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FAQ

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Die Forstmaschinen schlagen keine Schneisen in den Wald, sondern bewegen sich für ihre notwendigen Waldpflege- bewirtschaftungsarbeiten ausschliesslich auf sogenannten 4 m breiten Rückegassen (RG). Diese durchziehen den Wald im Abstand von jeweils rund 30 m. Früher angelegte Rückegassen in näherem Abstand werden bis zum Ende der Produktionszeit so belassen, um nicht mehr Waldboden befahren zu müssen. Dadurch müssen nur gut 10% des Waldbodens befahren werden, der restliche Waldboden wird nie mehr befahren und dadurch maximal geschont. Auch die Rückegassen werden weitgehend geschont und nur bei guter Witterung respektive geringer Feuchtigkeit des Waldbodens befahren.  Zudem wird mit dem Astmaterial auf den Rückegassen ein Teppich gelegt, der das Gewicht optimal verteilt und die Verdichtung minimiert.

Bodenfruchtbarkeit und Pilzgeflechete erhalten: Weshalb der Einsatz kleiner Forstmaschinen den Waldboden mehr belast als der grosser

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Das Nichtbefahren von rund 90% der Waldfläche ist wichtig für den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit. Grosse Pilzgeflechte durchwachsen nämlich den Waldboden und umhüllen die Baumwurzeln mit einem flechtenartigen Mantel. Dabei leben diese Pilzgeflechte mit den Bäumen in einer Symbiose. Die Pilzgeflechte versorgen den Baum mit Nährstoffen und Wasser und umgekehrt liefert ihnen der Baum Kohlenhydrate (Zucker). Die Pilzgeflechte sind sehr druckempfindlich, weshalb leichte Maschinen keinen Vorteil darstellen, sondern durch ihre geringere Kranreichweite deutlich mehr Rückegassen benötigen und damit mehr Waldfläche befahren würde.

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Die einzig richtig grosse Forstmaschine im Betrieb der Burgergemeinde ist der sogenannte Vollernter, welcher Bäume fixiert, fällt, sägt und entastet. Dank seines 15 m langen Greifarms kann er von den Rückegassen aus weit in den Baumbestand hinein greifen, ohne den Waldboden dort zu schädigen. Die Raupen verteilen dabei sein Gewicht von 22 t auf 200 g/cm² (was 2 Tafeln Schoggi auf einem Daumennagel entspricht) und schützen den befahrenen Boden somit besser als Reifen. 120 Bäume können täglich geerntet werden. Diese Effizienz ist für die Preisbildung wichtig, weil so Schweizer Holz auf dem Markt vor ausländischer Ware bestehen kann. Der Treibstoffverbrauch beträgt 8 l Diesel pro Stunde. Die Maschine wird aber auch zum Anpflanzen von Bäumen verwendet.

Medaillon-Artikel zum Thema lesen: Dürfen wir vorstellen? Das ist Elenor!

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Viele alte Bäume leiden unter den klimatischen Veränderungen der letzten Jahre. Die trockenen und heissen Sommer führen dazu, dass sie anfälliger für den Befall von Schädlingen (Pilze, Borkenkäfer etc.) sind. Zudem schwächt der Wassermangel und die grosse Hitze das Wurzelwerk. Dadurch sind die Bäume auch nicht mehr stabil. Sie können insbesondere bei Stürmen umstürzen und werden somit zur tonnenschweren Gefahr für tausende Waldbesuchende. Die geernteten Bäume werden durch Jungbäume ersetzt, entweder wachsen neue selber nach (Naturverjüngung) oder werden durch den Forstbetrieb neu gepflanzt.

Pro Sekunde wächst im burgerlichen Wald Holz vom Umfang eines Würfels von 10 cm Kantenlänge nach, dies entspricht rund 86 m³ respektive 86 t Holz pro Tag (zudem bindet 1 m³ Holz 1 m³ umweltschädliches CO₂). 2019 wurden im burgerlichen Forst insgesamt 11‘500 neue, klimawandeltaugliche Bäume wie 
Traubeneiche, Tulpenbaum oder Douglasie angepflanzt. Rechtzeitig geerntetes Qualitätsholz findet übrigens Verwendung im Bau und anderen langlebigen Produkten, womit das gebundene CO₂ nicht wieder in die Atmosphäre gelangt.

