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«Wespennester entfernen lassen – aber die richtigen!»

Gemeine Wespe (Foto: Sophie Giriens)

Gemeine Wespe (Foto: Sophie Giriens)

15.08.2023

Kaum jemand kennt Wespen so gut wie Hannes Baur, Kurator für die Insektensammlung am Naturhistorischen Museum Bern. Er rät, Wespennester von einem Schädlingsbekämpfungs-Profi entfernen zu lassen – aber nur jene der beiden lästigen Arten. Denn oft werden Nester von anderen, harmlosen Wespen entfernt. Die Bekämpfung beginnt also mit der richtigen Bestimmung. Abenteuerliche Vergrämungsmethoden? Davon hält er wenig.

Wespen haben einen schlechten Ruf, dabei sind die Quälgeister eigentlich eine Minderheit in der sonst recht friedlichen Wespen-Familie.
Richtig, einzig die Gemeine Wespe und die Deutsche Wespe gehören zu den Arten, die wir als lästig wahrnehmen. Nur diese beiden Arten kommen an den Tisch und versuchen von unseren Nahrungsmitteln zu naschen. Von den gelbschwarzen Wespen, die sozial leben und Staaten bilden, gibt es ungefähr zwanzig Arten. Die eine Hälfte besteht aus harmlosen Feldwespen. Diese bilden nur kleinere Kolonien mit 40 bis 50 Individuen und können leicht beobachtet werden. Denn die tellerförmigen Waben sind offen, so dass den Feldwespen bei der Aufzucht der Larven zugeschaut werden kann. Die andere Hälfte macht grössere, geschlossene Nester, sodass die Waben von aussen nicht sichtbar sind. Entweder sind es kugelige Formen oder die Wespen kleiden Hohlräume aus. Zu diesen gehören die Kurzkopf- und Langkopfwespen und auch die Hornisse.

Wie erkenne ich, ob es sich um eine harmlose oder lästige Art handelt?
Um die Wespenart genau zu bestimmen, muss ich ein Belegexemplar in Ruhe unter die Lupe nehmen können. Einfacher ist es jedoch, die Wespen anhand ihrer Nester zu unterscheiden.

Und wie?
Die Gemeine und Deutsche Wespe bauen nie ein kugeliges, freihängendes Gebilde und auch nie eine flache Scheibe. Sie bauen ihre Nester stets in Hohlräumen, etwa in Mauselöchern, in einem Haus kann das eine grosse Kartonschachtel oder eine enge dunkle Ecke auf dem Dachboden sein. Diese Hohlräume werden mit den Waben ausgekleidet. In unserer Sammlung haben wir einen alten Kinderwagen, komplett ausgefüllt mit einem riesigen Wespennest! Solche Kolonien können gut und gerne 5’000 bis 10'000 Individuen umfassen.

Was soll man tun, wenn man ein Wespennest im Garten oder im Haus entdeckt?
Entfernen Sie nur die Nester der beiden lästigen Arten, also Nester in Hohlräumen. Kugelförmige oder scheibenförmige Nester kann man in der Regel stehen lassen, da diese nur von harmlosen Wespen gebaut werden. Die Bekämpfung beginnt mit der richtigen Bestimmung der Arten!

Und wie werden die Nester der Gemeinen und Deutschen Wespe entfernt?
Ich rate, das Nest von einer Schädlingsbekämpferin oder einem -bekämpfer entfernen zu lassen. In der Region Bern kann ebenfalls die Berufsfeuerwehr der Stadt kontaktiert werden. Wovor ich abrate: Das Nest selber versuchen zu entfernen. Die Gefahr, angegriffen zu werden, ist nicht zu unterschätzen.

Das erstaunt: Ein Wespenexperte rät dazu, Wespen zu töten...
Die beiden genannten Wespenarten sind überhaupt nicht gefährdet, das Entfernen einzelner Nester hat keinerlei Wirkung auf die Populationen. Wenn Privatleute aber selber mit Gift hantieren und zu viel davon verwenden, hat dies einen schädlicheren Einfluss auf die Umwelt, als wenn ein Nest professionell entfernt wird. Aber aufgepasst: Laut der SRF Sendung Espresso vom 4. Juli 2023 ist bei der Auswahl der Schädlingsbekämpfenden Vorsicht geboten – ansonsten wird es womöglich zu Unrecht teuer.

Gibt es keine Methoden, um die Wespen vom Tisch zu verscheuchen? Man solle Kaffeepulver verbrennen, heisst es ab und zu...
Es geistern viele Märchen herum, wie man Wespen verscheuchen kann. Natürlich kann man sich in dichten Rauch hüllen, das mag helfen, ist aber bestimmt nicht gemütlich. Sonst kenne ich keine praktikable Methode. Nur das Nest zu entfernen, ist eine nachhaltige Lösung.

Wespen haben ein schlechtes Image. Nerven die Tiere eigentlich nur oder haben sie auch gute Seiten?
In der Natur nehmen sie eine enorm wichtige Funktion ein. Sie vertilgen sehr viele Insekten, darunter auch Schädlinge – zum Beispiel die Kohlweisslingsraupe. Sie sorgen dafür, dass gewisse Insekten nicht Überhand nehmen, sind also eine Art Gesundheitspolizei. Zudem stellen sie selber Nahrung für Vögel dar.

Und was soll man tun, wenn man gestochen wird?
Ich rate dazu, eine Salbe gegen die Schmerzen aufzutragen, der Schmerz klingt normalerweise schnell ab. Bei Anzeichen einer allergischen Reaktion sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden. Allergien sind zum Glück sehr selten. Übrigens: Das Gift der Wespen ist vier Mal weniger stark als jenes der Honigbiene, unserem grossen Sympathieträger.

(Das Interview erschien erstmals 2019 und ist aktualisiert worden.)

Wespenexperte Hannes Baur

Bild Legende:
(Foto: Nelly Rodriguez, NMBE)

Hannes Baur ist Kurator der Entomolgie am Naturhistorischen Museum Bern. Er interessiert sich für Schlupfwespen, insbesondere für alpine Erzwespen, deren Artenvielfalt und Verbreitung weitgehend im Dunkeln liegen, selbst in der Schweiz, wo die Gebirge besonders gut erforscht sind.

abgelegt unter: Naturhistorisches Museum

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