Paul Boesch Preis zum ersten Mal verliehen

Publiziert: 22.11.2016
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Der neu geschaffene Paul Boesch Preis fördert jüngere Künstlerinnen und Künstler im Bereich der bildenden Kunst. Der mit 50 000 Franken dotierte Hauptpreis zeichnet eine «mid-career»-Persönlichkeit der Schweizer Kunstszene aus. Vier weitere Förderpreise à 5000 Franken gehen jeweils an Studientalente der Schule für Gestaltung Bern und Biel in den Fachbereichen Design, Grafik, Keramik und Projekte. Die jährlich stattfindende Preisverleihung richtet die burgernahe Paul Boesch Stiftung aus, welche auf den bedeutenden bildenden Berner Künstler Paul Boesch (1889 –1969) zurückgeht.

TEXT: MARTIN GRASSL ; BILD: ZVG

Ende März fand im Kunstmuseum Bern die erstmalige Verleihung des Paul Boesch Preises statt. Der hochdotierte Hauptpreis wurde der neuen Senkrechtstarterin am Schweizer Kunsthimmel, Pamela Rosenkranz, verliehen. In ihren international beachteten Arbeiten verbinden sich diverse Disziplinen wie Malerei, Video- und Objektkunst. Die Künstlerin befremdet den Betrachter durch die Verwendung von Materialien in unerwarteten Kontexten. Pamela Rosenkranz zeichnete unter anderem für die Gestaltung des Schweizer Pavillons an der letztjährigen Biennale von Venedig verantwortlich, wo sie die menschliche Haut thematisierte. So füllte sie etwa Trinkwasserflaschen mit hautfarbener Flüssigkeit ab. Die von ihr gestaltete Biennale-Sonderbriefmarke der Schweizer Post zeigt einen Hightech-Profildruck menschlicher Haut und zwingt zum speziellen Kontakt mit dem Organ, denn zum Frankieren muss das Stückchen «Haut» nicht nur angefasst, sondern auch abgeleckt werden. Den Paul Boesch Hauptpreis erhielt die Künstlerin zur einen Hälfte bar. Mit der anderen Hälfte kaufte ihr die Stiftung ein ausgewähltes Werk fürs Depot des Kunstmuseums Bern ab.

Insektenkochbuch, Tabakdose und mehr
Der Paul Boesch Preis soll aber auch talentierte Künstlerinnen und Künstler von morgen auszeichnen. So gingen insgesamt acht Förderpreise in vier Teilbereichen an nachgenannte Studientalente der Schule für Gestaltung Bern und Biel. Lea Tschirren schuf ein rund 300-seitiges, bebildertes und eigenwilliges Nachschlagewerk zur Geschichte des Grafikdesigns. Die drei Polydesignerinnen Sina Schöpf, Camille Fröhlich und Ramona Dell’Anna haben mit «Der etwas andere Geschmack» ein ansprechendes Insektenkochbuch verfasst. Die Keramikerin Raffaella Sabatino hat eine Tabakdose in sechs verschiedenen Techniken überraschend neu interpretiert. Die Grafikerinnen Alice Cadonau und Melanie Friedli haben mit «Stayin’ alive» das kontroverse Thema Organspende in einer hervorragend gestalteten Broschüre dargestellt. Mit «Up to Unknown Lands» hat die Grafikerin Alexandra Theiler eine Reise auf fotografisch ungewöhnliche Art dokumentiert. Die gelungene Gefässgruppe «Keramische Wurzeln» des Keramikers Milan Liechti orientiert sich an der Töpfertradition des Emmentals, während Debora Kurer mit «2 × 2 + 3 = x» eine poetische keramische Installation mit zwei- und dreidimensionalen Objekten geschaffen hat. Schliesslich wurden Lernende der Grafik Fachklasse Biel für ein elektronisches, interaktives Glossar für Grafikerinnen und Grafiker auf deutsch und französisch prämiert.

Bescheidener Namensgeber
Der bedeutende Wappenzeichner Paul Boesch ist vielen Schweizer Schulkindern früherer Generationen ein Begriff, illustrierte er doch während Jahrzenten den legendären Pestalozzi-Kalender oder «10 000 Jahre Schaffen und Forschen». Boeschs umfangreiches Werk besteht vorwiegend aus Holzschnitten. Zu seinen vielen Auftragsarbeiten für Gemeinden und den Kanton Bern gehört auch der Entwurf des alten Burgergemeinde-Logos oder das Wappenbuch für die Burgergemeinde von 1932. Dem Künstler und seiner Gattin wurde 1968 das Ehrenburgerrecht als Angehörige der Zunft zu Metzgern verliehen. Ihm zu Gedenken hat seine Tochter, Liselotte Boesch, vor ihrem Tod 2011 die Gründung der Paul Boesch Stiftung verfügt. Sie ist dem Ethos ihres Vaters verpflichtet und soll dessen Wirken in die Zukunft tragen. Deshalb bezweckt sie die Förderung von jüngeren bildenden Künstlern. Auf Wunsch von Liselotte Boesch haben im jurierenden Stiftungsrat Delegierte des Kleinen Burgerrats und der Zunft zu Metzgern sowie die Direktorinnen und Direktoren des Kunstmuseums Bern, der Kunsthalle Bern und der Schule für Gestaltung Bern und Biel Einsitz.

Website Paul Boesch Stiftung

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