Pflanzen und Illustrationen des Herbariums von Felix Platter online

Publiziert: 04.07.2014

Centaurena montana, Doppelseite aus dem Platter-Herbar

Während des Sommers zeigte die Burgerbibliothek im Botanischen Garten einen ganz besonderen Schatz, das «Platter-Herbarium» des vor 400 Jahren verstorbenen Basler Stadtarztes Felix Platter. Die Bände gehören zum grössten noch erhaltenen Teil von Platters Nachlass in Buchform und befinden sich seit 2010 im Besitz der Burgerbibliothek Bern. Die neun Bücher wurden jetzt vollständig digital zugänglich gemacht.

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1 / 11 Die Berg-Flockenblume Centaurena montana ist eine Art der Gebirge Mittel- und Südeuropas.
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2 / 11 Die Gartenbohne (Phascolus vulgaris), in Südamerika seit Jahrtausenden kultiviert, gelangte erst im 16. Jh. nach Europa. Platter hielt einige in seinem Garten.
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3 / 11 Der ursprünglich aus Südosteuropa stammende Meerrettich wurde in Mitteleuropa seit dem Mittelalter angebaut, zuerst aber nur als Heilmittel genutzt.
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4 / 11 Das Wald-Vergissmeinnicht: der deutsche Name, hier in der Variante «Vergiss nit mein», ist seit dem 15. Jh. belegt und zeigt die Bedeutung der Pflanze für Liebestränke und Liebende.
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5 / 11 Die Perlhuhn-Schachblume oder Schachbrettblume, ursprünglich atlantisch-mediterran verbreitet, wurde zu Platters Zeit als Gartenpflanze eingeführt.
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6 / 11 Die Sumpfpflanze Kalmus stammt aus dem südöstlichen Asien. Die traditionelle Heilpflanze gilt als kräftigend, appetitanregend, aphrodosierend und ist Bestandteil von verschiedenen Cola-Getränken.
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7 / 11 Allguter Heinrich, eine Pionierpflanze sehr nährstoffreicher Böden, wurde als wilder Spinat gegessen oder an Schweine verfüttert. Platters Bezeichnung Tota bona «Allgute» zeigt die Wertschätzung als Heilkraut.
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8 / 11 der echte Wurmfarn auch Männerfarn genannt, ist eine in ganz Europa und Nordamerika verbreitete Waldpflanze.
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9 / 11 Dem Manne treu: Das im Mittelmeerraum verbreitete Feld-Mannstreu ist ein naher Verwandter der seltenen Blaudistel der Alpen, dem Alpen-Mannstreu.
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10 / 11 Das verbreitete Wiesenschaumkraut ist ein in nährstoffreichen, frischen Wiesen auffallender Frühblüher.
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11 / 11 Meisterhaft sind die Verwendungsmöglichkeiten des Waldmeisters beispielsweise zum Würzen von Süssigkeiten, der Maibowle oder der Berliner Weissen, als Mottenmittel und als Volksarznei.

TEXT: MARTIN GRASSL; BILD: zVg

Der Basler Felix Platter (1536–1614) war einer der bedeutendsten Schweizer Universalgelehrten seiner Zeit. Auf medizinischem Gebiet waren seine Forschungsarbeiten bahnbrechend, so in der Augenheilkunde, der Rechtsmedizin und der Anatomie. Platter war aber auch ein leidenschaftlicher Botaniker und legte eines der weltweit ersten Herbarien an. Dessen gepresste Pflanzen befinden sich in einem hervorragenden Zustand und sind zusammen mit den ergänzenden Holzschnitten und Originalzeichnungen von Meistern des 16. Jahrhunderts besonders sehenswert.

Zum Medizinstudium nach Montpellier
Den Grundstein zu seinem Herbarium legte Felix Platter in Südfrankreich. Der 16-Jährige reiste 1552 auf einem Maultierrücken nach Montpellier, um dort Medizin zu studieren. Die Fakultät im Languedoc genoss damals in ganz Europa grosses Renommee. Während des Studiums wurde Platter unter anderem in die Kunst des Pflanzenpressens zu wissenschaftlichen Zwecken eingeführt. Die Botanik emanzipierte sich damals davon, nur Hilfswissenschaft der Medizin zu sein. Herbarien dienten der aufstrebenden Disziplin als wichtige «Datenbanken».

Rückkehr ans Rheinknie
Platter kehrte 1557 nach Basel zurück, wo er als Arzt zu praktizieren begann. In der Folge wurde er Rektor der Universität und Professor der Medizin. Zudem bekleidete er das Amt des Stadtarztes. Der erfolgreiche Platter blieb bis zu seinem Tod berufstätig und erwarb ein immenses Vermögen. Der passionierte Sammler legte unter anderem ein umfangreiches und weitherum bewundertes Naturalien- und Raritätenkabinett an. Zudem besass er einen eigenen botanischen Garten. Er hielt sogar exotische Tiere, darunter einen viel bestaunten Elch.
Bereits der Lebenslauf von Platters Vater Thomas (1499 –1582) war ungewöhnlich: Geboren im Walliser Bergdorf Grächen, wanderte der Hirtenbub zum Sprachenstudium nach Zürich aus und leitete zuletzt das Basler Gymnasium. Berühmt wurde er durch seine Autobiografie.

Der Weg des Platter-Herbariums zur Burgerbibliothek
Nach Felix Platters Tod blieb seine Sammlung bis ins 18. Jahrhundert in Familienbesitz, wurde danach jedoch aufgeteilt und verkauft. Nach langer Odyssee gelangten Platters Herbariumbände 1863 ins neu errichtete Botanische Institut der Universität Bern, wurden dort jedoch erst 1930 auf dem Estrichboden wiederentdeckt. Sie kamen 1984 als Depositum in die damalige Stadt- und Universitätsbibliothek Bern und wurden 1994 an die Burgerbibliothek weitergereicht und dieser 2010 mit der Auflage geschenkt, sie der Öffentlichkeit in digitaler Form zugänglich zu machen.

In dreijähriger Arbeit wurden die im Laufe der Zeit arg strapazierten Bände von der Burgerbibliothek konserviert und Tausende von Seiten schonend fotografiert. In einer Datenbank wurden alle Pflanzen identifiziert und erschlossen, sodass sie auf der ansprechenden Sonder-Website gezielt gesucht werden können. Finanziert wurde das Projekt aus dem «Legat Binding», welches die Burgergemeinde Bern für Projekte in den Bereichen Soziales, Kultur und Wissenschaft äufnet.

 

Das Platter-Herbarium online

www.burgerbib.ch/platter-Herbarium

Der Ausstellungskatalog «Ein 400-jähriger Schatz» kann bei der Kanzlei der Burgergemeinde gratis bezogen werden (solange Vorrat)

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Gigele und gugle mit bärnischi Anekdote, erzellt vom J. Harald Wäber.

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