Das Wifag-Firmenarchiv in der Burgerbibliothek Bern zugänglich

Publiziert: 22.05.2014

Historisch interessierte Druckmaschinenfans haben ab sofort eine Anlaufstelle: Das Archiv der Druckmaschinenherstellerin Wifag, bis 2010 in Bern-Wyler ansässig, ist aufgearbeitet und in der Burgerbibliothek Bern zugänglich. Somit stehen rund 100 Jahre Technik- und Innovationsgeschichte der Druckindustrie und ein Teil der Berner Industriegeschichte zur Aufarbeitung bereit. Das Verzeichnis zum Firmenarchiv ist auch online verfügbar.

Die Burgerbibliothek Bern und die Ursula Wirz-Stiftung freuen sich, der interessierten Öffentlichkeit und der Forschung das Firmenarchiv einer bedeutenden Berner Arbeitgeberin und einer der weltweit führenden Druckmaschinenherstellerinnen des 20. Jahrhunderts zur Verfügung zu stellen.

Die Wifag war 1904 als Winkler, Fallert und Co. in Bern gegründet worden. Sie betrieb zunächst Handel mit Druckereigeräten und -maschinen, bevor Carl Winkler ab 1908 eigene Konstruktionen entwickelte. Nur zwei Jahre später erfolgten erste Patentanmeldungen. Aufsehen erregte Winkler 1915 mit ersten Giesswerken, 1917 mit eigenen Schnellpressen und 1919 mit der ersten speziellen Buchdruck-Zeitungsrotation. Der Erfolg war durchschlagend: Nur wenige Jahre später standen 460 Personen auf der Gehaltsliste und in den 1950er-Jahren musste die Produktionsanlage in Bern-Wyler erweitert werden. Die Wifag war vor allem im Bereich Zeitungsdruck lange führend und belieferte Verlagshäuser auf der ganzen Welt mit ihren Maschinen. Nach Jahrzehnten des Erfolgs zeichnete sich 2008, dass die Verlagerung auf digitale Zeitungen zu einem dauerhaften Markteinbruch für Zeitungsdruckanlagen führen würde. Deshalb entschied sich die Wifag 2009, aus ihrem traditionellen Geschäft auszusteigen. Der Rückzug war 2009 und 2010 mit einem dramatischen Personalabbau in Bern verbunden. Die verbleibenden Aktivitäten wurden zur Konzernschwester nach Fribourg verlegt.

28 Laufmeter Wifag-Geschichte

Das Firmenarchiv, das Eingang in die Burgerbibliothek Bern gefunden hat, besteht nach der archivischen Bearbeitung aus 17 Laufmetern Schriftgut und 11 Laufmetern Bildmaterial. Letzteres beinhaltet rund 70 Fotoalben, 36‘000 Negative und Abzüge, 2‘500 Diapositive und 200 Glasplatten.

Die so genannte Repro-Abteilung der Wifag hielt zu Dokumentations- und Werbezwecken fast jedes Zahnrad und jede Schraube, viele halb- und fertiggebaute Druckmaschinen, Falz- und Giessapparate wie auch ihre Mitarbeitenden in Büro- und Werkstatträumlichkeiten bildlich fest. Einzelteile und Gesamtansichten von Druckmaschinen können in ihrer Entwicklung ebenso studiert werden wie die Veränderungen im Betriebsalltag. Für das heutige Auge erscheint beispielsweise das computerlose Büro seltsam leer.

Die Innovationstätigkeit der Wifag kann nicht nur im Bild nachverfolgt werden, sondern auch über Textdokumente. So sind beispielsweise die Protokolle der technischen Kommission und des Projektausschusses erhalten. Über die Firmenstrategie geben die Protokolle des Verwaltungsrates Auskunft. Die Dossiers zu den wichtigsten Kunden geben einen Eindruck der weltweiten Verbreitung der Wifag-Druckmaschinen. Aus Daten- und Informationsschutzgründen sind (noch) nicht alle Dossiers frei zugänglich.

 

Wer sich in die Berner Geschichte der Druckmaschinen vertiefen will, ist im Lesesaal der Burgerbibliothek Bern (nach Anmeldung) herzlich willkommen. Wahre Fans werden (fast) nur den Geruch von Druckerschwärze vermissen.

Burgerbibliothek Bern: www.burgerbib.ch mit Öffnungszeiten Lesesaal und Reproangebot
Online-Archivkatalog der Burgerbibliothek Bern: http://katalog.burgerbib.ch

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