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Der Mensch zu Gast auf der St. Petersinsel

06.11.2019

Sie wird Insel genannt, ist aber gar keine. Sie hat nur nährstoffarmen Boden zu bieten, gleichzeitig aber einen grossen Reichtum an seltenen Tier- und Pflanzenarten. Und ihr «Erbauer» gehört gleichzeitig auch zu den grossen Risiken. Willkommen auf der St. Petersinsel im Bielersee, einem ohne Übertreibung besonderem Bijou. Alles unklar? Doch der Reihe nach.

TEXT: PASCAL MATHIS / BILDER: MARTIN GRASSL & zVg

Rückblende: Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts war die St. Petersinsel – wie es sich für eine Insel gehört – rundum von Wasser umgeben. Erst die 1. Juragewässerkorrektion, welche die Pegel im bis dahin versumpften Drei-Seen-Gebiet senkte, brachte die heutige rund vier Kilometer lange Verbindung nach Erlach an die Oberfläche. Die St. Petersinsel ist also eigentlich eine Halbinsel – seit knapp 150 Jahren, und erst noch vom Menschen «geschaffen».

Ein Bijou für Pflanzen und Tiere
Was in den 1870er-Jahren zum Vorschein kam, war der heutige Heideweg – die Landverbindung zur ursprünglichen Insel mit Klosteranlage, Hotel und Restaurant. Auf der aufgetauchten Seekreide entwickelten sich unterschiedliche nährstoffarme Moortypen. Was für den Laien nach kargem Leben tönt, füllt die Natur aber mit Artenreichtum aus. «Nur spezialisierte Pflanzen können sich an einem solchen Ort behaupten. So entsteht Vielfalt», erklärt Manuel Schweizer, ein mit der St. Petersinsel bestens vertrauter Biologe und Kurator am Naturhistorischen Museum Bern. Die Vegetation bestehe aus Schilfflächen und Flachmoorgebieten sowie aus Wald-, Busch- und Wiesenflächen.

Das Gebiet gehört zu den wenigen Feuchtgebieten, welche die Schweiz noch zu bieten hat. Und diese Umgebung kommt auch der Tierwelt zu Gute. Ein Glücksfall für Vogelkundler Schweizer. Heideweg und die umliegenden Wasserflächen sind ein wichtiges Brut-, Rast- und Überwinterungsgebiet für verschiedenste Vogelarten – und in ihrer Grösse einmalig in der Schweiz. «Spezielle Arten mit speziellen Bedürfnissen finden auf der St. Petersinsel ihren speziellen Lebensraum», fasst es Manuel Schweizer prägnant zusammen. Dazu gehört beispielsweise die Bartmeise, eine auf ausgedehnte Schilfgebiete spezialisierte Vogelart.

Grosser Aufwand zum Schutz des Gebiets
Damit dieses Bijou möglichst bestehen bleibt, steht die St. Petersinsel seit mehreren Jahrzehnten unter Naturschutz. So gilt etwa ein Bauverbot und ein weitreichendes Fahrverbot. Für die Pflege des Naturschutzgebiets sind neben dem Kanton Bern die Bernische und die Schweizerische Gesellschaft für Vogelkunde und Vogelschutz (Ala) verantwortlich. So wird beispielsweise regelmässig gemäht, damit das Gebiet nicht verbuscht. Die Burgergemeinde Bern als Grundeigentümerin der ursprünglichen Insel unterhält derweil den Heideweg, von welchem man vielerorts ganz bewusst nicht «nach draussen» schauen kann. Und mit Bojen wird versucht zu verhindern, dass etwa Stand-up-Paddler zu nahe ans Ufer gelangen und so gefährdete Schilfvögel stören oder rastende Enten verscheuchen.

Die Menschen haben also dafür gesorgt, dass die St. Petersinsel so ist, wie wir sie heute kennen. Sie bedrängen dort gleichzeitig aber auch die Natur: Tiere und Pflanzen, die auf der Insel, die keine ist, ihre Insel gefunden haben.

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