Der Wespenexperte rät: «Wespennester entfernen lassen – aber die richtigen!»

Publiziert: 07.06.2019
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Kaum jemand hierzulande kennt Wespen so gut wie Hannes Baur, Kurator für die Insektensammlung am Naturhistorischen Museum Bern. Er rät, Wespennester von einem Schädlingsbekämpfer entfernen zu lassen – aber nur jene der beiden lästigen Arten. Oft werden nämlich Nester von anderen, harmlosen Wespen entfernt. Von abenteuerlichen Vergrämungsmethoden hält er wenig.

TEXT: NATURHISTORISCHES MUSEUM BERN / BILD: LISA SCHÄUBLIN

Die warmen Tage sind da und ich sehe die ersten Wespen um meinen Balkon schwirren. Was muss ich tun, damit ich im Sommer nicht ein Wespennest vor dem Kopf habe?
In den ersten warmen Tagen im April und Mai macht sich die begattete Wespenkönigin ganz alleine auf, einen Staat zu gründen. Dafür muss sie einen passenden Platz für das Wespennest finden. Sobald die ersten Waben im Nest gebaut sind, beginnt die Königin mit dem Eier legen und zieht die erste Brut von Arbeiterinnen auf. Zu diesem frühen Zeitpunkt kann eine Nestgründung an einem ungünstigen Ort noch leicht verhindert werden, indem etwa das Einschlupfloch zu einem Hohlraum (Storenkasten, Diele) verstopft wird.

Wespen haben einen schlechten Ruf, dabei sind die Quälgeister eigentlich eine Minderheit in der sonst eigentlich recht friedlichen Wespen-Familie.
Richtig, einzig die Gemeine und die Deutsche Wespe gehören zu den Arten, die wir wahrnehmen. Nur diese beiden Arten kommen an den Frühstückstisch und verhalten sich auch mal provozierender. Gelbschwarze Wespen, die auch stechen können, gibt es ungefähr zwanzig Arten. Die Hälfte der gelbschwarz gefärbten Wespen sind harmlose Feldwespen, sie bilden nur kleinere Kolonien mit 40 bis 50 Individuen – diese können auch leicht beobachtet werden. Denn die tellerförmigen Waben sind offen, so dass den Wespen bei der Aufzucht der Larven zugeschaut werden kann.

Wie erkenne ich, ob es sich um eine harmlose oder lästige Art handelt?
Nicht einmal ich erkenne das auf den ersten Blick. Um eine Wespe zu bestimmen, muss ich ein Belegexemplar in Ruhe unter die Lupe nehmen können. Neben den Verhalten kann man die Wespen jedoch am besten anhand ihrer Nester unterscheiden.

Und wie?
Die Gemeine und Deutsche Wespe bauen nie ein kugeliges, freihängendes Gebilde und auch keine flache Scheibe. Sie bauen ihre Nester stets in Hohlräume, etwa in Mäuselöcher; im Haus kann das eine grosse Kartonschachtel oder eine enge dunkle Ecke auf dem Dachboden sein. In unserer Sammlung haben wir einen alten Kinderwagen, komplett ausgefüllt mit einem riesigen Wespennest! Solche Kolonien können gut und gerne 5000 bis 10 000 Individuen umfassen.

Was soll man tun, wenn man ein Wespennest im Garten entdeckt?
Das Nest von einem Schädlingsbekämpfer entfernen lassen. Wovor ich abrate: Das Nest selber entfernen zu versuchen. Die Gefahr, angegriffen zu werden, ist nicht zu unterschätzen.

Das erstaunt mich: Ein Wespenexperte rät dazu, Wespen zu töten...
Die beiden genannten Wespenarten sind überhaupt nicht gefährdet, das Entfernen einzelner Nester hat keinerlei Wirkung auf die Populationen. Wenn Privatleute aber selber mit Gift hantieren und zuviel davon verwenden, hat das eher einen schädlicheren Einfluss auf die Umwelt, als wenn ein Schädlingsbekämpfer gezielt ein Nest entfernt. Ich habe aber eine wichtige Botschaft...

Und die lautet?
Entfernen Sie nur die Nester der beiden lästigen Arten. Kugelförmige Nester kann man stehen lassen, da diese nur von harmlosen Wespen gebaut werden – ausser sie hängen an exponierter Stelle, etwa an einem Fensterladen. 

Gibt es keine Methoden, um die Wespen vom Tisch zu verscheuchen. Ein Freund erzählte mir, man solle Kaffeepulver verbrennen...
Es geistern viele Märchen herum, wie man Wespen verscheuchen kann. Natürlich kann man sich in dichten Rauch hüllen, das mag helfen, ist aber bestimmt nicht gemütlich. Sonst kenne ich keine praktikable Methode. Nur das Nest zu entfernen, ist eine nachhaltige Lösung.

Wespen haben ein schlechtes Image. Nerven die Tiere eigentlich nur oder haben sie auch gute Seiten?
In der Natur nehmen sie eine enorm wichtige Funktion ein. Sie vertilgen sehr viele Insekten, darunter auch Schädlinge – zum Beispiel die Kohlweisslingsraupe. Sie sorgen dafür, dass gewisse Insekten nicht Überhand nehmen, sind also eine Art Gesundheitspolizei. Zudem stellen sie selber Nahrung für Vögel dar.

Und was soll man tun, wenn man gestochen wird?
Ich rate dazu, eine Salbe gegen die Schmerzen aufzutragen, der Schmerz klingt normalerweise schnell ab. Bei Anzeichen einer allergischen Reaktion sollte ein Arzt aufgesucht werden. Allergien sind zum Glück sehr selten. Übrigens: Das Gift der Wespen ist vier Mal weniger stark als jenes der Honigbiene, unserem grossen Sympathieträger.

Bärner Müschterli

Gigele und gugle mit bärnischi Anekdote, erzellt vom J. Harald Wäber.

Bärner Müschterli

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