Der Einsatz von grossen schweren Raupenmaschinen ermöglicht es mit langen Kranarmen zu arbeiten. Dadurch wird deutlich weniger Waldboden befahren als mit günstigen, kleinen und leichten Maschinen. Zudem verteilt sich das Gewicht durch die Raupenfahrwerke deutlich besser. Ein Raupenvollernter mit 30 t Gewicht bringt so rund 1,5 kg/cm² auf den Waldboden. Dies entspricht einer 1,5 l PET-Flasche auf einem Daumennagel. Die Maschinen dürfen sich dabei ausschliesslich auf den Rückegassen bewegen, der restliche Waldboden wird nicht befahren (siehe FAQ 1).

Nein. Der burgerliche Forstbetrieb wendet alljährlich in seinen der Öffentlichkeit zugänglichen Wäldern rund 300 Tsd. Franken in den Bereichen Wohlfahrt, Erholung, Schutz und Ökologie auf. 129 Hektaren burgerlicher Wald dienen als Reservate dem Erhalt seltener Tier- und Pflanzenarten. Das entspricht rund 180 Fussballfeldern.

Nein, die Burgergemeinde verfolgt als oberstes Ziel das langfristige Sicherstellen aller Waldleistungen (Holzversorgung, Wohlfahrt, Ökologie und Schutz).

Damit dieses Ziel erreicht werden kann, müssen die Wälder dem Klimawandel angepasst werden. Ein erheblicher Anteil der Wälder der Burgergemeinde ist aufgrund der Baumarten (Fichte, Buche) dem Klimawandel nicht gewachsen. Die Bäume sterben in trockenen und heissen Sommern ab, werden von Insekten befallen oder vertrocknen.

Die Geschwindigkeit der klimatischen Veränderungen erlaubt keinen Aufschub, was grossflächigere forstliche Eingriffe als bisher zur Folge hat. Diese haben insbesondere im urban genutzten Wald den Vorteil, dass durch die entstehende Kraut- und Jungwaldschicht Rückzugs- und Ruheräume für Wildtiere geschaffen werden. Infolge des Klimawandels muss der Wald um klimawandeltaugliche Baumarten (Eiche, Douglasie, Baumhasel, Tulpenbaum, Kirsche, Lärche etc.) verjüngt werden. 4000 Hektaren Wald wären früher während einer Periode von 120-160 Jahren verjüngt worden, jedes Jahr maximal 20-40 Hektaren. Der Klimawandel zwingt zu einer beschleunigten Verjüngung von 4000 Hektaren innerhalb von 50 Jahren, was 80 Hektaren pro Jahr entspricht. Diese Verdoppelung der Verjüngungsfläche schafft jüngere und vitalere Wälder mit zukunftsfähigen Baumarten. Dies ist im Wald kaum zu übersehen und wird von einigen Waldbesuchenden mit ökonomischen Interessen verwechselt.

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Die Aktivitäten von Waldkitas gehen über das gesetzliche Betretungsrecht des Waldes hinaus. Waldkitas stellen einen gesteigerten Gemeingebrauch dar, da sie auf bestimmten Waldplätzen, für bestimmte Personen, zu bestimmten Zeiten zur Verfügung stehen. Dadurch ergeben sich für die Grundeigentümer spezielle Haftungsregeln, die eine Sicherheitsüberprüfung und -massnahmen nötig machen. Diese Massnahmen wären ohne Pädagogische Institution im Wald nicht notwendig. Denn: wer den Wald unter dem gesetzlichen Betretungsrecht besucht, tut dies auf eigene Gefahr.

Deshalb sind Sicherheitsholzungen rund um Waldkitaplätze unabdingbar (Gefahr herunterstürzender Äste oder umfallender Bäume). Diese finanziell aufwendigen Sicherheitsholzungen stellt der burgerliche Forstbetrieb als eigenständige dienstleistende Abteilung der Burgergemeinde den pädagogischen Institutionen verursachergerecht in Rechnung. Da die Burgergemeinde die Idee der Waldkitas begrüsst, unterstützt sie deren Angebot im Rahmen ihrer Engagements in Kultur und Gesellschaft EKG und übernimmt auf entsprechende Gesuchsstellung die Gesamtkosten der Sicherheitsholzungen. Da es sich beim Forstbetrieb um eine eigene Abteilung der Burgergemeinde handelt, kann die Rückerstattung betreffender Gebühren nur auf indirektem Weg erfolgen.

