Für den leichteren Familienalltag
Stephan Strauss und Sina Egger sehen grosses Potenzial in der niederschwelligen Beratung des Eltern Walk-ins.
Eine Angebotslücke gut gefüllt. So lässt sich die junge Geschichte des Eltern Walk-ins wohl am besten umschreiben. Denn die Idee einer Anlaufstelle für Eltern mit Kindern ab 5 Jahren stiess in und um Bern rasch auf grosses Interesse. Neben dem ersten Standort im Berner Generationenhaus folgte bald einer im Tscharnergut, wenig später eröffnete in Ittigen im Auftrag der dortigen Gemeinde eine dritte «Filiale» des Eltern Walk-ins.
Die grosse Nachfrage erstaunt eigentlich nicht. Die seit Jahrzehnten etablierte Mütter- und Väterberatung des Kantons Bern berät oder begleitet Eltern, bis deren Kinder etwa fünfjährig sind. Für die «Fragen danach» gab es bisher aber kaum vergleichbare Angebote. Bis SORA, eine Institution der Burgergemeinde Bern, die Anlaufstelle für Familienfragen Ende 2023 ins Leben rief.
Wer beim Eltern Walk-in vorbeikommt, hat meist ein konkretes Anliegen: Erziehungsfragen, Streit am Familientisch, Diskussionen ums Taschengeld oder Kinder, die sich kaum bändigen lassen. Keine Situation ist zu banal, um beim Eltern Walk-in Rat zu holen. «Oberstes Ziel ist es, dass der Familienalltag leichter wird», fasst es Sina Egger, Teil des fünfköpfigen Teams, zusammen.
Auch Stephan Strauss arbeitet im Team des Eltern Walk-ins mit. Eines seiner wichtigsten Arbeitsinstrumente: die Ohren. «Oft ist es ganz einfach wichtig, dass jemand den Eltern zuhört.» Häufig sei das schon eine erste grosse Hilfe. Danach werde das weitere Vorgehen besprochen, mögliche Lösungen aufgezeigt oder schon nur das Wissen vermittelt, mit seinem Problem längst nicht alleine zu sein.
Das Eltern Walk-in von SORA
SORA ist eine Institution der Burgergemeinde Bern. Sie unterstützt, berät und betreut Kinder, Jugendliche, Familien und junge Erwachsene – ambulant, in Wohngemeinschaften oder mit Arbeitsintegrationsplätzen. Die Anlaufstelle Eltern Walk-in mit über 300 Beratungen pro Jahr ist eines von mehreren Angeboten von SORA.
Das Eltern Walk-in versteht sich als präventives Angebot: Personen sollen gestärkt werden, bevor eine Situation eskaliert. Dabei geht es primär um die Eltern und deren Verhalten, nicht um das Kind. Ein Gespräch dauert rund eine Stunde, eine Fachperson hört zu, ordnet ein und gibt praktischen Rat. Das Ganze bleibt niederschwellig: Niemand muss bei der kostenlosen Beratung seine Personalien angeben.
Für ratsuchende Eltern sei das Angebot häufig einfacher anzunehmen als die Unterstützung durch einen Sozialdienst, sind sich Sina Egger und Stephan Strauss einig. Und dennoch: Hilfe von aussen für ein sechs-, elf- oder siebzehnjähriges Kind anzunehmen, bleibe für viele Eltern ungewohnt, für einige gar ein Tabu. Sich mit einem Baby Unterstützung zu holen, sei in der Gesellschaft viel akzeptierter.
Diese Hilfe selbstverständlich zu machen, ist denn auch eines der grossen Ziele des Teams des Eltern Walk-ins. Die Basis dafür ist gelegt: Zwar bestehen in Basel und Köniz bereits seit Längerem ähnliche Angebote, doch in Bolligen sowie in Liechtenstein sind neue Projekte entstanden, die sich direkt am Eltern Walk-in in Bern orientieren. Zudem schweben Sina Egger und Stephan Strauss Elternabende zu ausgewählten Themen vor oder Beratungen für Firmen, wo die Vereinbarkeit von Beruf und Familie oft ein grosses Thema ist.
Es sei unbestritten, dass es eine grosse Herausforderung sei, ein Kind grosszuziehen, meint Stephan Strauss. «Eigentlich logisch, dass man dabei auch mal Unterstützung braucht, oder?»