Die Kunst des Insektenzeichnens

Publiziert: 21.09.2014

Wozu zeichnet jemand Schmetterlinge, wenn man sie doch fotografieren kann? Tatsächlich lässt sich ein auffälliger Falter wie ein Tagpfauenauge anhand einer Fotografie problemlos identifizieren. Wer sich näher mit Schmetterlingen befasst, wird aber rasch auf gezeichnete Bestimmungstafeln zurückgreifen, wenn es etwa gilt, die vielen ähnlich aussehenden Bläulinge oder Scheckenfalter voneinander zu unterscheiden. Ein guter Zeichner versteht es nämlich, wichtige Bestimmungsmerkmale leicht überhöht darzustellen und sie so deutlicher zu machen.

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1 / 5 Tafel mit Schmetterlingen.
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2 / 5 Tafel mit Schmetterlingen.
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3 / 5 Tafel mit Schmetterlingen.
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4 / 5 Tafel mit Schmetterlingen.
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5 / 5 Tafel mit Schmetterlingen.

TEXT: ELSA OBRECHT; BILD: HANS-PETER WYMANN

Das Idealbild, welches der Zeichner kreiert, ist somit fotografischen Bestimmungstafeln überlegen. Auf der Fotografie weist selbst ein sorgfältig gewählter Falter immer eine einzelne Spielart eines Musters auf und hat nie prototypischen Charakter. Gute Insektenzeichner sind rar. Doch am Naturhistorischen Museum arbeitet ein Meister dieses Fachs, welchem das Museum diesen Herbst eine kleine Ausstellung widmet.

Quereinsteiger als Zeichner
Hans-Peter Wymanns Karriere als wissenschaftlicher Illustrator begann mit einem Sprung ins kalte Wasser. Als in den 1980er-Jahren eine Gruppe von Schmetterlingsspezialisten an einem Buch über die Tagfalter der Schweiz zu arbeiten begann, widmete sich Hans-Peter Wymann zusammen mit anderen dem Kapitel der Bläulinge. Dazu zeichnete er für den Eigengebrauch entsprechende Faltertafeln. Seine Kollegen waren von diesen Tafeln begeistert und beauftragten ihn fortan, sämtliche Tagfalter zu zeichnen. Der seinerzeit ohnehin schon spektakuläre Band «Tagfalter und ihre Lebensräume», 1987 vom Schweizerischen Bund für Naturschutz (heute Pro Natura) herausgegeben, war dank der Tafeln um eine wichtige Komponente bereichert worden. Auch in den beiden Folgebänden «Schmetterlinge und ihre Lebensräume», welche 1997 respektive 2000 herauskamen, zeichnete Hans-Peter Wymann für die Bestimmungstafeln verantwortlich. Daneben illustrierte er auch den achten Band der Reihe «Microlepidoptera palaearctica».

Anstellung als Zeichner am Naturhistorischen Museum
Ein privater Gönner überredete Hans-Peter Wymann im Jahr 2000, die Familie der Eulenfalter in Angriff zu nehmen. Der Auftraggeber finanzierte das Projekt zur Hälfte, denn die zeichnerische Arbeit an den rund 600 verschiedenen Arten liess sich nicht mehr, wie zuvor, in der Freizeit erledigen. Hans-Peter Wymann wurde ein Arbeitsplatz am Naturhistorischen Museum eingerichtet, worauf er seine bisherige Lehrertätigkeit stark reduzierte und hauptberuflich wissenschaftlicher Zeichner wurde. Dank den Beiträgen verschiedener Ämter und Stiftungen wird der Band über die Eulenfalter in Kürze in der Reihe «Fauna Helvetica» erscheinen. Herausgeber sind das Schweizerische Zentrum für die Kartierung der Fauna (CSCF) sowie die Schweizerische Entomologische Gesellschaft (SEG).
Im Naturhistorischen Museum überarbeitet Hans-Peter Wymann zurzeit die reichhaltige Bläulingssammlung und erstellt neu Tafeln der letzten noch unbearbeiteten Familie der Grossschmetterlinge, der Spanner. Für den Band, welchen der Haupt Verlag in sechs bis acht Jahren herausbringen wird, werden noch Sponsoren gesucht.

Ausstellung

Die Ausstellung dauert vom 11. November 2014 bis 1. Februar 2015. Die Vernissage findet am Montag, 10. November 2014, um 19 Uhr statt. Unter anderem mit Spezialgast Hanspeter Latour.

Bärner Müschterli

Gigele und gugle mit bärnischi Anekdote, erzellt vom J. Harald Wäber.

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