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Mit der Anpassung der Wälder an den Klimawandel werden die Baumbestände tendenziell jünger und vitaler. Damit entfällt jedoch eine wichtige Entwicklungsphase der natürlichen Waldentwicklung, nämlich die Alters- und Zerfallsphase. Die Burgergemeinde hat deshalb ein Konzept entwickelt, das sich auf mehrere Standbeine abstützt:

  • Liegendes Totholz auf der gesamten Fläche
  • Stehendes Altholz in Altholzinseln
  • Ausser Nutzung stellen von Waldflächen

Liegendes Totholz

Der Forstbetrieb lässt nach Holzerntemassnahmen bewusst einen erheblichen Anteil des Ast- und Kronenmaterials auf der Fläche zurück, obwohl er dieses auch energetisch und damit wirtschaftlich nutzen könnte. Das auf der gesamten Fläche liegen gelassene Totholz dient dazu, nützlichen Insekten- und Pilzarten einen Lebensraum zu bieten. Der liegende Totholzanteil war in der Burgergemeinde zu keinem Zeitpunkt der vergangenen 200 Jahren so hoch wie heute. Gleichzeitig besteht jedoch ein Risiko, dass das liegende Totholz durch Waldbesuchende für andere Zwecke genutzt (verbrannt) wird. Dieser Effekt ist unerwünscht.

Stehendes Altholz in Altholzinseln

Der Forstbetrieb lässt im Schnitt alle 30 Hektaren eine Baumgruppe von 5 - 30 Bäumen stehen. Diese Bäume werden mit einem blauen Punkt markiert und bleiben bis zu ihrem natürlichen Zusammenbruch stehen. Sobald sie ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellen, werden sie gefällt und liegengelassen. Im stehenden Alt- und Totholz finden ebenfalls nützliche Pilz- und Insektenarten und insbesondere auch Vögel und Fledermäuse ihre Habitate. Dank seiner Verteilung über die gesamte Waldfläche bietet es deutlich mehr Vogelfamilien Platz, als dies  in einem zusammenhängenden Reservat der Fall wäre.

Ausser Nutzung gestellte Waldflächen

Der Forstbetrieb hat auf seiner gesamten Waldfläche einen Anteil von rund 5-10% definiert, der auf unbestimmte Zeit ausser Nutzung gestellt wird. Dabei verzichtet die Burgergemeinde auf einem grossen Teil dieser Flächen auf vertragliche Vereinbarungen. Die meisten Organisationen, die als Vertragspartner zur Verfügung stünden, existieren weniger lange als die Burgergemeinde ihre Wälder pflegt. Die Burgergemeinde kann den Schutz dieser Flächen eigenständig sicherstellen.

Einen erheblichen Anteil der Leistungen im Bereich Ökologie erbringt die Burgergemeinde ohne vertragliche Vereinbarung mit Drittorganisationen. Gelegentlich entsteht bei ungenügend informierten Kreisen der Eindruck, die Burgergemeinde Bern würde die ökologischen Aspekte im Wald geringschätzen. Der Anteil an Alt- und Totholzflächen in der Burgergemeinde Bern war jedoch noch nie so hoch wie zum jetzigen Zeitpunkt.

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Nein, nicht alle markierten Bäume werden gefällt. Entscheidend sind die unterschiedlichen Markierungen an den entsprechenden Bäumen:

  • Bäume mit blauen Ringen bleiben bis zum Ende ihrer Produktionszeit im Wald. Sie sind sogenannte Zukunftsbäume (Z-Bäume) und werden bei den forstlichen Massnahmen maximal geschont.
  • Bäume mit blauen Punkten gehören zu einer Altholzinsel und bleiben bis zum natürlichen Zerfall stehen.
  • Bäume mit diagonalen gelben oder orangen Streifen werden gefällt, weil sie entweder Bäume mit blauen Ringen (Z-Bäume) konkurrenzieren, Sicherheitsrisiken darstellen oder durch ihre Kronen die Ansamung der nächsten Generation verhindern.
  • Bäume mit zwei roten liegenden Streifen sind Bäume, die den Rand einer Rückegasse kennzeichnen. Sie bleiben stehen so lange keine waldbaulichen Überlegungen ihre Ernte notwendig machen.
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Der Wald bindet das schädliche Treibhausgas CO₂, und zwar rund eine Tonne pro Kubikmeter Holz. Wächst ein Baum, wird CO₂ durch Fotosynthese in festen Kohlenstoff umgewandelt, während der freiwerdende Sauerstoff in die Atmosphäre gelangt. Der Wald fungiert als sogenannte CO₂-Senke, doch nur, wenn er sinnvoll bewirtschaftet wird. Denn alte, verrottende Bäume können umgekehrt zur unliebsamen CO₂-Quelle werden. 

