Neue Wege in der Familien- und Jugendhilfe

Publiziert: 20.09.2017
Nichts ist so beständig wie der Wandel_2.jpg

Der Verband regionaler Sozialdienst Münchenbuchsee sowie die Gemeinden Ittigen und Muri b. Bern beschreiten gemeinsam mit dem Burgerlichen Jugendwohnheim neue Wege in der Unterstützung von Familien mit ergänzenden Hilfen zur Erziehung: Neu werden Familien und Jugendliche in ihrer gewohnten Umgebung unterstützt und nicht mehr stationär oder teilstationär in einem Wohnheim. Der neue Ansatz wird im Rahmen eines Pilotprojekts getestet, gestern wurde eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet.

Gemeinsame Medienmitteilung im Namen des Verbands regionaler Sozialdienst Münchenbuchsee sowie den Gemeinden Ittigen und Muri b. Bern und des Burgerlichen Jugendwohnheims

Kinder und Jugendliche sollen künftig von modulartigen, auf den Einzelfall zugeschnittenen Dienstleistungen profitieren. Die Kräfte der verschiedenen Akteure in der Sozialarbeit sollen gebündelt und die jeweiligen Dienstleistungen flexibel und durchlässig angeboten werden. Familien sollen durch die Förderung der innerfamiliären Beziehungen gestärkt werden, sodass das Wohl ihrer Kinder erhalten, gesichert oder wiedererlangt werden kann. Die Verantwortung für diese Dienstleistungen übernehmen neu sogenannte Sozialraumteams, zusammen mit Fachkräften der Sozialdienste der jeweiligen Gemeinden und des Burgerlichen Jugendwohnheims (siehe Kasten).

Bislang wurde der Fokus auf die teil- und vollstationäre Begleitung und Unterstützung von Familien und Jugendlichen gerichtet, diese erfolgte beispielsweise im Burgerlichen Jugendwohnheim. Aufgrund des standardisierten Dienstleistungsangebots konnte zu wenig auf den einzelnen Menschen und dessen spezifische Probleme eingegangen werden. Überdies sind immer mehr Kinder, Jugendliche und Familien auf die Hilfe verschiedener Leistungserbringer angewiesen. Die einzelnen Hilfemassnahmen sollen besser aufeinander abgestimmt werden können.

Seit dem 1. Juli 2017 wird der Nutzen dieses neuen Ansatzes im Rahmen eines Pilotprojekts überprüft. Dieses wird von der Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern unterstützt und von der Berner Fachhochschule, Fachbereich Soziale Arbeit, wissenschaftlich evaluiert. Am Pilotprojekt beteiligt sind der Verband regionaler Sozialdienst Münchenbuchsee sowie die Gemeinden Ittigen und Muri b. Bern, welche sich bessere Dienstleistungen für betroffenen Familien in ihren Gemeinden versprechen. Am 19. September 2017 haben die beteiligten Gemeinden sowie das Burgerliche Jugendwohnheim eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet.

Das Burgerliche Jugendwohnheim richtet sich neu aus

Das soziale Engagement gehört zu den Grundwerten der Burgergemeinde Bern. Der Auf-bau und Erhalt guter Lebensbedingungen für Kinder, Jugendliche und Familien liegt ihr am Herzen. Nun richtet das Burgerliche Jugendwohnheim seine Dienstleistungen im Rahmen des Pilotprojekts neu aus. Diese massgeschneiderten Angebote können beispielsweise eine ambulante Unterstützung der Eltern in Erziehungsfragen umfassen, verbunden mit stützen-den Interventionen in der Schule, dem Einbezug von Nachbarn und der Kinder- und Ju-gendarbeit, bis hin zur tage- oder wochenweisen Aufnahme von Kindern und Jugendlichen, wenn nötig zusammen mit den Eltern.

Bis Ende 2018 wird das Burgerliche Jugendwohnheim seinen Standort am Melchenbühlweg 8 in Bern verlassen und seine Dienstleistungen direkt in den jeweiligen Sozialräumen der betroffenen Menschen erbringen. Die Liegenschaft am Melchenbühlweg 8 wird künftig vermietet und soll ähnlich genutzt werden wie heute. Aktuell sind keine Umbauten geplant.

Für weitere Informationen zum Pilotprojekt: Alexander Kobel, Projektleiter und Stv. Leiter Abteilung Soziales, Gemeinde Ittigen, alexander.kobel@ittigen.ch, 031 925 22 32

Für weitere Informationen zur Neuausrichtung des Burgerlichen Jugendwohnheims: Bernhard Kuonen, Gesamtleiter Burgerliches Jugendwohnheim Schosshalde, bernhard.kuonen@bgbern.ch, 031 939 15 15

Sozialraumorientierung

Sozialraumorientierung bedeutet intensive Koordination und Kooperation der in einem Sozialraum für die Versorgung von Kindern und Jugendlichen verantwortlichen Organisationen (z.B. Schulsozialarbeit, Kinder- und Jugendarbeit, Anbieter von stationären und ambulanten ergänzenden Hilfen zur Erziehung, Sozialdienste als Zuweiser). Die nötigen Unterstützungen werden als «Gemeinschaftswerk» gestaltet und massgeschneidert, d.h. sie werden situationsbezogen dem Bedarf der Familien angepasst (und nicht umgekehrt).

Familien sollen nicht erst zu einem «Fall» werden müssen, bevor sie die benötigte Unterstützung erhalten. Dafür sollen die Bedürfnisse betroffener Familien frühzeitig erkannt und durch allgemeine und einfach zugängliche Angebote abgedeckt werden.

Sozialraumorientierung bedeutet auch, dass die beteiligten Fachkräfte die gemeinsame Haltung haben, die Verantwortung der Eltern zu stärken und zu aktivieren, mit den Energien und Stärken der Familien zu arbeiten und nicht als Expertinnen und Experten auftreten, die es besser wissen.

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