Wenn der Borkenkäfer zur Plage wird

Publiziert: 24.05.2019
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Borkenkäfer haben zwei Gesichter: Als kleine «Ökosystem-Ingenieure» sorgen sie für abgestorbenes Holz und schaffen Lebensräume für andere Organismen. Kommt es unter gewissen Bedingungen zur Massenvermehrung, kann der Borkenkäfer jedoch zum Schädling werden. Der Forstbetrieb der Burgergemeinde Bern nutzt moderne Maschinen, um die Schäden so klein wie möglich zu halten.

TEXT: DANIELA TSCHANZ

Borkenkäfer kommen in Laub- und Nadelbäumen auf der ganzen Welt vor. Meistens sind sie auf eine oder mehrere Baumarten spezialisiert, so wie die bekannteste Borkenkäferart, der knapp 5mm grosse Buchdrucker. Wie alle Borkenkäfer entwickelt er sich unter der Rinde von Bäumen. Für die Besiedlung suchen sich die Männchen geeignete Wirtsbäume, in der Regel geschwächte Fichten. Hier bohren sie sich in die Baumrinde und locken Weibchen zur Paarung an. Die begatteten Weibchen fressen einen Muttergang in das Holz, wo sie ihre Eier ablegen. Die geschlüpften Larven wiederum fressen vom Muttergang seitlich wegführende Larvengänge und verpuppen sich. Durch diese Larvengänge wird der Saftstrom von der Baumkrone zur Baumwurzel unterbrochen und die betroffenen Bäume sterben ab.

200 Käfer vs. 1 Baum
In der Regel gelangen Borkenkäfer nur bei jenen Bäumen unter die Rinde, die bereits geschwächt oder abgestorben sind. Denn gesunde Bäume sind in der Lage, einzelne Angreifer im Harz zu ertränken und ein Eindringen zu verhindern. Zum Problem für Förster, Forstwarte und Holzverarbeiter wird der Borkenkäfer aber, wenn er sich massenhaft vermehren kann. Dann können auch gesunde Bäume vollständig – das heisst bis zum Absterben – geschädigt werden. Mindestens 200 Käfer braucht es schätzungsweise für das «erfolgreiche» Abtöten eines Baums.

Zwischen Nützling und Schädling
Da Fichten hierzulande aufgrund der gesellschaftlichen Nachfrage weit verbreitet sind, hat der Buchdrucker das grösste Schadenpotenzial – nicht nur unter den Borkenkäfern, sondern unter den Waldinsekten generell. Die Einstufung als Schädling ist dabei immer auf den Menschen bezogen. So ist der Befall durch Insekten ein natürliches Ereignis in der Walddynamik.

Indem Borkenkäfer Lücken im Kronendach schaffen, verhelfen sie Jungbäumen und anderen Pflanzen zum Wachstum. Ausserdem profitieren viele andere Organismen wie Pilze oder Insekten von der Arbeit des Käfers. Die ehemalige «Käferfläche» unterscheidet sich nach einem Befall vom umgebenden Wald. Dadurch wird sie zu einem Hotspot der Insekten-Biodiversität und zum Lebensraum für diverse Kleinsäugetiere und Vögel.

Neben diesen Ökosystem-Dienstleistungen können Borkenkäfer – wenn sie sich übermässig vermehren – aber auch wirtschaftliche und ideelle Schäden anrichten. Fallen Fichten flächendeckend aus, können grosse Kahlflächen entstehen. Zuvor dichte Wälder werden zu offenen Landschaften mit toten Baumskeletten. Dieses grossflächige Absterben kann von uns Menschen als Verlust wahrgenommen werden. Ausserdem erfüllt das anfallende «Käferholz» die Qualitätsanforderungen der Konsumenten nicht mehr.

Mit einer Entrindungswalze gegen den unbeliebten Käfer
Die effektivste Art, solchen wirtschaftlichen und ideellen Einbussen vorzubeugen, ist der rasche Eingriff in befallene Bestände. Der Forstbetrieb der Burgergemeinde Bern fällt betroffene Bäume daher möglichst rasch und transportiert sie aus dem Wald ab. Ist dies nicht möglich, setzt er eine eigens entwickelte Entrindungsanlage ein, die ganze Baumstämme schält und damit die Vermehrung des Käfers verhindert. Neu kann der Forstbetrieb ausserdem auf eine Entrindungswalze setzen, die direkt auf dem Vollernter eingesetzt wird und auch dünne Stämme entrindet. Neben dem Buchdrucker trifft man in den burgerlichen Wäldern auch auf den Kupferstecher, der ebenfalls mit Vorliebe die Fichte befällt, sowie auf den Krummzähnigen Tannenborkenkäfer, der sich in die Rinde von Weisstannen bohrt.

Bärner Müschterli

Gigele und gugle mit bärnischi Anekdote, erzellt vom J. Harald Wäber.

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