Auf Meteoritenjagd im Oman

Seit über zwei Jahrzehnten beteiligt sich das Naturhistorische Museum Bern an Meteoritensuchen im Oman. Anfang 2026 war Malte Junge, der neue Leiter Erdwissenschaften des Museums, zum ersten Mal dabei. Ein Reisebericht.

Wald & Natur
Weite, goldene Sanddünen erstrecken sich unter einem klaren blauen Himmel. Die ruhige Landschaft betont die unberührte Weite und Struktur der Wüste.

TEXT: MALTE JUNGE; BILDER: NMBE/MALTE JUNGE/NELLY RODRIGUEZ

Die Meteoriten-Ausstellung im Naturhistorischen Museum Bern beeindruckte mich schon beim ersten Besuch – lange, bevor ich im Museum zu arbeiten begann. Besonders die Meteoriten aus dem Oman begeisterten mich: Oft fragte ich mich beim Blick in die Vitrinen, wie es wohl wäre, in der omanischen Wüste unterwegs zu sein – den Blick auf den Boden gerichtet, immer auf der Suche nach neuen Funden. Was fühlt man, wenn man einen Meteoriten entdeckt, der Jahrtausende im Sand lag? Oder einen, der erst vor Kurzem vom Himmel gefallen ist? Wie ist es, unter dem sternklaren Wüstenhimmel zu schlafen?

Im Januar 2026 erhielt ich die Gelegenheit, einen Teil dieser Fragen zu beantworten. Ich begleitete die Feldkampagne und lernte das Projekt, das mein Vorgänger Beda Hofmann aufgebaut hat, aus nächster Nähe kennen. Über 2500 Kilometer und zehn Tage hinweg erlebte ich eindrucksvolle Kontraste. Dabei wurde mir die riesige Arbeit noch stärker bewusst, die Beda Hofman und sein Team in den letzten 25 Jahren geleistet haben – und zwar in ihren unterschiedlichen Facetten, von der Zusammenarbeit mit dem Sultanat Oman zu den wissenschaftlichen Ergebnissen.

Oman entdecken, von Maskat bis Nizwa

Ausgangspunkt unserer Reise war Maskat, die rasant wachsende, moderne Hauptstadt mit imposanten Gebäuden. Während unseres Aufenthalts führte uns der Weg in das Ministerium, das im Oman sowohl für die Meteoritensammlung als auch für unser Projekt verantwortlich ist. Die Begegnungen dort gaben uns spannende Einblicke in die Kultur und die Arbeitsweise der Behörden. Ein besonderer Moment war für mich, im Sammlungsraum mit den dort gelagerten Meteoriten zu stehen. Dieser Anblick bestärkte mich noch einmal darin, wie wichtig naturwissenschaftliche Sammlungen sind. Denn dieses unbezahlbare Kulturgut ist ein Fundus für unzählige wissenschaftliche Fragestellungen.

Auf den Märkten von Nizwa – unser nächster Halt – mischen sich der Duft von Weihrauch und Gewürzen mit einer offenen, herzlichen Atmosphäre, die einen sofort willkommen heisst. Beim Besuch des im 2023 eröffneten Museums «Oman Across Ages» erfuhr ich die Geschichte des Landes durch Bilder, Videos und Objekte. Als Geowissenschaftler begeisterte mich besonders die grosse Eingangshalle mit eindrucksvollen Gesteinen – davon natürlich am meisten der Meteorit.

Geologie zum Anfassen

Weiter ging es ins Gebirge im Norden Omans. Dort liegt ein Ort, der unter Geologinnen und Geologen weltweit berühmt ist. Es handelt sich um ein Stück ozeanische Erdkruste, rund 95 Millionen Jahre alt, das hier wie ein aufgeschlagenes Geschichtsbuch vor uns liegt. Normalerweise befindet sich dieser Teil der Erdkruste tief unter dem Meeresboden verborgen und ist für uns unsichtbar. Doch im Oman drückten ihn tektonische Kräfte an die Oberfläche. Dadurch sieht man hier etwas, das sonst nahezu nirgendwo auf der Welt so gut zugänglich ist: die Grenze zwischen der Erdkruste und dem Erdmantel, die sogenannte Moho.

Da sich mein wissenschaftliches Interesse auf Rohstoffe und Erze richtet, war das Gebirge im Norden des Oman für mich ein echtes Highlight. Besonders dankbar bin ich dafür, dass ich einige ehemalige Minen besuchen durfte, in denen früher Chromit abgebaut wurde – ein chromreiches Mineral und bis heute ein wichtiger Rohstoff, unter anderem für die Stahlindustrie. Ich hatte die Gelegenheit, mehrere Gesteinsproben zu sammeln, sowohl für die Sammlung des Naturhistorischen Museums als auch für zukünftige wissenschaftliche Untersuchungen. Wie schwer solche Erze sind, wurde mir beim Abstieg wieder bewusst.

Weite, Stille und Steine

Nach der Zeit im Gebirge führte der Weg schliesslich in die Wüste. Dort blieb der Geologenhammer unbenutzt – dafür öffnete sich eine Landschaft von beeindruckender Klarheit und Weite. Diese scheinbare Leere, die zunächst fast monoton wirkt, entpuppt sich schnell als besonders reichhaltig. Genau hier bietet sich die seltene Möglichkeit, Meteoriten zu finden – auch wenn manche Kamelhinterlassenschaft auf den ersten Blick erstaunlich ähnlich aussehen kann. 

Besonders eindrücklich waren für mich die Nächte und Sonnenaufgänge in der Wüste. Wir schliefen auf einfachen Feldbetten, direkt unter dem überwältigenden Sternenhimmel. Die Stille, das Licht, die Temperaturwechsel – all das hinterlässt einen tiefgreifenden Eindruck.

In dieser Atmosphäre arbeiteten wir mehrere Tage lang an der Reparatur jener Spezialkameras, die nachts den Himmel nach sogenannten Feuerkugeln absuchen. Dies war nämlich einer der wichtigsten Gründe unserer Expedition. Dabei lernte ich unglaublich viel von den Experten aus dem Team und erfuhr, wie diese hochkomplexen Instrumente funktionieren.

Ein offener Wunsch

Diese zehn Tage haben mich nachhaltig geprägt. Die Reise hat mir die Bedeutung dieses Projekts deutlich vor Augen geführt: die Einzigartigkeit der Sammlung und die wissenschaftliche Präzision, die dahintersteht. Ich kann heute nachvollziehen, warum dieses Projekt in den vergangenen 25 Jahren so viele Menschen immer wieder in den Oman gezogen hat. Wenn ich heute durch unsere Ausstellung schlendere und die Vitrine zum Oman sehe, kehren die vielen Erinnerungen an die Reise zurück – und mit ihnen der leise Wunsch, eines Tages vielleicht selbst einen Meteoriten zu finden.

Die Meteoritensammlung im Naturhistorischen Museum

Seit über zwei Jahrzehnten beteiligt sich das Naturhistorische Museum Bern an Meteoritensuchen im Oman. Die Sammlung an Meteoriten, die in der Wüste Omans gefunden wurden, ist eine wissenschaftliche Rarität. Sie entstand aus einer langen, vertrauensvollen Zusammenarbeit mit dem Sultanat Oman, die Beda Hofmann, ehemaliger Leiter Erdwissenschaften und Vorgänger von Malte Junge, initiierte, wissenschaftlich etablierte und pflegte. Die Meteoritensammlung befindet sich im Oman – ein kleiner Teil der Meteoriten ist jedoch im Naturhistorischen Museum ausgestellt und frei zugänglich.

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