Ausstellung «A Mile in My Shoes» – Einladung zum Perspektivenwechsel
Ausstellung «A Mile in My Shoes» in Kooperation mit dem Empathy Museum
bis Mitte Mai 2023 in der Cafébar im Berner Generationenhaus
Die Ausstellung wird von einem vielfältigen Veranstaltungsprogramm begleitet.
TEXT und BILDER: TEAM BERNER GENERATIONENHAUS
«Erstmals mit dem Tod konfrontiert wurde ich mit sechs Jahren, als mein Grossvater starb. Er wurde zu Hause aufgebahrt, auf dem Stubentisch, das war für mich sehr faszinierend. Später wurde ich Leiter der Berner Friedhöfe. Mit meinem eigenen Tod habe ich mich stark auseinandergesetzt und alles geregelt, sogar den Wein für das Apéro habe ich schon ausgesucht. Mein Grabschmuck soll dereinst nicht aus Blumen bestehen, sondern mein Grab soll eine einfache Grünbepflanzung aufweisen und mittendrin muss jeweils im Frühling ein Cherrytomaten-Stock gepflanzt werden, damit die Leute, die mich besuchen kommen, so ab Juli Tomätchen essen können und mich in Erinnerung behalten.»
«Ich bin im Waadtland geboren. Als wir nach Bern umzogen und ich hier in den Kindergarten kam, brauchte ich lange, um mich zu sozialisieren, um Deutsch zu lernen. Berndeutsch, das war für mich eine unschöne, perkussive Sprache, die nach ‹chptchpt› klang, wirklich furchteinflössend. Später in der Schule hatte es noch andere unsichere Jungs und mit denen konnte ich mich neu definieren. Zuerst klauten wir in Läden, fuhren Skateboard, kifften und machten anderen Blödsinn. Nachher entdeckten wir Graffiti. Tagsüber war ich ein verpickelter Teenager, der in die Schule ging, und nachts konnte ich die Stadt verändern, und mein Einfluss auf die Stadt war grösser als der aller Regierungsrätinnen und -räte. Ich konnte nämlich nachts auf der Tramlinie 9 Graffitis sprayen und am nächsten Tag im Tram älteren Damen zuhören, die sich darüber unterhielten, dass es an der Wand des Kiosks im Monbijou ein neues Bild gegeben habe – ohne zu ahnen, dass der Autor des Bildes direkt hinter ihnen sass.»
«Ich bin kinderlos, gewollt kinderlos, ich will keine Kinder haben und mein Mann auch nicht. Wir haben uns ziemlich jung kennengelernt, ich war 20, er 22, beide noch in Ausbildung. Im Vergleich zu vielen Freund:innen heirateten wir früh. Und dann kam immer wieder diese Frage: ‹Ah, ihr habt geheiratet, dann kommen bald die Kinder?› Wir hatten aber nicht deshalb geheiratet und konnten uns dies auch nicht vorstellen. Wir liebten unsere Freiheit zu sehr, reisten zu gerne, schliefen zu gerne aus. Und ich sah, dass eine Schwangerschaft für eine Frau eine riesige körperliche Veränderung bedeutete, und das wollte ich nicht durchmachen. Mein Mann bekam Rückmeldungen wie ‹Cool, dass ihr das so regeln konntet› oder sogar ‹Du Glücklicher – meine Frau will unbedingt Kinder haben›. Ich bekam hingegen zu hören: ‹Der Kinderwunsch kommt dann schon noch›. Ich störte mich sehr daran, weil ich fand: Und wenn nicht? Es gibt auch noch andere Bestimmungen für Frauen als Kinder grosszuziehen.»