Der Kulturpreis 2011 der Burgergemeinde Bern geht an den Verein Lichtspiel Bern

Publiziert: 21.12.2010

Der Kulturpreis 2011 der Burgergemeinde Bern – mit 100'000 Franken einer der grössten Kulturpreise der Schweiz und zum 23. Mal ausgerichtet – geht an den Verein Lichtspiel Bern. Dies, wie es in der Laudatio heisst, „in Anerkennung des leidenschaftlichen Engagements, mit welchem es einem kleinen Kreis von Kino-Enthusiasten gelungen ist,
ein lebendiges und spannendes kleines Museum, eine Kinemathek, zu schaffen“.

Die ursprüngliche Sammlung des Berner Kinotechnikers Walter A. Ritschard umfasste etwa 100 Projektoren, 500 Kurzfilme und unzählige Ersatzteile. Sie befand sich nach seinem Tod in einem chaotischen Zustand. In dieser Situation suchte David Landolf mit den Erben und der Stadt als Vermieterin der Liegenschaft Bahnstrasse 21 eine Lösung. Zusammen mit einigen engagierten Kinoliebhabern gründete er den Verein Lichtspiel, welcher die weitgehenden Nutzungsrechte an der Sammlung Ritschard und den bestehenden Mietvertrag übernahm.

Erstmals der Öffentlichkeit präsentiert

Die sieben Vorstands- und Gründungsmitglieder des Vereins Lichtspiel ordneten das Material, richteten ein offenes Kino ein und präsentierten Ende August 2000 die entstaubten Schätze erstmals der Öffentlichkeit. Die Sammlung Ritschard wurde so zur Plattform für die neuen Aktivitäten des Vereins. Seither wurde das Archiv durch Nachlässe, Schenkungen, Übernahmen von Sammlungen, Leihgaben und vereinzelte Ankäufe stetig erweitert. Alles, was mit Film und Kino zusammenhängt, unabhängig von Format oder Genre, wird aufgearbeitet, dokumentiert, fachgerecht gelagert und wenn immer möglich präsentiert.

Eine Kinemathek

Der Verein kümmert sich nicht nur um den Nachlass von Walter A. Ritschard, sondern baut eine eigentliche Kinemathek auf: Filme und anderes kinematografisches Material werden vor dem Zerfall, der Vernichtung und dem Vergessen gerettet, aufgearbeitet, fachgerecht konserviert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Inzwischen sind im Lichtspiel Hunderte von Geräten, die für die Filmproduktion verwendet worden sind, aufgestellt - von der Amateurkamera bis zum imposanten Kinoprojektor und vom Schneidetisch bis zur Kopier- und Entwicklungsmaschine. Sie dokumentieren so Entwicklung und Vielseitigkeit des wohl wichtigsten Mediums des 20. Jahrhunderts. Aber nicht nur die Technik wird gepflegt, sondern auch die „Inhalte“. Inzwischen lagern rund 14'000 Filmrollen (10'000 Filmtitel) in dem 2006 eigens eingerichteten Kühlraum: Wochenschauen, Werbungen, Dokumentar- und Musikfilme, darunter seltene Filmkopien, etliche Unikate und viele Amateurfilme.

Entdeckungsreise auf der Leinwand

Herzstück der riesigen Sammlung ist das 50-plätzige Kino: Hier begeben sich die Gäste auch auf der Leinwand auf Entdeckungsreise. Regelmässig werden Überraschungsprogramme aus dem eigenen Filmarchiv und thematische Retrospektiven mit Filmen aus anderen Archiven gezeigt, und die Gäste können mit „Wunschfilmen“ das Kinoprogramm ergänzen.

Das Lichtspiel ist regional, national und international gut vernetzt und positioniert. In Bern besteht eine Zusammenarbeit mit Staats- und Stadtarchiv, und gemeinsam mit Museen und Institutionen werden immer wieder Rahmenprogramme zu Ausstellungen oder anderen Anlässen durchgeführt. Auf nationaler Ebene findet ein Austausch mit dem Schweizer Filmarchiv in Lausanne und anderen audiovisuellen Archiven statt. Das Lichtspiel wurde 2006 als einzige Schweizer Institution neben dem Schweizer Filmarchiv von der FIAF (Fédération Internationale des Archives du Film) und der ACE (Association des Cinémathèques Européennes) aufgenommen. Dieses internationale Netzwerk ermöglicht einen vertieften Fachaustausch und erleichtert den Zugang zu seltenen Filmkopien.

Die Preisübergabe findet Mitte 2011 statt.

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