Die CO₂-Bindung von grossen dicken Bäumen oder von jüngeren vitalen Beständen unterscheidet sich nicht wesentlich. Mit dem Unterschied, dass grosse alte Bäume ein erhebliches Sturmrisiko darstellen und im Fall eines Sturmschadens kein CO₂ mehr binden können – wie dies bei Abräumungen nachher der Fall ist. Dies liegt im wesentlichen an der Stammzahl je Hektare. Ein Jungbestand weist ohne weiteres 2500 Einzelbäume pro Hektare auf, ein Altbestand dagegen noch 60 – 160 Bäume pro Hektare. Bei ganz jungen Wäldern ist zwar deren CO₂-Bindung im Vergleich zu Altbeständen vorübergehend reduziert. Auf die gesamte Betriebsfläche der burgerlichen Wälder bleibt die Bindungsleistung jedoch immer gleich hoch, da darauf geachtet wird, einen möglichst nachhaltigen Altersaufbau sicherzustellen. Die CO₂-Bindungsleistung verschiebt sich also lediglich in örtlicher Hinsicht. Wenn also etwa im Dählhölzli eingangs Thormannstrasse alte Bäume entfernt werden, um der darunter wartenden Nachfolgegeneration für das Wachstum nötiges Licht zu verschaffen, reduziert sich dort die CO₂-Bindung vorübergehend. Gleichzeitig wächst im Forst im Westen Berns ein Bestand vom Durchmesser 50 cm (BHD = Brusthöhendurchmesser, 1,30 m über Boden) in die Durchmesserklasse 60 cm hinein. Damit wird eine gesamthaft betrachtet stabile CO₂-Bindungleistung sichergestellt. Gleichzeitig gilt es als erwiesen, dass eine konsequente Z-Baum-orientierte  Durchforstung mehr CO₂ bindet als alle anderen Bewirtschaftungssysteme (Zukunftsbäume, die maximal geschont werden. Erkennbar an ihren Markierungen mit einem blauen Ring).

Der Forstbetrieb der Burgergemeinde Bern verkauft hochwertiges Buchenstammholz (10-20% des gesamten Buchenholzsortiments) an einen Händler (WM Holz AG), welcher einen Teil davon nach China verkauft, da in der Schweiz keine Nachfrage danach besteht. Eine entsprechende Bewusstseinssensibilisierung der Öffentlichkeit mit flächendeckender Bevorzugung heimischer Holzprodukte wäre wichtig.

Bei der Ernte von Buche entstehen verschiedene Produkte:

  • Laubstammholz (zum Sägen von Brettern und Balken)
  • Laubbrennholz (zum Spalten für Scheitbrennholz)
  • Schwellen (zum Sägen von Bahnschwellen – aber häufig auch für industrielle Brennholzherstellung)
  • Plattenlaubholz (zur Spanplattenherstellung)
  • Laubenergieholz

Der Forstbetrieb verkauft das Laubstammholz (Buche) ab Waldstrasse. Das Laubstammholz erzielt je nach Marktsituation einen Preis zwischen CHF 75 – 95 pro fm. Da in der Schweiz für dieses Holz kaum Nachfrage besteht, wird es (2019: 674 fm, entspricht 7% des Buchensortiments) an einen Händler verkauft, der einen Teil davon nach China verkauft. Damit dieses Holz inskünftig nicht mehr exportiert werden muss, hat sich die Burgergemeinde am Werk Fagus Suisse beteiligt. Es wäre wünschenswert, wenn Schweizer Bauherren insbesondere für Privat- und Gewerbebauten auf Schweizer Buchenholz setzen würden.

Das Laubbrennholz (2019: 91 fm, entspricht 1 % des Buchensortiments) ist ein relativ aufwendiges Sortiment, da es besonders astfrei sein muss und nur einen bestimmten Durchmesser aufweisen darf, damit es optimal gespalten werden kann. Dieses Sortiment wird je nach Marktsituation zu CHF 65 – 75 Franken pro Tonne verkauft. Dies entspricht CHF 56 – 65 pro fm. Bei Kleinmengen auch CHF 80 pro Tonne (CHF 69 pro fm) da der Handlingaufwand grösser ist.

Das Plattenlaubholz (2019: 1410 fm, entspricht 14,7% des Buchensortiments) bleibt in der Schweiz, sofern der einzige Verarbeiter aufnahmefähig ist. Das Holz geht auch in Plattwerke im angrenzenden Ausland respektive an Händler, die es teils nach Italien weiterverkaufen.

Das Laubenergieholz (2019: 6401 fm, entspricht 66.7% des Buchensortiments) bleibt vollumfänglich in Bern und wird für die Fernwärmeerzeugung eingesetzt.

Die Schwellen machten 2019 einen Anteil von 1021 fm, 10.7% aus.

1 fm (Festmeter) Buchenholz entspricht ca. 1.15 Tonnen lutro (lufttrocken).

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