Für die Farbtupfer im Alltag

Die Tage anderer Menschen bereichern – das motiviert Fabienne Soltermann immer wieder von Neuem. Sie kümmert sich im Burgerspittel um die Aktivitäten, die den Bewohnenden Freude bereiten. Über Begegnungen auf dem Gang, strahlende Gesichter und ein Fussballtor vor der Altersinstitution.

Mitarbeitendenportrait Arbeitswelt
Person mit Brille steht in einem hellen Gang vor großformatigen Gemälden.

Unterbrochen wird Fabienne Soltermann während ihrer Arbeit immer mal wieder. Genau das mag sie. «Bis ich von meinem Büro im Hochhaus bin, dauert es oft eine Viertelstunde.» Sie lacht, denn die Distanz wäre zu Fuss in zwei Minuten zu schaffen. Auf dem Weg begeg net sie in der Altersinstitution Burgerspittel Bewohnenden, grüsst, wechselt ein paar Worte oder setzt sich kurz zu den Menschen hin. Die Episode verdeutlicht den Kern von Fabienne Soltermanns Arbeit: für die Bewohnenden da sein und ihnen Abwechslung und Begegnungen ermöglichen. Sie leitet im Burgerspittel den Bereich «Leben und Kultur». Dieser kümmert sich um den Alltag der rund 190 Bewohnenden. «Aber wir machen weit mehr als Singen und Basteln», erwähnt sie pfeilschnell und schmun zelt dabei; sie weiss, welches Bild viele von ihrer Arbeit haben. 

Grösseres Angebot als an anderen Orten 
Aktivierung ist Standard in Altersinstitutionen, auch in Fabienne Soltermanns Team arbeiten Aktivierungsfachpersonen, die mit den älteren Menschen beispielsweise Gedächtnistrainings und Gymnastik machen oder spazieren gehen. Soltermanns Mitarbeitende machen aber mehr als nur das. «Wir sorgen für Begegnungen und soziale Kontakte.» Das Angebot ist immer freiwillig und nieder schwellig. Einmal habe man zum Beispiel die Boccia-Bahn am Standort Viererfeld reaktiviert. Plötzlich seien Bewohnende am Spielen gewe sen, die sonst eher zurückgezogen gelebt hätten. Fabienne Soltermann strahlt, wenn sie die Episode erzählt. Man könnte meinen, wirklich wichtig sei nur, dass die Menschen gut verköstigt und gut gepflegt werden. «Leben und Kultur» sei aber viel mehr als ein «nice to have» und alles andere als eine Deluxe-Lösung. Zeit zu haben, jeman dem Aufmerksamkeit zu schenken und Begeg nungen zu ermöglichen, das komplettiere das Angebot, ist Soltermann überzeugt. Dafür arbeiten im Burgerspittel nicht nur Aktivie rungsfachpersonen, sondern auch soziokultu relle Animatorinnen, Zivildienstleistende und Freiwillige in ihrem Team.

Das Pflegepersonal wird entlastet
Im Burgerspittel gibt es Jassrunden, Ausflüge, Lesegruppen, Damen- und Herrentreffs oder Anlässe, bei denen Musikerinnen, Schriftsteller oder Theaterschaffende auftreten. Und es gibt einen Besuchshund: Sirius geht regelmässig bei den Bewohnenden vorbei. «Wir kümmern uns um Seelennahrung und Erlebnisse für Körper und Geist», ergänzt Fabienne Soltermann und unterstreicht einen weiteren Aspekt: Durch das Angebot von «Leben und Kultur» können die Bewohnenden Kontakte pflegen, fühlen sich eingebunden und weniger einsam. Diese «Betreuung» durch ein anderes Team entlastet auch die Pflegenden in ihren Tätigkeiten. Ein Gewinn für alle Beteiligten.

Wandelnde Bedürfnisse und viele Ideen
Das Angebot von «Leben und Kultur» bleibe nie stehen, erklärt Fabienne Soltermann. Die Babyboomer werden andere Bedürfnisse haben als die älteren Menschen von heute. Sie freue sich auf das, was noch auf sie zukomme; ihr schwebt ein Schrebergarten, ein Kinoraum und ein Schwimmteich vor. «Oder einfach mal ein Fussballtor in den Garten stellen und schauen, was passiert!» Sorgen sie und ihr Team also für die Farbtupfer im Alltag? «Ja, das trifft es.» Die Freude bei den Bewohnenden, die schönen Rückmeldun gen nach Ausflügen oder der Buchtipp einer Bewohnerin, bevor sie selbst in die Ferien geht; all das mache ihre Arbeit aus. «Dafür stehe ich am Morgen gerne auf!» 

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