Adel ha, heisst sech la bruuche

Publiziert: 25.10.2017
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Diese bekannte Sentenz des bernischen Dichters Rudolf von Tavel könnte man über das Leben und reiche Wirken des am 25. August dieses Jahres in hohem Alter in der Berner Altstadt entschlafenen Fürsprechers Rudolf von Fischer setzen.

TEXT: J. HARALD WÄBER; BILD: BURGERBIBLIOTHEK BERN

In eine der ältesten Stadtberner Familien geboren, war ihm seine privilegierte Genealogie nie Selbstzweck, sondern Verpflichtung in der Gegenwart. Sie machte ihn zur Ausnahmeerscheinung mit philanthropischem und mäzenatischem Flair. Sein vielfältiges Schaffen hat in der Aarestadt und darüber hinaus wichtige Spuren hinterlassen, an die man an dieser Stelle dankbar erinnern darf.

Da ist einmal der Einsatz für die Burgergemeinde Bern zu nennen, die er nach dem üblichen «cursus honorum» in den burgerlichen Räten von 1991 bis 1997 auf durchaus grandseigneurale Weise präsidierte. Es waren dynamische Jahre mit nicht wenigen markanten Erfolgen, von denen nur der grosse Festumzug des Jubiläumsjahrs BE 800, die ersten Vergabungen des burgerlichen Jugendpreises, die Grundsteinlegung zum Erweiterungsbau des Naturhistorischen Museums, die Vereinbarung zur Schaffung eines Paul-Klee-Museums, die Sanierung der Liegenschaft «Felsenburg», aber auch die erste Einburgerung einer jüdischen Familie genannt seien.

Im Zusammenhang mit der burgerlichen Laufbahn und darüber hinaus wurden an Rudolf von Fischer zahlreiche Mitgliedschaften in Behörden, Kommissionen und Stiftungen angetragen, wobei er sich gemäss seinen Interessen besonders gerne in musisch-kulturellen, sozialen und kirchlichen Organisationen engagierte.

Sehr wichtig war ihm, der sich nach seinem Studium in Wien zum Sänger ausbilden liess, die Musikwelt. Der grosse Opernfreund und eifrige Konzertbesucher verfügte in diesem Bereich über stupende Kenntnisse, die sogar international tätige Berufsmusiker verblüfften. Es lag daher nahe, ihn zum Präsidenten der Bernischen Musikgesellschaft zu ernennen. Mit Hilfe einer Fusion mit dem Bernischen Orchesterverein, aus der das Bernische Symphonieorchester entstand, und der Verpflichtung bedeutender Dirigenten führte er das Musikschaffen der Bundesstadt zu Höhepunkten.

Auch die Architektur fand sein grosses Interesse. Er war einer der Ersten, der den künstlerischen Wert des während langer Zeit verachteten Historismus erfasste. So konnte er auch vom Gast zum Retter des gefährdeten Hotels Giessbach am Brienzersee werden, unterstützt vom bekannten Umweltschützer Franz Weber. Die Campagne Oberried in Belp, ein ehemaliger Sitz seiner Familie, vermochte er zudem mit Hilfe der Stiftung der Familie von Fischer und der Denkmalpflege zu renovieren und der Öffentlichkeit für kulturelle Anlässe zu öffnen.

Gemäss der Tradition des gelebten Christentums, die in einem Teil des bernischen Patriziats verankert war, bestand eine enge Verbindung Rudolf von Fischers zur reformierten Kirche, der er bis in die höchsten Ränge diente. Die Leiter führte vom Präsidium des Kirchgemeinderates der Münstergemeinde über den Kleinen Kirchenrat der Gesamtkirchgemeinde und das Präsidium der Bernischen kantonalen Synode zur Mitgliedschaft im Vorstand des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes, wo er überall engagierte, oekumenisch orientierte Arbeit leistete. Im persönlichen Verkehr mit dem hochgebildeten Rudolf von Fischer waren nicht nur seine Freundlichkeit, sein Charme und der Humor des glänzenden Redners, sondern auch sein Dialekt besonders angenehm. Er sprach als einer der Letzten noch in reiner Form das gepflegte Stadtberndeutsch und bleibt unvergessen als Vorleser aus Rudolf von Tavels Werken.

In den Lauben der Altstadt fehlt inskünftig die elegante, kerzengerade schreitende Persönlichkeit mit Krawatte und Hut, die Bekannte stets freundlich lächelnd und chevaleresk grüsste. Die Freunde des Verstorbenen müssen inskünftig ohne geistvolle Stunden im vornehmen Heim an der Nydegg auskommen. Und der Stuhl des regelmässigen Kirchgängers im Münster ist verwaist.

Bärner Müschterli

Gigele und gugle mit bärnischi Anekdote, erzellt vom J. Harald Wäber.

Bärner Müschterli

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