Gesprächsrunde mit den Jugendpreisträgern 2017

Publiziert: 14.05.2018

Geld ist nicht alles. Darum ging der Jugendpreis erstmals seit 23 Jahren neue Wege. Da effektive Jugendförderung mehr ist als nur Preisgelder verteilen, wurden zwei Preisträger mit massgeschneiderten, nichtmonetäreren Preisen honoriert: in Form eines «Raums auf Zeit» sowie eines temporär bebaubaren Ackers. Ebenfalls neu waren die Open-Castings zum Bewerben. In diesem Rahmen konnte die Jury denn auch den Puls der Jugendlichen fühlen und sich ein Bild davon machen, wo die wahren Bedürfnisse liegen. Das Medaillon hat drei Ausgezeichnete besucht und Einblick in ihr aktuelles Schaffen bekommen.

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1 / 14 Der Jugendpreis 2017 war ein aussergewöhnlich starker und vielfältiger Jahrgang.
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2 / 14 Rani mit dem Prototyp des neuen ranifah-Bags
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3 / 14 Prototypen der neuen Necessaires von ranifah
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4 / 14 Verkauf während des Releases der neuen æra-Kollektion im Burgerspital
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5 / 14 Apéro am æra-Release
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6 / 14 Vor einem Jahr hat der 18-Jährige Gymnasiast Lúan Palma das Label ins Leben gerufen.
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7 / 14 Lúan Palma bekam überdies Support für die Organisation der tollen Releaseparty Ende März in der CaféBar des Hauses.
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8 / 14 Lúan Palma von æra, der Instagram-Account zählt zurzeit schon 750 Follower.
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10 / 14 Die æra-Kollektion war im Burgerspital sofort ausverkauft.
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11 / 14 Stoffbags mit dem æra-Logo
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12 / 14 Die Bieler Soul-Pop-Band Dana erhielt den Förderpreis.
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13 / 14 Ein Anerkennungspreis ging an das Berner Startup «SnowHaze»; die gleichnamige Browser-App ermöglicht sicheres Surfen und verhindert, dass persönliche Daten preisgegeben werden.
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14 / 14 Sandro Dubach von «echterWeizen» am Fuss des Gurtens, wo gesät werden soll.

TEXT: MARTIN GRASSL UND MERET RADI; BILDER: SIMON STÄHLI

2017er-Jahrgang war fraglos der Vielseitigste seit seinem Bestehen. An der Preisfeier Ende November im Bierhübeli wurde der Verein «echterWeizen» für den Wiederanbau von Urgetreidesorten mit dem Hauptpreis ausgezeichnet. Die weiteren Preise gingen an das umtriebige Siebdruck-Label «æra», die ambitionierte Soul-Pop-Sängerin Dana, das Tüftlerquartett von «SnowHaze» für eine datenschützende Browser-App sowie das fair-fashion-Label «ranifah».

Aus alt mach cool & only
Schon Lo & Leduc sind in æra-T-Shirts gesichtet worden, doch auch weniger Prominente tragen sie und setzen so ein Zeichen gegen Verschwendung und für charmanten Chic. Vor einem Jahr hat der 18-Jährige Gymnasiast Lúan Palma das Label ins Leben gerufen. Lúan hat immer schon gerne gezeichnet oder Shirts selber genäht und bemalt. Vor einem Jahr war die Zeit reif für ein Label. Doch woher das Geld für die geplante T-Shirt-Kleinserie nehmen? Lúan, dem Warenverschwendung ohnehin ein Dorn im Auge ist, entschied sich für die Brocki. Hier fand er günstige, unbedruckte und einfarbige Shirts, die er anschliessend im Garten seines Wohnorts im Siebdruckverfahren bedruckte. Die selber entworfenen Sujets, die er stets mit einem edding-3000-Stift entwirft, haben allesamt mit Bern zu tun. Zu kaufen gab es die bisher drei limitierten Kollektionen jeweils an einem einmaligen Release-Anlass. æra ist auf Instagram präsent und zählt schon 750 Follower.

