Dokumente zur Chirurgie des 17. Jahrhunderts erstmals online

Tatsächlich könnte die Zeichnung einer Vorstudie zu H.R. Gigers Alien-Filmen entsprungen sein. Sie ist jedoch rund 350 Jahre älter und stammt von Wilhelm Fabry, einem der bedeutendsten Wundärzte seiner Zeit. Neben der Entwicklung von chirurgischen Instrumenten interessierte sich Fabry speziell für Missbildungen. Über beides tauschte er sich mit Fachkollegen in ganz Mitteleuropa aus. Von seiner reichen Korrespondenz befinden sich drei Briefbände in der Burgerbibliothek, die nun erstmals online zugänglich sind.

Engagements & Projekte
Zeichnung einer Missbildung bei Tieren

Wilhelm Fabry (1560–1634) erlebt in seiner Geburtsstadt Hilden eine von vielen Schicksalsschlägen geprägte Jugend. Mit neun Jahren verliert er seinen Vater, mit fünfzehn erkrankt er an der Pest. Im Jahr darauf beginnt er eine Lehre als Wundarzt in Neuss, ab 1580 arbeitet er als Badergeselle in Düsseldorf beim Chirurgen Cosmas Slot. Als dieser 1585 stirbt, begibt sich der junge Wilhelm Fabry auf Wanderschaft, wo er in Genf beim Chirurgen Jean Griffon tätig ist. Dort lernt er Marie Colinet kennen, die zwei Jahre später seine Frau wird. 1589 kehrt er mit seiner Familie in seine Geburtsstadt zurück, wo er eine Praxis eröffnet.

1593 zieht er bereits weiter nach Köln, ab 1596 praktiziert er auch in Lausanne. 1602 erhält er eine feste Stelle als Stadtarzt in Payerne. Da er aber weiterhin ein rastloses Leben als gefragter Wundarzt führt und oft Wochen und Monate abwesend ist, ersucht er 1610 um seine Entlassung. In den folgenden Jahren schlägt das Schicksal wieder zu: 1612 verliert Wilhelm Fabry mehrere Töchter durch die Pest. 1615 erhält er eine Anstellung als Städtischer Chirurg in Bern, die er bis zu seinem Tod innehat. Weiterhin reist er öfters zu Konsultationen nach Deutschland, 1618 wird er zum Leibarzt des Markgrafen Georg Friedrich von Baden-Durlach ernannt.

Ab etwa 1624 gibt Wilhelm Fabry seine ausgedehnten Reisen krankheitshalber auf und widmet sich in Bern der Ausbildung von Schülern und der Publikation seines Wissens. Er stirbt am 14. Februar 1634 nach einem erfolgreichen Leben. Sein literarischer und wissenschaftlicher Nachlass wird der Berner Bibliothek vermacht.

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