeitsphasen zu unterstützen. Hier bestehen Lücken, da die Förderstellen üblicherweise nur fertige Projekte unterstützen. «Currently Working On» springt hier in die Bresche und unterstützt einzelne Arbeitsphasen eines grösseren Projekts. Damit sich die Bewerbenden voll auf ihre Kunst konzentrieren können, ist die Gesuchserfassung möglichst niederschwellig angelegt: Lediglich eine Projektskizze samt Biografie und Foto sind für die Online-Eingabe erforderlich. «Die Gesuche werden nach Sparten gesammelt. Per Los wird jeweils entschieden, wer einen Zuschlag erhält», führt Sandra Dalto aus, «somit verhindern wir parteiische Entscheide.»

So kam etwa Nicolle Bussien im August ein «Mini- Stipendium» ihrem Installationsprojekt «Lights On» zugute, welches die Problematik von Bewerbungsfotos beleuchtet. Mit der Summe konnte sie das Lektorat des zugehörigen Skripts sowie die Tonaufzeichnung eines Sprechers bestreiten. «Ich habe noch nie auf unbürokratischerem Weg Geld bekommen: Nur 200 Zeichen waren nötig, um meine Idee zu skizzieren, normalerweise geht für Eingaben viel mehr Zeit drauf», ist die Künstlerin begeistert, «erst als ich das Geld auf dem Konto hatte, war mir klar, dass das AFE-Projekt wirklich so unbürokratisch ist. Und bei Kulturprojekten zählt am Ende jeder Hunderter.»

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Bislang konnten mit Beginn des Projekts ab Juli monatlich zwei und ab Oktober drei Projekte unterstützt werden, seit Mai sind rund 20 Bewerbungen eingegangen. Sarah Sartorius ist optimistisch, dereinst 42 Arbeitsphasen von Kunstschaffenden pro Monat unterstützen zu können: «Wir waren am Anfang ressourcenmässig sehr mit dem Aufbau unseres Gesamtprojekts ausgelastet. Finanziell sind wir hierfür nun auf private Spenderinnen und Spender oder Mäzeninnen sowie Mäzene angewiesen, damit das AFE weiterexistieren kann und wir uns auf unsere eigentliche Tätigkeit, der Steigerung der Abozahlen sowie der Eingaben, konzentrieren können.»

Website «Currently Working On»

www.currentlyworkingon.art

abgelegt unter: EKG, Kultur

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