Anstelle eines Preisgeldes wurde Lúan ein sogenannter «Raum auf Zeit» verliehen: während 30 Tagen durfte er einen Kulturraum im Gewölbekeller des Burgerspitals für die Produktion seiner neuen Kollektion unentgeltlich nutzen. Überdies bekam er Support für die Organisation der tollen Releaseparty Ende März in der CaféBar des Hauses. Die gesamte Kollektion war nach der Party restlos ausverkauft. Alle neuen Teile ziert das Logo zweier roter Bärenköpfe, die, zu einem Herz geformt, für Toleranz in der Liebe stehen. Den Rohstoff T-Shirts bezieht Lúan mittlerweile kostengünstig bei der Caritas.

Lúan kann sich durchaus vorstellen, dass æra künftig von einem Kollektiv getragen werden könnte. Er ist auch offen für die Ausweitung der Produktepalette gemäss der nachhaltigen Labelphilosophie. Neben aktuellen Bags und T-Shirts denkt er etwa an Pullis oder Hosen. Eine Freundin hat sogar eine Schmucklinie aus rezyklierten Materialien in der Pipeline.

Ein Höhepunkt für Lúan war das Interesse der Pop-Lokalmatadoren Lo&Leduc an æra. Es laufen Gespräche für extra Fan-Shirts für den Merchandise-Stand der Musiker: eine grossartige Gelegenheit, um Lúans nachhaltige Fashion-Idee unter die Leute zu bringen!

In aller Munde: echterWeizen
Knapp eine Tonne Getreiderisotto aus Eigenanbau hat der Verein «echterWeizen» bisher verkauft. Seit zwei Jahren verfolgt der Verein um die beiden Youngsters Sandro Dubach und Marco Kauer das Credo «alte Sorten erhalten und vermehren» und widmet sich der Bewahrung der Getreidevielfalt. Dafür wurde er mit einem massgeschneiderten Hauptpreis ausgezeichnet. Inspiriert wurde der Verein von Hanspeter Saxer, der seit über 40 Jahren rare Getreidesorten aus vergangenen Zeiten sammelt. Bei einem Feuer verlor der Landwirt jedoch einen Grossteil seines Sortiments. Seither unterstützt «echterWeizen» das Projekt von Saxer und hilft mit, die seltenen, nicht genmanipulierten Getreidesorten, die sehr geschmackvoll und verträglich sind, zu bewahren. Die vier Gründungsmitglieder stemmen ihr Projekt ehrenamtlich. Dank des Jugendpreises hat der Verein

an Bekanntheit gewonnen und die Anzahl Gönnerinnen und Spender erhöhen können. Anstelle einer Summe wurde «echterWeizen» mit «einem Feld auf Zeit» honoriert. Diesen Herbst können sie auf dem burgerlichen Pachtbetrieb Schlossackergut in Spiegel b. Bern ihr Saatgut ansäen. Pächter Ulrich Jost steht dem Projekt unterstützend zur Seite.

«Land ist noch immer die Ressource, die wir am dringendsten benötigen. Damit die raren Sorten überleben, müssen sie gesät werden», erklärt Vereinspräsident Sandro Dubach. Aus diesem Grund sucht «echterWeizen» weiterhin nach Bauern, die auf einem Feld oder einem Teil davon, Urgetreide anbauen möchten. «Wir haben mehr Ideen als zeitliche und personelle Kapazitäten», fügt Dubach lachend hinzu. In Kooperation mit dem Backboard Ostermundigen wird bald das erste sortenreine «echterWeizen»-Brot lanciert und auf dem Münstergass-Märit erhältlich sein. Sogar die Brauerei 523 in Köniz hat bereits erste Test-Biere aus «echterWeizen»-Getreide gebraut. «Wir wünschen uns neue Vereinsmitglieder, die Lust hätten, ein Teilprojekt zu übernehmen oder sich in den Bereichen Kommunikation oder Administration zu engagieren.»

