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24,5 Millionen Jahre alte Vogelspuren in Schangnau

14.05.2018

Jäger Kurt Widmer machte vor sieben Jahren im tiefen Emmental die sensationelle Entdeckung 24,5 Millionen Jahre alter Vogelspuren. Doch wie kamen die Trittsiegel auf den Felsblock? Die kleine diesjährige Schau «Kellerjuwelen» des Naturhistorischen Museums widmete sich zu ihrem Auftakt diesem raren Fund.

TEXT: URSULA MENKVELD; BILDER: LISA SCHÄUBLIN

Dem Jäger Kurt Widmer sticht Ende 2011 auf einem Spaziergang in der Gemeinde Schangnau etwas Aussergewöhnliches ins Auge: Auf der Unterseite eines Sandsteinblocks in einem Bachbett entdeckt er Vogelspuren. Wie bei einem Stempel ragen die Trittsiegel reliefartig aus dem zwei Meter langen Felsblock hervor. Vorausahnend benachrichtigt Widmer sofort das Naturhistorische Museum Bern.

Die Paläontologen des Museums sind erstaunt, da Funde versteinerter Vogelspuren sehr selten sind. Die erste Erkenntnis beim Begehen des Fundorts: Die Vogeltrittsiegel sind auf der Schichtunterseite eines massiven Sandsteins erhalten. Der lose Block stammt von einer Felswand etwas weiter oben im Bachgraben. Weil das Alter dieser Gesteinsschicht, der sogenannten Honegg-Mergel-Formation, bekannt ist, können die Forscher auch die Trittsiegel datieren. Gestein und Spuren sind etwa 24,5 Millionen Jahre alt. Zu jener Zeit brachten Flussläufe aus grossen Schuttfächern in den Alpen riesige Mengen Geröll ins heutige Mittelland. Daraus entstanden Sand- und Tonsteine, die sogenannte Untere Süsswassermolasse.

Da der Gesteinsblock wegen seines grossen Gewichtes nicht geborgen werden kann – er ist zu schwer für einen Transport mit dem Helikopter – bleibt er im Bachbett liegen. Sein Standort ist geheim.

Die wissenschaftliche Bearbeitung des Fundes läuft: Mitarbeiter des Naturhistorischen Museums Bern haben für die Untersuchung der Spuren, zur Dokumentation und für eine allfällige Ausstellung des speziellen Funds eine Kopie der Gesteinsoberfläche mit den Spuren erstellt. Dazu trugen sie mehrere Silikonschichten auf die Gesteinsoberfläche auf und bauten zur Stabilisierung mit Glasfaserbinden und speziellem Harz eine feste Schale. Zum Erstellen der Kopie gossen sie später die Form mit Keramikmasse aus. Im Bach dokumentierten sie die Sandsteinfläche eingehend mit Fotos, nummerierten die Trittsiegel und übertrugen sie auf eine Folie. Ein Experte für Dinosaurier-Spuren sowie zwei Spezialisten für Wirbeltier-Trittsiegel versuchen nun mehr über die Spuren und deren Verursacher herauszufinden.

Das Aussergewöhnliche dieses Fundes ist, dass gleich zwei ganz unterschiedliche Vögel ihre Spuren im Schlamm hinterlassen haben. Zur besseren Verifizierung der dreidimensionalen Formen und zum Vermessen der Trittsiegel kamen bildgebende Methoden wie die Photogrammetrie zur Verwendung.

Wir wissen nicht, wie die Vögel vor 25 Millionen Jahren ausgesehen haben, da es zu wenig Funde entsprechender Fossilien gibt. Bei Versuchen mit heutigen Vögeln im Vogelpark Marlow nahe der Ostsee haben Forscher aber wichtige Erkenntnisse gewonnen. Diverse Vögel wurden über unterschiedliche Unterlagen getrieben. Die versteinerten Trittsiegel können nun mit Spuren heutiger Arten verglichen werden: Die grossen Trittsiegel aus Schangnau sind in mindestens zwei Fährten angeordnet. Gemäss den Versuchen stammen sie von einem Vogel, der einem Graureiher geähnelt haben muss. Die kleineren Spuren stammen dagegen von einem kleinen Watvogel ähnlich dem Flussuferläufer. Von ihm sind nur einzelne Trittsiegel vorhanden, Fährten sind keine auszumachen.

Vor 24,5 Millionen Jahren hinterliessen demnach ein Graureiher und ein Flussuferläufer auf Nahrungssuche an einem Flussufer ihre Trittsiegel im Schlamm, der dann eintrocknete. Eine Schicht Sand legte sich darüber und füllte die Trittsiegel aus. Im Laufe der Zeit wurden Schlamm und Sand zu Gestein.

Kellerjuwelen – Eines von 6,5 Millionen Objekten aus unserer Sammlung

Das Naturhistorische Museum zeigt in seiner kleinen Sonderschau allmonatlich eine Perle aus seiner Sammlung. Die versteinerten Vogelfährten haben den Anfang gemacht. Im Mai zeigt das Haus ein Albino-Reh und im Juni einen Prachtkäfer (bis Ende Dezember 2018 im Naturhistorischen Museum, Bernastrasse 15, 3005 Bern).

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