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Wenn es Bäume «regnet»

13.11.2023

Studierende der Waldwissenschaften haben auf zwei Flächen der Burgergemeinde Bern eine neue Methode getestet, um den Wald schonend mit klimaresistenten Bäumen zu verjüngen. Eine wichtige Rolle spielt dabei ein Feuerwehrschlauch.

TEXT & BILD: MICHEL WYSS

An einem heissen Tag im September stehen Oliver Reinhard, Lea Püntener, Yvonne Motzer und Valentin Herzog auf einer Lichtung im Sädelbachwald. Was im Mai noch eine karge Fläche war, ist nun grün überwachsen mit Adlerfarn, Brom- und Himbeeren. Unter der Vegetation finden die Studierenden der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL in Zollikofen, wonach sie eigentlich suchen: zarte, aber kräftige Triebe von jungen Douglasien. Die Bäumchen stammen nicht wie üblich bei Neuanpflanzungen aus der Baumschule, sondern sind im Mai als Samen in einem Gemisch aus Wasser, Erde, Nährstoffen, Saathafer und natürlichem Klebstoff verspritzt worden. «Der Klebestoff sorgt dafür, dass Wind und Regen dem Samen nichts anhaben können», erklärt Oliver Reinhard.

Das sogenannte Nasssaat-Verfahren wird üblicherweise bei der Begrünung von Strassenböschungen eingesetzt. Die Saat wird von einem Tankfahrzeug aus mit einer Wasserspritze oder einem Feuerwehrschlauch verteilt. Dass das Verfahren auch im Wald zum Einsatz kommt, ist eine Premiere. «Das Verfahren imitiert die Natur. Wenn Bodenbeschaffenheit, Nährstoffe und Standort stimmen, keimt aus dem Samen ein an die Fläche optimal angepasster Baum», sagt Oliver Reinhard. Nachteile wie Wurzelschäden oder der «Pflanzschock» beim Verpflanzen aus der Baumschule fallen weg. Das Verfahren ist zudem weniger arbeitsintensiv als die Anpflanzung von Hand. Aber ob es im Wald auch klappen würde, war nicht sicher. «Wir waren schon etwas nervös», so Oliver Reinhard. Doch ihre Erwartungen seien übertroffen worden, die Saat sei gut aufgegangen.

Direktsaat im Wald der Burgergemeinde Bern

Wie sind die Studierenden auf die Idee gekommen? «Der Kanton Bern hat einen Wettbewerb für innovative Projekte zur Anpassung des Waldes an den Klimawandel ausgeschrieben. Uns hat das angespornt. Die Idee war rasch geboren, und mit dem Forstbetrieb der Burgergemeinde Bern haben wir einen unkomplizierten Partner für die Umsetzung gefunden», sagt Oliver Reinhard. Der Forstbetrieb hat den Studierenden zwei Flächen für das Pilotprojekt zur Verfügung gestellt: Eine im Sädelbachwald bei Bolligen sowie eine im Forst bei Neuenegg. «Auf den Flächen mussten wir wegen des schlechten Zustandes respektive wegen Schäden durch Borkenkäfer die Bäume zwangsmässig ernten», sagt Philipp Egloff, Co-Leiter des Forstbetriebs. Um den Wald der Burgergemeinde fit für den Klimawandel zu machen und den Anteil an Nadelholz zu halten, fiel die Wahl auf die klimaresistente Douglasie. «Im Gegensatz zur Fichte kann sie auf dieser Meereshöhe besser mit längerer Trockenheit umgehen», erklärt Philipp Egloff.

Das innovative Pilotprojekt der Studierenden mit einem möglichst naturnahen Ansatz hat ihn überzeugt und passt zur Philosophie des Forstbetriebs: «Bei unserer Arbeit im Wald orientieren wir uns an den natürlichen Prozessen. Idealerweise keimen neue Bäume aus Samen von Bäumen in der Nähe. Anpflanzungen aus Baumschulen sind teuer und mit Risiken verbunden», so Philipp Egloff.

In den rund vier Monaten nach dem Säen sind die Bäumchen nun zwischen drei und zehn Zentimeter gross. Die Studierenden werden das Pilotprojekt noch über rund fünf Jahre – bis die Bäume Brusthöhe erreichen – begleiten und anschliessend auswerten. Die ersten Resultate sind vielversprechend.

abgelegt unter: Natur, Forstbetrieb

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