Eines der schönsten Erlebnisse mit «echterWeizen» war für Sandro Dubach die Bio Suisse-Knospe-Zertifizierung. An einer Tagung haben professionelle Sensoriker die Qualität des Getreiderisottos von «echterWeizen» ausgezeichnet. «Es ist eine grosse Ehre, wenn ein sachliches Urteil von ausgebildeten Geschmacks-Profis belegt, dass unser Produkt besonders gut schmeckt», berichtet Dubach stolz. Die Experten lobten vor allem das harmonische Zusammenspiel der Geschmacksnuancen der verschiedenen Getreidesorten. Weiter rühmten sie deren lang anhaltende, bissfeste Konsistenz. Erhältlich ist das Getreiderisotto im Oekoladen Thun oder direkt bei «echterWeizen» (info@echterWeizen.ch). Vereinspräsident Sandro Dubach von «echterWeizen» ist hauptberuflich selbstständiger Koch und Startup-Unternehmer mit der Firma Roh&Nobel. Die beiden Aufgaben lassen sich gut vereinen, weil er in seiner Tätigkeit als Privatkoch, Caterer, Foodstylist und Kochschullehrer die Produkte von «echterWeizen» platzieren und erlebbar machen kann.

Der Verein hat sich für 2018 zum Ziel gesetzt, zwei Tonnen Mehl zu produzieren, um alle geplanten Produkte zu realisieren. Langfristig erhofft sich «echterWeizen» zudem, einen festen Platz in den Regalen der Reformhäuser zu finden. «EchterWeizen würde so vermutlich erstmals finanziell profitabel werden», überlegt Dubach laut. «Im Vordergrund steht aber weiterhin das Ziel, alte Getreidesorten zu erhalten und zu vermehren und damit das Lebenswerk von Hanspeter Saxer weiterzuführen.»

Nachhaltige Accesoires
Sri Lanka, Japan, Bern: Dieser besondere Dreiklang steht für ranifah, das nachhaltige Fashion-Label von Rani Fankhauser. Auf diesen Herbst ist die neue Accessoire-Kollektion mit Stoffbags und Necessaires terminiert. Die mit dem Anerkennungspreis von 4000 Franken ausgezeichnete Designerin ist Bernerin mit srilankischen Wurzeln, ihre grosse Inspirationsquelle aber ist Japan. Sie weilte schon mehrmals für teils längere Aufenthalte im fernöstlichen Inselreich und erhielt bleibende Eindrücke von der japanischen Kultur. Besonders die traditionell bedruckten Stoffe haben es Rani angetan und finden nun in der neuen Kollektion Verwendung. Genäht wird die ranifah-Kleinserie auf Sri Lanka. Dies im Rahmen eines vom Berner Verein Palmyrah geförderten Projekts, welches mithilft, die durch den langen Bürgerkrieg in Sri Lanka zerstörte Zivilgesellschaft wiederaufzubauen. In sechs Berufsbildungszentren werden vor allem kriegstraumatisierte Frauen etwa in Textilberufen angelernt. Hundert Prozent «Made in Emmental» ist das Design der Kollektion. Die ausgebildete Schneiderin Rani Fankhauser entwirft es im Atelier im elterlichen Haus unweit von Zollbrück. Mit dem Preisgeld konnte sie den Kauf der Stoffe und Reisverschlüsse für die geplanten 50 Bags sowie 100 Necessaires vorfinanzieren. Die Accessoires sind voraussichtlich ab Herbst im Kitchener sowie über die ranifah-Website erhältlich, geplant ist auch die Präsenz an kleineren Verkaufsmessen. Mit Freude hat sie am Jugendpreisträger- Märit anlässlich der Tannenbaum-Party 2017 im Burgerspital teilgenommen. Dort konnte sie ihre Artikel im öffentlichen Rahmen präsentieren und verkaufen.

Jugendpreis 2018: Gewinne Deinen persönlichen Coach!

In diesem Jahr verleiht die Burgergemeinde Bern neben finanziellen Förderpreisen einen «Coach auf Zeit». Junge Talente zwischen 13 und 25 Jahren, die ein bemerkenswertes Projekt planen oder realisiert haben, erhalten die Chance, ein Coaching zu gewinnen. Mutige Bewerberinnen und Bewerber stellen ihr Talent an einem der Open Castings am Samstag, 25. August und 1. September 2018, in der CaféBar im Berner GenereationenHaus unter Beweis. Am Freitag, 30. November 2018, wird im Bierhübeli der Jugendpreis zum 24. Mal verliehen.

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Bärner Müschterli

Gigele und gugle mit bärnischi Anekdote, erzellt vom J. Harald Wäber.

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