Wie der Einbaum in die Pfahlbauer-Ausstellung kam

Publiziert: 04.07.2014
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Der Einbaum nach seiner Überführung ins Bernische Historische Museum.

Das Bernische Historische Museum zeigt in der Wechselausstellung
«Die Pfahlbauer – Am Wasser und über die Alpen» erstmals Gletscherfunde vom Schnidejoch und macht diese zum UNESCO-Weltkulturerbe zählenden Seeufersiedlungen zum Hauptthema. Diese Gelegenheit nutzt das Museum, um unter anderem auch eigene Depotbestände der Pfahlbauerperiode öffentlich zu zeigen, darunter einen besonderen Einbaum aus dem Seeland.

Text: Sabine Bolliger Schreyer, Bild: Christine Moor

Hauptattraktion der Ausstellung «Die Pfahlbauer – Am Wasser und über die Alpen», die im April 2014 eröffnet worden ist, bildet die Ausrüstung des Schweizer «Ötzi», eines jungsteinzeitlichen Jägers vom Schnidejoch im Berner Wildhornmassiv. Ergänzt wird die Ausstellung durch hochkarätige Leihgaben aus der gleichen Zeitperiode von anderen Fundorten in der Schweiz. Das Bernische Historische Museum nutzt die Ausstellung, um auch eigene Schätze der archäologischen Sammlung zu zeigen, welche aus Platzgründen in der Dauerausstellung «Steinzeit, Kelten, Römer» nicht zu sehen sind, verfügt es doch über eine reiche Sammlung schöner und gut erhaltener Gegenstände aus dieser Zeit.

Darunter befindet sich auch ein über sieben Meter langer Einbaum, welcher 1942 bei Gals auf dem Boden der ehemaligen Benediktinerabtei und des heutigen Massnahmezentrums St. Johannsen gefunden wurde. Dort, wo vor der Juragewässerkorrektion ein Seitenarm der alten Zihl verlief, stiess man bei Pflügearbeiten auf einen vermeintlichen Baumstamm, der sich jedoch als kieloben liegendes Holzboot herausstellte. Infolge der unsachgemässen Hebeaktion zerbrach dieses aber in drei Teile. Der damals zuständige Anstaltsdirektor rief sofort den befreundeten Pfahlbauforscher Theophil Ischer zum Fundort; dieser kam allerdings zu spät, veranlasste jedoch den Transport des Einbaums nach Bern ins Historische Museum. Laut Archivunterlagen erfolgte dort die «Ergänzung und Wiederherstellung des Bootes mit Geschick unserer Schreiner.» Mithilfe der Dendrochronologie, der Datierungsmethode für historische und prähistorische Hölzer, konnte das Boot der Bronzezeit zugeordnet werden. Die Eiche dafür wurde um 1150 v. Chr. gefällt und ausgehöhlt.

Schweizweit sind bislang über 100 Einbäume aus der Stein-und Bronzezeit bekannt. Für den Bau wurden damals hauptsächlich Eichenstämme bevorzugt, wobei einzelne Exemplare aber auch aus Pappeln oder Föhren gefertigt wurden. Zur Fortbewegung auf dem Wasser dienten Stachel oder Paddel. Beim Galser Exemplar stellt jedoch eine rechteckige Aussparung am einen Bootsende eine Besonderheit dar. Es bleibt noch zu klären, ob das Gefährt dort vertäut wurde, oder ob besagte Öffnung ein sogenanntes Wriggloch darstellt. Das Wriggen beschreibt eine besondere Fortbewegungstechnik durch Hin- und Herbewegen eines Riemens vom Heck aus. Der Einbaum war bis 1991 im Bernischen Historischen Museum ausgestellt und wurde darauf aus Platzgründen im Depot des Naturhistorischen Museums der Burgergemeinde Bern eingelagert.

Auch wenn die Wegstrecke zwischen beiden Museen nur kurz ist, war der unlängst aus Anlass der Ausstellung erfolgte Rücktransport ins Bernische Historische Museum kein leichtes Unterfangen. Denn das 3000-jährige Boot hat trotz seines fragilen Äusseren ein hohes Gewicht. Zudem war es selbst für den neuen Warenlift im Kubus des Historischen Museums zu lang. Diesem Problem konnte aber mithilfe eines Liftmonteurs beigekommen werden: Der Einbaum wurde durch den geöffneten Liftschacht gehievt, dies übrigens unter Einhaltung aller SUVA-Sicherheitsnormen.

Die Ausstellung
«Die Pfahlbauer – Am Wasser und über die Alpen» findet statt vom 3. März – 26. Oktober 2014. Eine Kooperation mit dem Archäologischen Dienst des Kantons Bern.

Bernisches Historisches Museum, Helvetiaplatz 5, 3005 Bern, Telefon 031 350 77 11, info@bhm.ch, www.bhm.ch, Öffnungszeiten: Di – So 10 –17 Uhr.

 

 

Bärner Müschterli

Gigele und gugle mit bärnischi Anekdote, erzellt vom J. Harald Wäber.

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