Vom Herrensitz zum offenen Treffpunkt
TEXT: ANNELI REINHARD, BILDER: LENA RATTAGGI / NILAI SCHEIWILLER
Auf jedem Tisch steht eine kleine Flagge. Im Vorbeigehen hört man Rätoromanisch, Italienisch, Französisch, Spanisch oder Englisch. Überall gute Laune. Das monatliche «Sprachcafé» im Höchhus Steffisburg st nur eines von vielen Formaten – entstanden aus der Initiative einer sprachbegeisterten Besucherin, die ihre Idee auch sofort umsetzte.
Mitgestalten statt konsumieren
Wie das Sprachcafé entstanden ist, ist im Haus kein Zufall. «Für uns steht das gemeinsame Tun viel mehr im Mittelpunkt als die einzelnen Angebote», sagt Elias Rüegsegger. Er ist Geschäftsleiter des Vereins UND Generationentandem, der seit 2023 im historischen Gebäude zu Hause ist. Besonders wertvoll sei, dass Freiwillige und Besuchende die Aktivitäten selbst tragen. So entstand zum Beispiel auch die Ausstellung «UND-Perlen», in der Engagierte Anfang 2026 ihre Kunstwerke zeigten.
Früher war das Haus ein Ort von Macht, Herrschaft und Politik, aber auch von Ökonomie – zum Beispiel als Töpferei oder Bäckerei. Heute besuchen im Durchschnitt jeden Monat 2000 Personen das Begegnungszentrum von UND Generationentandem. Dieses ist als «dritter Ort» gedacht: nicht Zuhause, nicht Arbeitsplatz, sondern ein öffentlicher, niederschwelliger Ort der Gemeinschaft, wo der Konsum in den Hintergrund rückt. «Das Haus erfüllt eine wichtige demokratische Funktion: Es schafft Raum für soziale Teilhabe und für den Dialog über gesellschaftliche Fragen», erklärt Elias Rüegsegger. Dazu tragen Veranstaltungen, Diskussionsrunden, Workshops oder einfache Begegnungen im Alltag bei.
Unterstützen, ohne vorzugeben
Mit dem Begegnungszentrum stellt UND Generationentandem das Ausprobieren und Mitgestalten ins Zentrum. Heute engagieren sich rund 200 Menschen freiwillig im Verein, davon etwa 50 im Höchhus. Die Organisation bietet dabei in erster Linie Unterstützung: Sie begleitet und vernetzt Menschen, damit ihre Visionen sich zu konkreten Projekten entwickeln.
Hierzu arbeitet der Verein eng mit anderen Institutionen zusammen. So befindet sich zum Beispiel täglich eine Person aus der Stiftung für integriertes Leben und Arbeiten (SILEA) im Haus. Die Finanzierung für diesen professionellen Rahmen stammt von unterschiedlichen Förderstellen, zu denen auch die Burgergemeinde Bern gehört. «Das Höchhus ist für viele Menschen zu einem festen Bezugspunkt geworden», sagt Elias Rüegsegger. Die Unterstützung hilft, das Angebot nachhaltig zu stärken.
UND Generationentandem und das Höchhus Steffisburg
Der Verein UND Generationentandem verbindet Menschen aus verschiedenen Generationen und Lebenswelten. Er fördert Dialog, soziale Teilhabe und freiwilliges Engagement. Im Höchhus in Steffisburg betreibt er ein Begegnungszentrum. Dort finden verschiedene Veranstaltungen statt, von Diskussionsrunden und Talkformaten bis hin zu Ateliers zum gemeinsamen Stricken oder Schachspielen – und natürlich gibt es gastronomische Angebote.
Montag–Freitag: 9–22 Uhr
Samstag: 10–16 Uhr
Weitere Informationen: www.generationentandem.ch