Geschichte schwarz auf weiss – und in schwarz-weiss
TEXT: ANNELI REINHARD, BILDER: BURGERBIBLIOTHEK BERN
1528 – Die «Liberey» entsteht
1528 entsteht die spätere Burgerbibliothek – allerdings noch ohne ihren heutigen Namen. Als theologische «Liberey» dient sie der Ausbildung reformierter Pfarrer und steht zunächst nur Professoren und Studenten offen.
17. bis 19. Jahrhundert – Das Wissenszentrum
Ab dem 17. Jahrhundert entwickelt sich die Institution als «Burgerbibliothek» zu einem barocken Wissenszentrum: Bibliothek, Kunstkammer und Naturalienkabinett unter einem Dach. Diese Einheit löst sich im 19. Jahrhundert auf. Die Bücher und schriftlichen Dokumente verbleiben in der Bibliothek, während die Objekte an neu entstandene Institutionen wie das Bernische Historische Museum oder das Naturhistorische Museum gehen.
1951 – Die Geburt der Burgerbibliothek
1951 erhält die Burgerbibliothek ihre heutige Aufgabe und Rechtsform. Aus der bisherigen Stadt- und Hochschulbibliothek entstehen zwei Institutionen: die Burgerbibliothek, die den historischen Namen beibehält und die handschriftlichen, grafischen und fotografischen Sammlungen übernimmt, und die Stiftung Stadt- und Universitätsbibliothek, die weiterhin Bücher betreut. Damit beginnt die Entwicklung der Burgerbibliothek als eigenständiges Archiv.
1960 bis 2016 – Von der Handschrift zum Datenspeicher
1000 Jahre alte Handschriften, lichtempfindliche Dokumente, historische Fotografien und weitere Kostbarkeiten verlangen besondere Bedingungen. Um den wertvollen Bestand zu schützen, braucht das junge Archiv geeignete Räumlichkeiten. Beim ersten Umbau Ende der 1960er-Jahre entstehen fünf grosse unterirdische Magazinräume. Zwischen 2014 und 2016 erneuert die Burgerbibliothek die Räume nach modernen Standards. Heute liegt die grösste Herausforderung im digitalen Bereich: Die Nachfrage nach Digitalisaten steigt und Dokumente kommen immer häufiger direkt in Datenform ins Archiv. Damit stellt sich die zentrale Zukunftsfrage: Wie bleiben digitale Daten über Jahrhunderte hinweg lesbar und gesichert?
2026 – Wir machen Bern unvergesslich
Die Burgerbibliothek ist alles andere als eine verschlossene burgerliche Institution. Sie bewahrt zwar das Gemeindearchiv der Burgergemeinde und ihrer Gesellschaften und Zünfte, doch der grösste Teil ihrer Bestände stammt aus privater Hand: Familienarchive und Nachlässe von Personen, Firmen, Vereinen und Stiftungen. Ihre Sammlung mittelalterlicher Handschriften zählt zudem zu den bedeutendsten der Schweiz, und kaum eine Publikation zum historischen Bern kommt ohne Bildmaterial der Burgerbibliothek aus.
Mit ihrem Jubiläum macht die Burgerbibliothek 75 Jahre Archivgeschichte sichtbar, aus der Perspektive von Menschen, die in Bern leben und gelebt haben. Ein leises, aber bedeutendes Engagement für Bern, das gefeiert werden darf.
Ab dem Frühjahr 2026 feiert die Burgerbibliothek ihr 75-jähriges Bestehen mit vielfältigen Aktivitäten und Aktionen.